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Es geht um uns heute: Neue Anne-Frank-Ausstellung in der Kongresshalle

Gernot Borriss
Die Anne-Frank-Ausstellung in der Kongresshalle.
Die Anne-Frank-Ausstellung in der Kongresshalle.
Foto: Gernot Borriss
Vom 4. März bis zum 6. April 2013 wird die neueste Wanderausstellung des Anne-Frank-Zentrums Berlin und des Anne-Frank-Hauses in Amsterdam in der Leipziger Kongresshalle am Zoo gezeigt. „Es geht um uns heute“, ist für Elke Urban, die Leiterin des Leipziger Schulmuseums die Botschaft der Exposition „Deine Anne. Ein Mädchen schreibt Geschichte“.


„Wie herrlich ist es, dass niemand auch nur eine Minute zu warten braucht, damit zu beginnen, die Welt langsam zu ändern.“ Diesen Satz schrieb Anne Frank, noch keine fünfzehn Jahre alt, am 26. März 1944 in ihr Tagebuch. Ihr Tagebuch, das heute das meistgelesene Buch über die Verbrechen des Nationalsozialismus ist.

Thomas Heppener, Direktor des Anne-Frank-Zentrums Berlin, zitiert diesen Tagebucheintrag zur Eröffnung der Wanderausstellung am 1. März 2013 in Leipzig. Denn die Ausstellung „Deine Anne. Ein Mädchen schreibt Geschichte“ will mehr bieten als eine ergreifende historische Rückschau. Für Heppener geht es um einen „Diskurs über die Frage, in welcher Gesellschaft wollen wir leben“.

Für ihn soll das eine Gesellschaft sein, in der man „ohne Angst verschieden sein kann“. Ein hoher Anspruch. Doch nur, wenn dieser gelebt wird, besteht die Verheißung von der gleichen Würde aller Menschen ihren Praxistest. Denn Menschenrechte sind universell, unteilbar, inklusiv.

Jedem fallen Beispiele aus seiner näheren und ferneren Umgebung dafür ein, wo Verschiedenheit nicht diskriminierungsfrei gelebt werden kann. Auch zum Nachdenken darüber will die Ausstellung anregen. Und uns in puncto Voreingenommenheit auf die eigenen Fallen stoßen, wie es Heppener nennt.

„Wer bin ich?“, „Wer sind wir?“, „Wen schließen wir aus?“, „Was kann ich bewirken?“. Diese typischen Fragen von Heranwachsenden auf der Suche nach der eigenen Identität und der Zugehörigkeit zu sozialen Gruppen will die Ausstellung Raum geben.

Elke Urban, die Leiterin des Leipziger Schulmuseums, hat die neueste Exposition „Deine Anne. Ein Mädchen schreibt Geschichte“ des Anne-Frank-Zentrums Berlin und des Anne-Frank-Hauses in Amsterdam nach Leipzig geholt. In der Kongresshalle Leipzig am Zoo, in der Pfaffendorfer Straße 29, ist sie nun bis zum 6. April 2013 zu sehen.

Eröffnung der Anne-Frank-Ausstellung.
Eröffnung der Anne-Frank-Ausstellung.
Foto: Gernot Borriss

Zivilisationsbruch Nationalsozialismus

Die Zeit, die Anne Frank (1929 – 1945) erlebt hat, handelt aber nicht von den alltäglichen Herausforderungen, in einer Welt sozialer Ungleichheiten und zusehends multiethnischer, wie multikultureller Großstadtgesellschaften einen Platz zu finden.

Anne Frank durchlebte den größten bekannten Zivilisationsbruch, der in modernen Gesellschaften von Staats wegen begangen wurde. Es geht um die nationalsozialistische Diktatur, an deren Beginn vor 80 Jahren wir in diesen Wochen erinnern. Und auch Diktaturen, das ist oft genug herausgearbeitet worden, funktionieren nur, wenn ihre Absichten und Methoden einem hinreichend großen Teil der Bevölkerung legitim erscheinen.

Die Familie Frank wanderte aus Deutschland aus, um der Diskriminierung und Verfolgung der jüdischen Mitbürger im Dritten Reich zu entgehen. In der alten, der Welt zugewandten Handelsstadt Amsterdam baute sich die Familie eine neue Existenz auf. Die Besetzung der Niederlande durch die Wehrmacht beendete diesen Neustart.

Es folgte das Versteck in den ehemaligen Geschäftsräumen des Vaters, um der Deportation in die Vernichtungslager zu entgehen. Im Hinterhaus des Firmensitzes in der Prinsengracht 263 schrieb Anne Frank in dem Verschlag zwischen Juli 1942 und August 1944 ihr heute weltberühmtes Tagebuch. Das Tagebuch dient der Ausstellung als Leitfaden, so Heppener.

Gedenkstein für die Leipziger Deportierten am Partheflussbett.
Gedenkstein für die Leipziger Deportierten am Partheflussbett.
Foto: Gernot Borriss
Dann im August 1944 der Verrat. Nur der Vater überlebte den Holocaust. Anne Frank starb im März 1945 im KZ Bergen-Belsen nördlich von Hannover kurz vor dessen Befreiung.

Die Ausstellung beleuchtet die Vernichtungsmaschinerie der Nazis in dessen ganzer Breite. Neben der Darstellung des Lebens der Familie Frank und des Holocaust erinnern die Ausstellungstafeln an die Ausgrenzung und systematische Ermordung anderer Menschen: beispielsweise von Behinderten, Homosexuellen, polnischen nichtjüdischen Zivilisten und sowjetischen Kriegsgefangenen. Auch das ist eine der Stärken der Ausstellung.

Eintauchen in Einzelschicksale

Über Einzelschicksale wie das der Anne Frank können Heranwachsende „eintauchen“ in die historische Zeit des Nationalsozialismus, findet Roman Schulz, Pressesprecher der hiesigen Regionalstelle der Sächsischen Bildungsagentur. Denn der Schulunterricht biete oft nur Raum für die großen Wissenszusammenhänge.

Und schließlich sei der Nationalsozialismus für die heutige Schülergeneration historisch schon sehr weit weg, merkte Schulz bei der Ausstellungseröffnung an. Die Beschäftigung mit dem Schicksal einer Gleichaltrigen könne hierbei viel bewirken.

Leipzigs Zoochef Dr. Jörg Junhold freut sich als Hausherr, diese „immens wichtige Ausstellung“ in den Räumen der Kongresshalle bis Anfang April beheimaten zu dürfen. Denn auch Anlässe des Erinnerns gehörten in dieses Haus, das nach abgeschlossener Sanierung ab 2015 wieder komplett genutzt werden soll.

Ein besonderer Erinnerungsort befindet sich zudem ganz in der Nähe der Kongresshalle. An der Parthe erinnert ein Gedenkstein daran, dass die Nationalsozialisten hier 1938 jüdische Leipziger zusammentrieben.

Die Ausstellung ist montags sowie mittwochs bis freitags von 9 bis16 Uhr, dienstags bis 18 Uhr und samstags von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Gruppenführungen durch Jugendliche sind täglich um 9, 11, 13 und 15 Uhr möglich. Der Eintritt ist frei.



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