Denn der Autor des Artikels ruft zwar selbst in der groß angelegten Casting-Verarsche nicht an, nimmt sich aber neben den vielen Anrufern heraus, eine gewisse Einschätzungsfähigkeit zu haben und hier ist ein außergewöhnlicher, großartiger Sänger auch für ihn selbst unterwegs - Juwelen sind selten und sollten mit Bedacht betrachtet werden.
Keine quietschbunten Teenieträume vom Mark im Glitzeroutfit und mitnichten das Lied vom Prinzen, eher handfest und direkt in den Ansagen. Da können Bild und Co. Schlagzeilen bringen, bis die Kuh fliegt, sie haben am Hype in der Thomas Godoj-Area keinen Anteil. Diesen nämlich schafft Thomas Godoj ganz ohne Hilfe und kann bereits jetzt auf eine massive, breite Front von Mittdreißigerinnen und Ja - auch eine stattliche Zahl an Männern und einheimischen Bürgermeistern zurückgreifen.
Wenn man "Behind blue eyes" (The Who) von Herrn Godoj gesungen - live & unplugged, hört, wie am gestrigen Samstag, tauchen am Horizont eben ganz entspannt James Hetfield (Metallica/Gesang) in der Orchesterversion ("nothing else matters" als Vergleich
) und Nirvana auf und die Freundin Godojs nebst Ziehsohn (laut Medienberichten) verschwinden hinter seiner Stimme - denn darum geht es schon lange nicht mehr - hier wird ein wirklicher Star geboren, einer, der es schon immer war.
Und während die Zuschauerzahlen fieberkurvenartig im Gebiet der schlechter beherrschbaren Konsumenten (also jenseits der 25 und gut ausgebildet) von selbst ansteigen, voten die "Kiddies" weiter fleißig für die Teeniekandidaten - aber die im Format DSDS vorher nie existente, neu gefundene Zielgruppe hält dagegen und investiert mal eben 50 Euro im Dauervoting, wohl wissend, dass es Schwachsinn und zeitgleich eher die Haltung ist: Das leiste ich mir jetzt, eine Investition in den kommenden Samstagabend und die Karriere des einzigen wirklichen neuen Star-Musikers aus Deutschland im Bewerberfeld. (Längst hat übrigens die Begeisterung Österreich, Schweiz, Holland und Großbritannien erfasst).
Thomas Godoj wird dabei durchgehend für voll genommen, auch wenn bei so manchem weiblichen Fan die Hormone, wie bei jedem wirklichen männlichen Idol der vergangenen Musikepochen eine gravierende Rolle spielen. Da ist es auch egal, dass sich Spiegel-online lieber mit dem Migrationshintergrund der DSDS-Kandidaten beschäftigt, als einfach mal für wenige Minuten die Ohren aufzumachen, während sich hier jemand die Seele aus dem Leib singt. Elitäre Hirnwichse hat auch beim renommierten Polit-Boulevard-Online-Magazin noch nie gegen fehlendes Gefühl geholfen.
Didäää-TV ist Müll, bleibt Müll und wenn da ein Talent auftaucht, versucht man es gern in dieser Art Presse lieber mit dem ganz großen Bogen über Stefan Raabs wichtige Talentententdeckungen hinweg zu begründen. Max Mutzke? - vom guten Boulevard gelobt, aber nie in den Herzen
Hier reichen die Erklärungen gern bis hin zur Leistungsunwilligkeit deutscher Jugendlicher, die einfach gegen die türkisch, griechisch- und polnischstämmigen Kandidaten scheinbar aus Faulheit nicht mehr anstinken können (fast alle Kanidaten haben bei DSDS aktuell ein außer-deutsches Elternteil).
Nein, es kann für den "Spiegel" nicht sein, was nicht sein darf - bei Bohlens Kinder-Tanz-Show gibt es keine Musik, nur schlechten Geschmack. Wer es sich so einfach macht, der findet sein Auto auch auf fünf Meter selbst dann nicht, wenn die Sonne hoch am Himmel steht, dunkle Nacht im Musikbereich der Leitmedien.
Aber geht es nicht eigentlich bei Musik um Sex, Schmerz und Tod? Und all das hat der Sänger im richtigen Alter aus Recklinghausen scheinbar gepachtet. Entweder verschämtes Grinsen oder kurze Statements in Interviews - alles richtig gemacht bis hier, scheinbar ohne es zu wollen, aber genau darin liegt der Reiz, auch wenn er aktuell traurig aussieht - aber auch das sympathisch.
Das Drama scheint dennoch vorgezeichnet, nach der Staffel gehen die Kamera- und Bühnenlichter aus, es wird noch mal schnell der Medien-Nachbrenner angeworfen und die letzten Euronen aus den Kandidaten noch verwertet. Anschließend zieht die Musikkarawane DSDS 2008 Richtung Wüste. Und die verbleibenden Streckenposten warten auf 2009, am mit Geldscheinen befeuerten Lagerfeuer.
Die Chance dieses - und wir bleiben dabei - Ausnahmetalents scheint in einer einzigen "Sache" zu liegen. Genau zu zuhören, wenn ihm reich gewordene Mittfünfziger mit Einbruchs- und Schnell-Ehe-Traumata versuchen, die Welt und das Geschäft zu erklären, auf alte Freunde und neue Fans vertrauen und nach der Ferienreise im Plastikflieger DSDS das alte Tourpferd zu satteln (neuer Sattel, neue Wege in die großen Städte sollten drin sein). Sich mit bewiesener Rückenstärke den Fans live zu stellen, ist der Weg dieses schon jetzt manchmal sehr einsam wirkenden Mannes. Nicht die großen Mega-Hallen und TV-Shows, sondern der gut gebaute Mittelklasse-Club um die 800 Besucher-Kapazität wird der Weg sein, auf den zumindest das Vertrauen und die Nähe zu den Fans gedeiht - als erster Schritt hin zu einer wirklich großen Karriere.
Denn diese sind bereits bei ihm und tief verbunden - blaue Farbe weg, DSDS - Logo ausgeblendet - Musik, Musik, Musik - die Liebe ist da, vor allem und gerade, wenn man langsam Angst um einen Künstler bekommt - er passt einfach nicht hinein in diese Welt und Dieter Bohlen äußert sich vollkommen berechtigt gar nicht mehr zur Musik. Er lobt jetzt stattdessen den Lichtmann, denn D.B. hat in dieser speziellen Welt nichts mehr dazu zu sagen.
Um endlich den DSDS-Raum zu verlassen und ein altes Rock´n´Roll-Klischee herauszuholen. Wenn ein Sänger beim Stage diving springt, ist genau das der Moment, wo er in der Luft sieht, ob die Fans unter und vor ihm beiseite treten oder ihn auffangen werden. Thomas Godoj kann nichts mehr verändern - nur noch fliegen, aber ohne diesen Sprung wäre er nicht das, was er ist. Es ist eine heiße Zeit im Leben des Recklinghauseners - am Ende wird er das sein, was er ist - hoffentlich kein Kurt Cobain, denn gestern sah er bereits sehr traurig aus und tänzelt schon wie ein angeschlagener Boxer, als er gelobt wurde.
Rock on - wenn ihr in der Maschine und Verkaufsnotwendigkeiten diesen Riesen-Typen versaut, gibt es echten Ärger aus Leipzig! A Star was born - ein Sänger mit einem Herzen, hoffentlich hat er die Kraft, damit umzugehen - bis dahin, BOXEN AUF, es ist wirklich ein Genuss.
Wo bekomme ich jetzt noch mal ein paar Superlative her - alle verbraucht, aber nicht für den Falschen - da ist sich Michael Freitag sicher.
Einfach selber reinhören:
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