Wenn jemand Fernsehformate sprengt: Thomas Godoj und die DSDS-Maschine
Redaktion
21.04.2008
Michael Freitag. Medien/Kommentar: In der samstäglichen TV-Dauer-Werbepause zappst Du Dich flink durch die Schwachmatenprogramme, rückst die Schüssel mit den Gürkchen zurecht, Fernsehabend und nix zu sehen. DSDS (Dumme Schüler im Didä-Medienmixer) - bäh, weiter und während der Finger über der Neun auf der Fernbedienung schwebt, fängt da jemand an zu singen.
Anzeige
"Shadow Of the Day" von Linkin Park gesungen von Thomas Godoj - laut Einblendung, denn es klingt besser als im Original. Nach wenigen Sekunden ist eine Frage klar: Was hat dieser echte Typ in einer solchen Sendung verloren?
Niemand schaute nach der letzten Staffel noch wirklich bei DSDS interessiert zu (was bei fast 19 Prozent Marktanteil eigentlich gelogen ist - aber wer zählt das und wie?), zumindest wollte es keiner mehr zugeben - jaja, Fernseher zu Hause wegen der Nachrichten. Nach dem "Sieg" Mark Medlocks und sein musikalischer Abstieg in die seichte Bohlen-Zone, längst verblasste Erinnerungen an die vorherigen Gewinner, der rüde Crash mit Max Buskohl - dem deutlichen Zugpferd der letzten Staffel und vor allem das zunehmend demütigende Geplapper des Europoppers Bohlen, hatte die Stars-Show bei vernunftbegabten Menschen schwer in Schlagseite gebracht.
Im Grunde widerlich, wie hier mit jungen, oft nur mäßig begabten Talenten umgegangen wurde und wird - Kamera an, fremde Lieder zersingen lassen, anschließend kreative Beschimpfung und die finale Abschiebung durch das teuer votende Publikum - DSDS stand für das so genannte Unterschichten-TV schlimmster Sorte. Einige Kandidaten taugten besser, andere schlechter zum Watschenmann und Pausenclown - allen war aber die Aufgabe irgendwie zugedacht - Quoten-Prostitution für den Jugendtraum vieler Jugendlicher: Musiker sein und Geld damit verdienen.
DSDS hat schlicht (Quoten)Schwein gehabt, als Bohlen sich im Casting in einer ungeheuerlichen Arroganz seine Meinung zum arbeitslosen technischen Zeichner Godoj zum Besten gab, ihm jedoch zumindest gering begeistert einen Fahrschein in den Recall gab. Was er da vor sich stehen sah, konnte der "Popgigant" aufgrund seiner ganzen Haltung zum Leben nicht erkennen - ein Talent, wie noch in keiner Staffel vorher. Wen er da mit dem Spruch "wie einer, dem schon dreimal der Sargdeckel auf den Kopf gefallen ist", versuchte zu erniedrigen, ist ihm jetzt in jeder Sendung aufs neue klar - jemand, der mehr Gesangstalent im kleinen Finger hat, als der ganze Bohlen in all den teils unerträglichen Jahren.
Thomas Godoj - ehrlich, gradlinig, "ohne Plan B" neben der Musik und mit einem Grinsen, das mittlerweile die Foren mit Liebesbezeugungen überquellen lässt. Last but not least - eine Stimme, die trotz Erkältung eben besser ist als die Bono´s (U2) mit seinem direktem Liveton-Nachmix bei den Auftritten. Irgendwo in der Nähe von Ville Valo (HIM), dem er im Auftreten nicht unähnlich ist und eben Bono, bewegt er wie selbstverständlich die Herzen. Ein überaus ernst zu nehmenden Musiker mit jahrelanger Bühnenerfahrung in Bands wie Wink und Tonk! (ohne Playback, Herr Bohlen) und vor allem: ein Typ, aus dem die Frauenträume gemacht sind - die echten.
Dabei hat Thomas Godoj mit seiner Band auch vor seiner Teilnahme selber alles ganz gut gemacht - Wink war bereits auf der Soundwave Tour einer großen Getränkemarke am Start und begeisterte die Hallen - zum Durchbruch hat es aber wie bei vielen guten Musikern nie gereicht. Was er aber scheinbar mehr als gut verstanden hat - versuch neben den unerlässlichen Details Dein Privatleben aus dem Job rauszulassen.
Aber was ist ein Star eigentlich? Jemand, der für viele Normale den Traum auslebt, mit Musik Geld zu verdienen, geliebt zu werden und Anerkennung für Kreativität und Können mittels rammelvoller Konzerthallen gleich säckeweise mit nach Hause nehmen zu dürfen. Hier ist jemand, der genau dies unaufgeregt tut, jede Nummer, die ihm die Jury zuteilt, zu seiner eigenen macht und sich frei singt, sobald die ersten Sekunden der Aufregung vorüber sind. Dabei ist es fast mit Händen zu greifen, dass dies seine Chance ist, dem Leben als Ausfahrer von Medikamenten und 2,5-jähriger Arbeitslosigkeit zu entkommen. Er kniet förmlich in jedem seiner fast immer getroffenen Töne, während die Fans zu seinen Füßen liegen. Die Dramaturgie stimmt in dieser Staffel wieder, solang Thomas Godoj nicht den Buskohl macht und hinschmeißt.
Wünschen wir Thomas Godoj den zweiten Platz und dass Papa Bohlen ihn in Ruhe lässt - es käme einer Vergewaltigung gleich, wenn dieser Ausnahmerocker in die Hände der 90er-Jahre Popper im Umfeld des Geld-gegen-Flachmusik-Produzenten Didä fällt.
Zumindest kann man beim Jurymitglied Andreas "Bär" Läsker (Mitbegründer von Four Music, Fanta 4-Entdecker und heutiges Management der Leipziger "Die Prinzen") schon die Dollarzeichen im Auge blitzen sehen, wenn er nach dem Linkin Park Cover-Song in die Halle schreit: "Ich weiß nicht, auf wen ich stolzer sein soll. Ich hab den Song so geil rausgesucht. Das haben wir echt gut gemacht, wir Beiden." Die Schlacht um Verträge und Zukunftsaussichten des 30-Jährigen scheint begonnen zu haben, während er sichtlich um seine Qualität wissend, beim Song "I still haven't found what I'm looking for" (U2) seiner Mutter die Hand schüttelt, lacht und den Text vergisst. Völlig egal - das Publikum rastet nach dem letzten Ton komplett aus, als ob sie beim Rock am Ring wären.
Und so hat der Sänger aus Recklinghausen nichts und doch alles zu verlieren. Er hat bereits jetzt einen Ruf, welcher beginnt, das Format DSDS zu sprengen und dessen Herr er nach dem wahrscheinlichen Gewinn der Staffel möglichst bleiben sollte. Eigene Band, eigene Identität und vor allem - vernünftige Texte und Kompositionen - umsetzen kann es dieser Newcomer schon jetzt professioneller als viele seiner Kollegen.
Denn obwohl es sich wirklich empfiehlt, solche Formate wie DSDS tot zu ingnorieren - für einen hoffentlich bald mit einer vernünftigen Band tourenden Thomas Godoj ist es legitim, ein Wort der Achtung auf den staubigen Bühnenboden zu werfen.
Kommenden Samstag, 26. April, ist für wenigstens 3,5 Minuten der RockenTöneLive-Sender im Terminkalender einbetoniert - wenn Thomas Godoj on stage die Konkurrenten deklassiert und man Dieter Bohlen danach beim Verbeugen vor echtem Talent beobachten kann.
Die Quote dürfte dann bei den 14- bis 49-Jährigen deutlich über 35 Prozent, also weit jenseits der Sechs-Millionen-Grenze in der werberelevanten Zielgruppe liegen - Thomas sei Dank, da hat auch Dieter gut lachen.
2010 trat das Leipziger Forscher-Team um Svante Pääbo erstmals an die Öffentlichkeit mit der Meldung, sie hätten aus einem winzigen Teil eines fossilen Fingerknochens aus der Denisova-Höhle in Südsibirien eine (vorläufige) Fassung des Genoms erstellt. Immerhin ein heißes Eisen: Es war das Genom eines dritten Vertreters der Menschheit. mehr…
Während „normale“ Menschen bei knackigen Minusgraden bibbernd in beheizten Räumen auf bessere Zeiten warten, zieht es einige Mitglieder des Tauchsportvereins „Leipziger Delphine“ gerade jetzt an ihr Hausgewässer, den Kulkwitzer See. Und das aus gutem Grund, denn die strengen Fröste der vergangenen Tage haben den „Kulki“ zufrieren lassen. mehr…
Ein Kompromiss ist ein Interessenausgleich auf der Basis der kleinsten gegenseitigen Verärgerung. Vorangegangen ja gegenseitige Beleidigungen und Provokationen – je nach Naturell laut oder hinter den Kulissen. Im Backstagebereich wird ein Krieg vorbereitet. Solang es ein gerechter ist, solls uns wohl recht sein. mehr…
Lange ließ Jean-Jacques Annaud nichts von sich hören. Zuletzt inszenierte der 67-Jährige, dem das Kino Meisterstücke wie "Der Name der Rose" oder "Sieben Jahre in Tibet" verdankt, im Jahr 2004 das mäßige Tiger-Drama "Zwei Brüder". Sein Spätwerk "Black Gold" ist eine pathetische Zeitreise zurück an die Anfänge des Öl-Booms in der arabischen Welt. mehr…
2011 organisierten Neonazis in Sachsen in etwa genauso viele Konzerte wie im Vorjahr. Dies ergab eine Kleine Anfrage der Linken-Abgeordneten Kerstin Köditz. Nach Angaben von Innenminister Markus Ulbig (CDU) registrierte der Verfassungsschutz die Planung von 44 Konzerten. mehr…
Kreativität muss ja irgendwann erst einmal beginnen. Design, Fotografie und nicht zuletzt ihre wundervollen Songs, zusammen mit dem griechischen Elektrokünstler Kostas, sorgen für Aufsehen – und Bewegung. Am 9. Februar stellt Minette nun zum ersten Male aus. Vernissage. Richtig mit Getränken und Freunden und Staunenden. Wenn Minette die neue Vivienne Westwood ist, können alle Leser sagen, sie sind bei den ersten Schritten dabei gewesen. Interview. mehr…
Das unschöne Loch am Burgplatz „begeistert“ die Leipziger seit über 16 Jahren. Der englische Eigentümer hat auch nach mehrmaliger Anfrage seitens der Stadt nicht reagiert. Es herrscht weiter Unklarheit, was AMEC/KIG mit diesem überaus zentral gelegenen Grundstück anfangen will. Doch der Stadtverwaltung reicht es jetzt. mehr…
Dass in den entscheidenden Ämtern und Behörden in Sachsen noch immer nicht begriffen wurde, was die demografischen Veränderungen im Land eigentlich bedeuten, zeigte gerade der Vize-Vorsitzende des Beamtenbundes, Helmut Overbeck, mit seiner Forderung nach einem sogenannten "Demografie-Tarifvertrag". Gleichzeitig diskutiert die Politik über einen "Demografie-Faktor" im Finanzausgleich. Auch zum Entsetzen der beiden SPD-Abgeordneten Wolfgang Tiefensee und Dirk Panter. mehr…
Sachbeschädigung, Körperverletzung, räuberische Erpressung, Diebstahl, Drogenbesitz. Lucas K. (22) war schon zehnfach vorbestraft, als er am Montag, 6. Februar, im Amtsgericht auf der Anklagebank Platz nahm. Vor fünfeinhalb Jahren kam der Arbeitslose das erste Mal mit der Justiz in Kontakt. mehr…
Auch wenn alles mit rechten und gerechten Dingen zugeht, wird wohl jeder Kustos einer Sammlung bei solch einer Aktion heimlich die eine oder andere Träne wegdrücken. Weil öffentlich, wäre das politisch unkorrekt. 44 Kleinode spätantik-byzantinischer Alltagskultur wurden kürzlich in Leipzig als Eigentum des Berliner Museums für Byzantinische Kunst identifiziert und kehren nun ins Bode-Museum in die Bundeshauptstadt zurück. mehr…
Konrad Riedel, Stadtrat der CDU, macht sich Sorgen um den Winterdienst, die Kleingärtner und die Rentner. Alles gut und schön. Kürzlich veröffentlichte die Leipziger Volkszeitung einen Beitrag darüber, dass der CDU-Abgeordnete im Leipziger Stadtrat eine Fahrradsteuer für Leipzig wünscht. Dann könne man von den Einnahmen die Radwege vom Schnee befreien. Mit der Kfz-Steuer geschehe das doch auch für die Fahrbahnen. mehr…
Rotlicht an. Es wird heiß am Donnerstag, 9. Februar, ab 20 Uhr im Helheim (Weißenfelser Straße 32). Das Leipziger PerformanceTheaterKollektiv FormLos stattet Volly Tanner einen Besuch auf seiner Terrasse ab. mehr…
Die Straße des 18. Oktober ist lang. Länger, als mancher denkt. Sie beginnt am Bayrischen Platz, führt schnurstracks zum Deutschen Platz und danach quer durchs alte Messegelände zum Völkerschlachtdenkmal. Eigentlich ist sie auch die Magistrale der Alten Messe, auch wenn sie derzeit nicht so aussieht. Aber sie soll wieder so aussehen. Stückweise ab 2013. mehr…
In „Voland & Quists Literatursalon“ im Horns Erben (Arndtstraße 33) tritt am Freitag, 10. Februar, ab 20 Uhr die Dresdner Lesebühne Sax Royal auf. Sax Royal sind der Kolumnist, Blogger und Moderator Michael Bittner, der Poetry-Slam-Bühnenheld Julius Fischer („Ich will wie meine Katze riechen“), der Lyriker und Prosaist Roman Israel, der Erzähler, Cartoonist und E-Orgel-Alleinunterhalter Max Rademann sowie Stefan Seyfarth. mehr…
„Anders wachsen – Eine sächsische christliche Initiative gegen die Ideologie des Wirtschaftswachstums“ lautet das Thema eines Vortrags- und Gesprächsabends am Freitag, 10. Februar. Die Veranstaltung im Pfarrhaus der Gnadenkirche Leipzig-Wahren, Rittergutsstraße 2, beginnt um 20 Uhr. mehr…