Springen Sie direkt: Zum Textanfang (Navigation überspringen) Zur Hauptnavigation Zur Suche


Springen Sie direkt: Zum Textanfang (Navigation überspringen) Zur Hauptnavigation Zur Suche





Tagesübersicht Leipziger Internet Zeitung
Alle Nachrichten von: heute | gestern | vorgestern

Mehr als nur realistisch: Thomas Heises neuer Film über die Tristesse mitteldeutschen Lebens

Redaktion
Kurt W. Fleming. Macht das jetzt so heißende Centraltheater Leipzig den Leipziger Kinos Konkurrenz, oder wird es möglicherweise ein Kino für unkonventionelle Filme, die eh keine "Kassenschlager" werden, weil sie keine langweilenden Blockbuster sind, und nicht wie letztere das große Geld einfahren?

Erlebnispass der Stadtwerke Leipzig gewinnen und 15 Mal Spaß haben

Ja und nein. Nein: Das Centraltheater wird den hiesigen Kinos keine Konkurrenz machen. Ja: Es etabliert mit der Erstaufführung dieses Filmes im Theater (wenn auch zum zweiten Male in Leipzig aufgeführt) eine neue Reihe, die da heißt: "Kino im Theater". Diese Reihe und die Art von Kino wird wohl eine ähnliche Funktion bekommen wie einst das von vielen Kinoliebhabern hoch geschätzte Kino "Casino".

Die einführenden Worte vor Beginn des Filmes wollen diese neue Reihe - wie eh alles in und um dieses Theater herum mehr oder weniger neu ist seit Antritt des neuen Intendanten - verstanden wissen für das ganz andere als das herkömmliche Kinopublikum, das die Blockbuster bevorzugt bei gleichzeitigem Vernaschen einer ungesunden Cola und nicht sehr nahrhaftem Popcorn.

Und wie in einem Kino waren es auch die drei Gongs, die den Beginn eines seltsamen Dokumentarfilmes ankündigten, in dem zwar gesprochen wurde, jedoch nur von den Akteuren, einer Familie, die in einige ihrer Zweige hinein beobachtet wurde.


Dieser neue Film des Regisseurs Thomas Heise, der auch das Buch schrieb, und des Kameramanns Börres Weiffenbach, hat es schon in sich. Der Film ist durchgehend in Schwarz-Weiß gedreht und wies auch, technisch bedingt, eine gewisse Unschärfe auf und eine Menge Rauschen.

Erzählt wird die Geschichte von Jeanette, 24 Jahre jung, arbeitslos in Umschulung, Busfahrerin lernend, allein und allein erziehend. Sie hat zwei Kinder: Tommy (8), von dem sie meint, ihn verzogen zu haben, habe er doch jetzt kaum Respekt anderen gegenüber, auch sei er in der Schule nicht sehr gut, und ihr Nesthäkchen Paul (3), den versucht sie besser hinzubekommen.

Dann gibt es einen harten Schnitt, nicht nur erzeugt durch einen wie ein lauter Knall vorbeifahrenden Zug, der die ZuschauerInnen aus der ersten Gemütlichkeit herausreißt.

Kinder, wie die Zeit vergeht: denn mittlerweile ist Tommy so alt wie seine Mutter, als sie mit ihm schwanger war. Er hat sich mehr oder weniger von seiner Mutter abgenabelt, hat kaum Kontakt zu ihr, scheint an ihr nicht mehr interessiert. Jeder geht seinen Weg. Am liebsten "abhauen" in den Westen.

Die Kreise weiten sich: irgendwann kommen Jeanettes Eltern ins Spiel: die Mutter, von der Jeanette meint, dass sie von ihr nicht sonderlich geliebt wurde und wird, weil sie - kein Junge ist (Jeanette hat noch vier Brüder). Der Vater dagegen hat ihr immer geholfen.

Und es gibt noch Tino, der ein "guter" Nationalsozialist sein möchte, wohl auch deshalb, um so oder so von seinem Vater ernst genommen zu werden - aber beide sprechen nicht mehr miteinander. Kurios ist in diesem Zusammenhang, man kann es auch traurig nennen, wie Tilo versucht, sich von grölenden, schlagenden, saufenden, pöbelnden Nazis zu distanzieren und den "wahren" Nationalsozialismus darzustellen versucht.

Denn das Auftreten der pöbelnden Nazis habe mit dem Nationalsozialismus nichts zu tun. Aber was ist ihm der Nationalsozialismus? National heißt für ihn, Deutscher und Patriot zu sein, und das Sozialistische daran? Da kommt er ins Straucheln, und was er dann ablässt, taugt nicht einmal für eine Luft, die jemand wärmen könnte.

Links der Kameramann, in der Mitte Jeanette, rechts der Regisseur
Links der Kameramann, in der Mitte Jeanette, rechts der Regisseur
Da dieser Film an keiner Stelle moderiert resp. kommentiert wird, sprechen die wenigen Worte der Akteure für sich, mehr noch aber die Bilder. Wir sehen kaputt gewohnte oder nicht mehr bewohnte und dadurch kaputt gehende "Neu"bauten, in denen Tommy und seine Freunde mit Pseudowaffen Häuserkampf spielen.

Irgendwie wirkt dieser Film deprimierend. Obwohl er doch zugleich aufrüttelt, aber zugleich, weil Heise mehr oder weniger alles "laufen" lässt, hat der Film eine beklemmende Wirkung. Irgendwie alles trist, alles traurig, keine Perspektive. Stellenweise ist man erinnert an den italienischen Neorealismus eines de Sicas.

Und Tommy, der gestern Abend auch anwesend war, gestand auf eine Anfrage einer Zuschauerin scheinbar "unberührt", dass sein Berufswunsch nicht in Erfüllung ging, auch wenn er sich über die Ursachen ausschweigt.

Am Ende des Filmes kommt dann doch noch ein "Kommentar", oder eher eine Feststellung:

Der Mund entsteht mit dem Schrei!

Der Film wird heute Abend in der naTo gezeigt. Der Film ist sehenswert, auch wenn man danach bestimmt nicht zu Witzen aufgelegt sein wird.

Aufführungstermine in der naTo Leipzig: 26. September bis 1. Oktober jeweils 20:00 Uhr.



Funktionen

del.icio.us Mister Wong Technorati Blogmarks Yahoo! My Web Google Bookmarks




Weitere aktuelle Nachrichten der L-IZ.

Gedanken in Sprechblasen 3 - Ester: Ergebnisse eines Leipziger Illustratoren-Workshops

Schwarwel gibt Kurse in Leipzig und überall da, wo begabte Menschen lernen wollen, dass Zeichnen mehr ist, als den Stift zu schwingen. Einen Tag haben die 13 Nachwuchskünstlerinnen mit Schwarwel beim JPS-Illustrationsworkshop verbracht. Die L-IZ.de zeigt nun die Ergebnisse. mehr…

Bürgerumfrage 2009: Nettoeinkommen der Leipziger sind wieder gesunken

Leipziger Nettoeinkommen sanken im Krisenjahr 2009.
Die gestern vom Amt für Statistik und Wahlen vorgestellte "Kommunale Bürgerumfrage 2009" macht dem Oberbürgermeister Burkhard Jung nicht nur Freude. Das Image der Stadt ist gut, schätzen die Leipziger ein. Vieles entwickelt sich positiv. Nur beim Geld klemmt's. mehr…

Das Einkaufszentrum am Lindenauer Markt: Im Interview dazu Rita Fleischer (IHK Leipzig)

Rita Feischer
Es scheinen alle Messen gesungen zu sein – was das Thema Einkaufscenter am Lindenauer Markt betrifft. Die IHK sah und sieht die jetzige Umsetzung immer noch kritisch, denn viel geändert hat sich zu den Plänen von 2007 nicht. mehr…

Gedanken in Sprechblasen 2 - Caroline: Ergebnisse eines Leipziger Illustratoren-Workshops

Schwarwel gibt Kurse in Leipzig und überall da, wo begabte Menschen lernen wollen, dass Zeichnen mehr ist, als den Stift zu schwingen. Einen Tag haben die 13 Nachwuchskünstlerinnen mit Schwarwel beim JPS-Illustrationsworkshop verbracht. Die L-IZ.de zeigt nun die Ergebnisse. mehr…

Auf 100 Quadratmetern kompakt: 300.000 Jahre Leipziger Siedlungsgeschichte

Volker Rodekamp.
Wenn es um Leipziger Vorgeschichte geht, dann kann der Direktor des Stadtgeschichtlichen Museums, Dr. Volker Rodekamp, ins Schwärmen geraten und gleich mal aus der Jackentasche eine halbe Stunde lang referieren. Selten war die "graue Vorzeit" so spannend. Das sollen die Leipziger auch zu sehen bekommen. mehr…

Springen Sie direkt: Zum Textanfang (Navigation überspringen) Zur Hauptnavigation Zur Suche


Leipziger Termine.
Anzeigen.
Nominierungen für den Publikumspreis der Leipziger Buchmesse - Voting
Lehmanns Buchhandlung
Das liest Leipzig – die 3 Bestseller
Helene Hegemann:
Axolotl Roadkill
Stieg Larsson:
Verblendung
Ken Follett:
Die Tore der Welt
Weitere Bestseller und Veranstaltungs-
termine auf www.lehmanns.de/leipzig
Veranstaltungshinweise der IHK Leipzig

Veranstaltungshinweise:

Mehr Service unter:

Zur Website der IHK Leipzig
Theater der Jungen Welt
Abendveranstaltungen
Weitere Termine unter: www.tdjw.de
Website Schwarzes Leipzig
Aktuelle Dossiers.
Anzeigen.
Gewinnspiele / Ticketverlosungen.
Gewinnspiele und Verlosungen
Leipziger Leselust Leipziger Leselust ... seit 2004 bespricht die L-IZ regelmäßig die neuesten Bücher Leipziger Autoren und Verlage.
Link-Tipps.
Bildblog
Services.
RSS-Feed der Leipziger Internet Zeitung Zugang zum Twitter-Account der L-IZ.de
Hier Tickets kaufen.