Bunt wie das Leben: Hallenser Beitrag gewinnt beim 5. U.F.O - Kurzfilmfestival 2010
Sebastian Beyer
17.01.2010
"Oskar" - der Gewinner des Festivals
Bild: Robert Pohle | Screen aus dem Film "Oskar"
„Eine Tüte Sinn des Lebens, bitte." Ja, dies gab es am Freitag Abend im Werk II am Kiosk des „lustigen Smelly O´ Harra". Dabei handelt es sich um eine Figur aus dem experimentellen Kurzfilm „Sinn und Unsinn" von Nick Böse aus Hannover. Er gewann mit diesem Beitrag den dritten Preis beim U.F.O Kurzfilmfestival.
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Etwa 500 Zuschauer krönten durch Abstimmung die Preisträger. Und genau so bunt wie der Inhalt der „Tüte Sinn des Lebens" war auch die Filmauswahl des Festivals. Was dann auch beim Publikum gut ankam. Oder um es mit den Worten des Besuchers Thomas Boy zu sagen: „Die Veranstaltung ist phänomenal und hat meinen Horizont auf jeden Fall erweitert."
Mit „MisterME – nackt" von André Stahlmann war neben anderen auch das Genre Musikvideo dabei
Bild: Screen von misterme.de
Auch an den weiteren Gewinnern lässt sich die Vielfalt zeigen. Auf den zweiten Platz wählte das Publikum „Reise zum Mars" von Sebastian Binder, der leider nicht anwesend sein konnte. Dafür freuten sich seine Kollegen Fabian Grodde und Alexander Schumann über den Erfolg. „Wir hatten ein wenig auf den dritten Platz gehofft und waren schon geknickt, als wir da nicht aufgerufen wurden."
Die Euphorie, dass es doch zu einem Preis reichte, war den beiden anzusehen, als sie von ihren Stühlen aufsprangen. „Der zweite Platz ist super, wir rufen gleich noch alle Kommilitonen an.", so Schumann.
Ihr Film vereint die Ästhetik eines 20er Jahre Stummfilms mit klassischen Science-Fiction Elementen und schafft nach einem Drehbuch aus den 1920ern, Walter Dexels „Mars", tolle Kontraste. Archaische Mechanik und Science-Fiction verschmelzen harmonisch.
Der Sieger des Wettbewerbs kommt mit „Oskar" von Robert Pohle aus der Region. Entstanden ist der Film an der Kunsthochschule Burg Giebichenstein in Halle. Oskar ist ein kleines Papiermännchen, das als Straßenkunst an einer Hauswand klebt. Er erwacht zum Leben, weil er die Aufmerksamkeit einer Frau gewinnen will. Da diese jedoch in der realen Welt lebt und er seine Wand nicht verlassen kann, folgt er ihr ein Stück weit und bekommt Hilfe von zwei weiteren Papierfiguren. Oskars Abenteuer ist kurz aber sehr amüsant, und soll nach dem Willen des Schöpfers auch auf weiteren Festivals laufen. „Wir haben ihn bei vielen Festivals eingereicht. Es wäre natürlich schön, wenn wir es sogar in den Animationswettbewerb beim Leipziger DOK-Festival schaffen könnten."
Robert Pohle war im vergangenen Jahr zusammen mit Martin Hentze für „Der Conny ihr Pony" für den Deutschen Kurzfilmpreis nominiert.
Oliver Stubenrauchs Frosch aus „2 Lives Left"
Screen von Youtube
Neben den Preisträgern waren alle anderen Festivalbeiträge durchgängig hochwertig und oftmals bewundernswert tiefgründig. Das Komitee aus Studenten der HTWK Leipzig traf eine abwechslungsreiche Auswahl. „Koma" von Christian Richter und Markus Trutt stimmte nachdenklich und wartete mit einer einfallsreichen Erzählstruktur auf, mit „MisterME – nackt" von André Stahlmann und „DADA Jugend – You just got recorded" von Stefan Bühl waren gelungene Musikvideos vertreten. Für die Musik beim MisterME - Video zeichneten der Produzent & Musiker Menigo verantwortlich. In „What the digger" ließ Jonas Schubert Bagger als Hauptdarsteller auftreten und erzählt mit ihnen eine kurzweilige Geschichte.
Und wer schon immer wissen wollte, wie der C64-Klassiker „Frogger" in 3D und aus der Perspektive des Frosches ausgesehen hätte, dem sei Oliver Stubenrauchs „2 Lives Left" empfohlen.
Ein großes Kinogenre, die romantische Kömodie, war mit „Serendipity" von Dave Lojek (auch im Programm des „British Shorts" in Berlin) und „Spätvorstellung" von Holger März vertreten. Sie dürften mit ihren kunstvoll erdachten Handlungen dafür gesorgt haben, dass für jeden Geschmack ein Film im Angebot war. Dies sei auch Ziel der Veranstalter gewesen, sagte Prof. Dr. Uwe Kulisch von der Fakultät Medien der HTWK: „Wir würden uns auch für nächstes Jahr wieder über Helfer bei der Organisation freuen." Projektleiter Adrian Then ergänzt, „auch für meinen Posten wird zum Beispiel ein Nachfolger gesucht, alle Interessierten sind herzlich eingeladen."
Die weiteren Beiträge des U.F.O. - Festivals 2010 waren
„Über das Wählen" von Vera Zimmermann – Animation über die Qualen bei der Entscheidungsfindung.
„Nein" von Hannah Jennewein – experimentelle Animation mit geschickten Montagen.
„The Cuckoo Clock" von Marcus Braun – ein depressiv wirkender Uhrenkuckuck fasst mit neuer Liebe neuen Lebensmut. 3D-Animation
Leipzig im Zeitraffer: experimentelle Dokumentation aus Ansichten der Stadt mit ansehnlicher Schwenktechnik
„Seifenblasen" von Moritz Schurer – Eine Tochter lehnt sich gegen die Elterngeneration auf. Als Drama lebt der Film von guter Schauspielleistung
„Operation Zeitgeist" von Tobias Bieseke: spannender und tiefgründiger Sci-Fi-Thriller über Folgen genetischer Manipulation.
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