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Neu im Filmregal: Besser anders - Leipziger Subkulturen zwischen Rebellion und Anpassung

Daniel Thalheim
"Besser anders" nun als DVD.
"Besser anders" nun als DVD.
Foto: Daniel Thalheim
Im Frühjahr war Premiere, jetzt kommt die DVD. Die Leipziger Musikdokumentation der VILLA "Besser anders - Leipziger Subkulturen zwischen Rebellion und Anpassung" kann man nun auch kaufen. Man hat sogar ein kleines Bonusbömbchen draufgepackt. Ein besonderer Streifzug durch einen Teil von Leipzigs Musikgeschichte der vergangenen 25 bis 20 Jahre.

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Besser anders: Leipziger Subkulturen zwischen Rebellion und Anpassung

Wer die verfilmte Gesprächsrunde Leipziger Musiker bei seiner Premiere im Frühling diesen Jahres und in seiner kürzlich erfolgten Aufführung in der naTo verpasst hat, kann nun das eigene Leben um ein ansehnliches Stück Leipziger Pantoffelkino bereichern. "Besser anders - Leipziger Subkulturen zwischen Rebellion und Anpassung" ist ein Film, der aus dem letztjährigen VILLA-Projekt "Geschichte(n) erzählen" entstanden ist. Darin gingen Doris Schneider und ihr Filmteam unter Anleitung von Dirk Tschentscher-Trinks gen. Beck auf musikalische Entdeckungsreise quer durch Leipzig und seine Musikgeschichte - zumindest die der Zeit vor 20 Jahren und mit dem Schwerpunkt Punk. Man weiß ja spätestens über den Film "Flüstern und Schreien", dass es Jugendliche mit Hang für schräge Outfits und Frisuren schwer hatten in der DDR.

Und anders als in Berlin, war die Szene in Leipzig kleiner - aber nicht unbedingt angepasster. So kommen in dem 85-minütigen Streifen Leute wie "Reudnitz" zu Wort, der eigentlich Thomas Hentschel heißt und zusammen mit Bernd Stracke Anarchie erklärt und was es bedeutet hat, in der DDR Punk zu sein. "Reudnitz" ist neben Stracke einer der frühesten und ersten Punks in Leipzig gewesen und zeigte sich in dem angemessenem Outfit seit 1984 auf Leipzigs Straßen. Mit der Punkband "L'Attentat" hat er die inzwischen vergriffene Scheibe "Made in G.D.R." veröffentlicht - und das schon 1987. Es gab noch mehr LPs, die nie veröffentlicht wurden, weil die Stasi sie wegen ihrer "republikfeindlichen Texte" unter Verschluss hielt.

Für 15 Euro gibt es den Film plus CD zu kaufen.
Für 15 Euro gibt es den Film plus CD zu kaufen.
Foto: Daniel Thalheim

Die andere Punkband, bei der "Reudnitz" zu Gange war hier "Der schwarze Kanal" und diese war zu einer turbulenten Zeit aktiv - von 1989 und 1991. "Reudnitz", aber auch "Wutanfall" und "L'Attentat"-Sänger Bernd Stracke und Donis erzählen, wie widerlich sie die späteren Montagsdemos empfanden. Was eigentlich mutiog und wichtig begann, war bald schal, als es nur noch um Wiedervereinigung und Deutschland ging. Stracke wurde zuvor mehrfach wegen seines Punk-Daseins inhaftiert, ein Los, dem der ebenfalls im STreifen auftauchende Volly Tanner wiederum entging. Doch auch für Donis war es haarscharf, weil er sich während seines Wehrdienstes den Montagsdemos widmete. NaTo-Musik- und Veranstaltungschef Thomas Hinger wiederum erzählt die Anfänge der naTo, die sich mit den Eindrücken, die Ralf Donis er von diesem frühesten alternativen Musikzentrum Leipzigs hatte, ergänzen.

Der Zuschauer merkt nach einem kurzen, heftigen Musikeinstieg recht schnell, wohin die Reise geht: Musiker der Wende- und Nachwendezeit erzählen über eine Zeit, die heute nur noch wenige in den Köpfen haben und dessen Eindrücke von Negativ-Schlagzeilen überdeckt wurde. Dass aber beispielsweise eine Leipziger Band wie Think About Mutation internationale Erfolge noch vor Rammstein erreichte, eine Kapelle wie Love Is Colder Than Death heute immer noch international dicke da steht, ist nicht vielen in der oft vergesslichen Heimat bekannt. Es war auch eine Zeit, in der es denkbar gewesen war, dass Leipzig neben Berlin in Sachen Popkultur kräftig durchstartet, was jedoch rasch in einer Art bleiernen Zeit in den Nullerjahren endete.

Der Film zeigt auch etwas anderes: Enthusiasmus. Die Aufbruchszeit in der DDR-Musikszene fand auch in Leipzig statt. Musiker emanzipierten sich von den staatlichen Vorgaben und Wünschen einiger weniger Spießbürger, sie zogen einfach ihr Ding durch. Dass nach der Wende einige Karrieren jäh abbrachen und vieles im Subkultursumpf vor sich hin brodelte, kann man beklagen. Doch eines nimmt man aus der Vielfalt an Informationen mit: In Leipzig brummt Musik und so mancher der Protagonisten im Fiolm ist nicht grundlos noch heute auf der Piste anzutreffen.

Zwar gibt es hier keine "Schule" von Nacheifernden wie in Berlin und Hamburg, wo Musiksetzlinge zu einer Vorbildband aufschauen, aber die Vielfalt in Leipzig ist fast schon unübersichtlich geworden. Keimzelle für Neues, woran sicher auch Erfahrungen der im Film Berichtenden ihren Anteil haben. Vielleicht ein Thema für den zweiten Teil, denn die heutige Musikszene beißt sich immer kraftvoller durch fehlende oder ungenügende Strukturen, die es in Berlin schon längst gibt und besser noch - sie schafft sich erneut eigene.

Was den Film neben der vielen Redebeiträge abrundet, ist natürlich die Musik auf der beiliegenden CD. Mit Beiträgen enthaltene Bands sind unter anderem Think About Mutation, Renft, Die Art, Tishvaisings, Age Of Heaven und D.O.D.. "Besser anders" ist so mehr als eine gut gemachte Geschichtsstunde geworden. Sicher nicht mit dem Anspruch der Vollständigkeit, aber dennoch ein wichtiger Teil Entwicklung in der "Musikstadt" Leipzig, den Musikinteressierte durchaus in Augenschein nehmen sollten.

Veröffentlichungsdaten

DVD: Besser anders - Leipziger Subkulturen zwischen Rebellion und Anpassung
VÖ: Bereits erschienen
Label: LeISA GmbH Die VILLA
Webseite: www.untergrundgeschichten.de


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