Tom Sawyer und Huckleberry Finn zählen zu den prominentesten Figuren aus der Feder Mark Twains. Seit 1876 sind Generationen junger Menschen mit den Abenteuern des Faulpelzes und des Landstreichers vom Mississippi groß geworden. Der Stoff wurde vielfach verfilmt und in mehrere TV-Serien verpackt. Jedoch konnten die wenigsten der Romanvorlage das Wasser reichen.
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Zu stark waren häufig die Abweichungen vom Original. Nun hat ausgerechnet die deutsche Regisseurin Hermine Huntgeburth einen neuen Anlauf unternommen. Ihre Adaption könnte Mark Twain gefallen haben.
Huntgeburths Film ist vor allem eines: Spannend, düster und stellenweise auch gruselig. Das ist gut so, schließlich verlangt er seinen jungen Zuschauern zwei Stunden Durchhaltevermögen ab. Die sind alles andere als langweilig. Tom (Louis Hoffmann) und Huck (Leon Seidel) sind die dicksten Freunde. Wenn sie nicht gerade ein neues Abenteuer aushecken, vertreiben sie sich die Zeit am Ufer des Mississippi, wo der Rumtreiber Huck in einer Tonne lebt und unbeaufsichtigt seine Freiheit genießt.
Sehr zum Leidwesen von Toms Tante Polly (Heike Makatsch), die sich vorgenommen hat, Tom und seinen Halbbruder Sid (Andreas Warmbrunn) zu verantwortungsbewussten, anständigen Menschen zu erziehen. Doch Tom wehrt sich, so gut er kann: Ein Abenteurer hat keine Zeit, um in der Schule die Bibel auswendig zu lernen. Als die beiden Kumpels eines Nachts beobachten, wie Indianer-Joe (Benno Führmann) einen eiskalten Mord begeht und ihn dem trotteligen Muff Potter (Joachim Krol) anlastet, wird ihr Mut auf eine harte Probe gestellt.
Dass ausgerechnet eine deutsche Regisseurin mit deutschen Schauspielern amerikanische Weltliteratur verfilmt, scheint eher ungewöhnlich. "Tom Sawyer" ist die erste deutsche Verfilmung des Twain-Stoffes. Regisseurin Hunthgeburth arbeitet sich im Eiltempo durch den episodenreichen Roman. Wer ihn gelesen hat, bemerkt nur wenige Weglassungen und Änderungen. Das erfreut eingefleischte Twain-Fans. Wahres Mississippi-Feeling kommt trotzdem nicht auf. Was daran liegen könnte, dass der Streifen nicht in Missouri, sondern im norddeutschen Tiefland gedreht wurde. Das Setting wirkt wie einem Westerndorf entnommen, der mächtige Mississippi entpuppt sich beim näheren Hinsehen als die zierliche Havel.
Dass "Tom Sawyer" trotz dieser kleinen Mankos einer der besten deutschen Kinderfilme 2011 ist, liegt an einem hochkarätigen Ensemble, aus dem die beiden Jungstars Louis Hoffmann und Leon Seidel besonders hervorstechen. Aber auch die lebhafte, Wärme versprühende Inszenierung trägt ihren Teil dazu bei. Hermine Huntgeburth nimmt ihre jugendlichen Figuren sehr ernst und widmet sich in der Umsetzung ihren Sorgen, Ängsten und Nöten, die Drehbuchautor Sascha Arango in eine zeitgemäße Alltagssprache verpackt hat. Der Film transportiert so die Aussagen Twains von 1876 ins Heute und stiftet auf diese Weise Identifikationspotential für Kinder und Jugendliche unserer Generation.
Tom und Huck müssen etwas unternehmen, um dem fälschlich beschuldigten Muff Potter zu retten.
Insgesamt ist "Tom Sawyer" bestes Arthouse-Kino, nicht nur fürs junge Publikum. Was jedoch zu kurz kommt, ist Twains Kritik an den gesellschaftlichen Zuständen seiner Zeit, insbesondere des tief verwurzelten Rassismus im Kontrast des von ihm selbst propagierten "American Way Of Life". Hierfür bietet die schon gedrehte Fortsetzung "Huck Finn" möglicherweise mehr Platz. Geplanter Kinostart ist im Winter 2012/13. Wir dürfen gespannt sein.
Deutschland 2011, Regie: Hermine Huntgeburth, D: Louis Hofmann, Leon Seidel, Heike Makatsch, 109 Min, FSK 6.
Filmstart ist der 17. November, zu sehen im CineStar, Cineplex, Passage Kinos und im Regina-Palast.
Am Sonntag, dem 20.11.11 um 16 Uhr werden die Hauptdarsteller Louis Hofmann und Leo Seidel, Benno Führmann sowie die Regisseurin Hermine Huntgeburth und der Produzent Boris Schönfelder in den Passage Kinos zu Gast sein.
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