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"aspekte" reagiert auf Jenas Kritik: Nach dem Beitrag ist offenbar vor der Ost-Recherche

Michael Freitag
"aspekte" - Redaktionsleiter Christhard Läpple erklärt den Hintergrund des Beitrages
"aspekte" - Redaktionsleiter Christhard Läpple erklärt den Hintergrund des Beitrages
Screen von ZDF-Mediathek des "aspekte"-Videos
Der Redaktionsleiter Christhard Läpple sieht konzentriert aus, während die Kamera langsam nach hinten fährt und er über der Petition von Jenapolis.de sitzt. Dann ein flotter Spruch von Goethe und auf geht's zur Entschuldigung für die pauschalen Einsortierungen des Ostens der Bundesrepublik als rechten Hort des Grauens. So hätte es werden können. Doch es kommt erneut anders bei "aspekte".

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In einem heute erschienenen Beitrag in der ZDF-Mediathek versucht Läpple, die Wogen zu glätten, Verständnis zu äußern für die "Angst, die Jena hat". In dem Fall nach seiner Lesart vor der Diskreditierung, welche die Stadt durch den Beitrag seiner Redaktion vom 18. November 2011 erlitten habe. In diesem war der Münchener Schriftsteller Steven Uhly von München nach Jena gereist, um sich, wie Läpple nun erklärt, einen Eindruck von dem Ort zu verschaffen, in dem vor langer Zeit die drei Neonazis Beate Z., Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt lebten.

Wie man dies an einem Tag auf offensichtlicher PR-Tour, letztlich zwei Gesprächspartnern und einer vermutbaren "Ost-Phobie" des Protagonisten hinbekommen soll, ist zweifelhaft, aber der Versuch fand laut Läpple statt.

Nun stellt der Redaktionsleiter zwei Fragen, die zwar im Beitrag nicht beantwortet werden, ihm aber wichtig seien. Denn die Intention für den Dreh sei gewesen herauszubekommen, wie es möglich sein konnte, dass in Jena die Kameradschaft Jena aufgebaut wurde. Diese Frage wird im Beitrag zwar letztlich vor lauter Buchvorstellerei und Angstäußerungen von Uhly und der Sprecherstimme nicht behandelt, aber nun scheint man wenigstens beginnen zu wollen, mal zu fragen, woher was und wann kommt. Hier wäre durchaus eine Generalisierung möglich gewesen - nämlich die Frage, wie es überhaupt zu rechtsradikalem Verhalten im Leben meist junger Männer kommt. Dann hätte das Interview auch in jeder anderen Stadt Deutschlands stattfinden können - tat es aber nicht.

Zu groß die Verlockung, es im Geburtsort der Mörder, also Jena zu tun, wo die NPD beim letzten Wahlgang 2 Prozent erhielt und sich die Bürger zu mehr aufrechtem Gang gefunden haben, als in sehr vielen anderen Regionen Europas.

Alles in dem Statement Christhard Läpples klingt wie die Umgehung eines Eingeständnisses.
Alles in dem Statement Christhard Läpples klingt wie die Umgehung eines Eingeständnisses.
Screen von ZDF-Mediathek des "aspekte"-Videos
Natürlich ist ein Redaktionsleiter einer Sendung wie "aspekte" in der Lage, eine weitere kluge Frage zu stellen. Nun die etwas breit angelegte, welche angeblich die Redaktion zu dem Beitrag getrieben hätte: "Wie wollen wir in Zukunft zusammenleben?" Etwas, was Menschen wie der Autor Steven Uhly sich wohl auch fragen würden. Fragte er zwar in dem Beitrag nicht wirklich, auch die Redaktion hatte offenbar wenig Informationen von Jena oder eben dieser Frage vor dem Dreh, aber hier versucht man wenigstens, einen Kontext für den missglückten Beitrag im ZDF herzustellen. Denn diese Frage stelle sich nach den schrecklichen Morden des zuletzt in Zwickau wohnhaften rechtsradikalen Trios.

Ob sich eine erneut falsch hergeleitete Fragestellung abschließend beantworten lässt, ist kaum zu erwarten. Alles in dem Statement Christhard Läpples klingt wie die Umgehung eines Eingeständnisses, hier einen Schritt zu weit gegangen zu sein. Man plane nun gemeinsam mit den Verantwortlichen, in Jena eine öffentliche Veranstaltung zu machen, in welcher man über diese Fragen vielleicht noch in diesem Jahr diskutieren könne. Bei Jenapolis.de, die thüringische Informationsseite, welche das Ganze ins Rollen gebracht hatte und auf welcher die Petition läuft, aus welcher Läpple am Anfang vorliest, ist eine solche Anfrage bislang nicht eingetroffen. Auch den Namen der Quelle erwähnt er nicht - journalistisch zumindest wieder mindestens unsauber.

Dennoch scheinen die Jenaer laut hunderter Beiträge in sozialen Netzwerken und auf Jenapolis.de bereit, den Redakteuren der Sendung und Steven Uhly ihre Stadt, "den Osten" zu erklären. Eingeladen haben sie in vielen Beiträgen bereits.

Finale der fehlenden Entschuldigung bei der Stadt Jena und letztlich dem gesamten Ostteil der Republik - Läpple empfiehlt am Ende des Vermittlungsversuches erneut deutlich hervorgehoben mit in die Kamera gehaltenem Buch Uhlys die Lektüre desselben. Die Schleichwerbung - oder wohlmeinend die mediale Überzeugungsarbeit auf dem Rücken der Jenaer - geht also auch hier munter weiter. Damit eigentlich ein klarer Fall für eine Rüge vom deutschen Presserat. Im Fall öffentlich-rechtlicher Anstalten noch zu wenig, hier sollten andere Regeln als für "Bild" und Co. gelten.

Laut Kress.de vom heutigen Tage will sich die Sendung "aspekte" demnächst verjüngen. So soll unter anderem der ehemalige Extra 3-Moderator Tobias Schlegel mit ins Team kommen.

Das könnte helfen. Unter anderem dabei, das Niveau bei "aspekte" wieder deutlich zu erhöhen.

Der Beitrag von Aspekte vom 18. November 2011
www.zdf.de/ZDFmediathek Extreme Gewaltbereitschaft

Das Statement von Redaktionsleiter Christhard Läpple
Zum Erklärungs-Video von "aspekte"

Zu Jenapolis.de
www.jenapolis.de

Zum Artikel vom 24. November 2011 auf L-IZ.de
Die ZDF-Sendung "Aspekte" und die Rechtsradikalen im Osten oder "Jena ist sauer" + Stellungnahme von "Aspekte" & Jenas Stadtrat


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