Ja, ein Selbstdarsteller ist er, der Sido. In „Blutzbrüdaz“, in dem er sich als Rapper Otis quasi selbst spielt, kommt ihm das aber zugute. Dazu gehört aber auch ein Regisseur, der weiß, wie er die Leistung gerne hätte, sonst kommt ein Fiasko à la „Max Schmeling“ mit Henry Maske heraus.
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Von einem solchen Film zum Weggucken ist „Blutzbrüdaz“ zwar meilenweit entfernt, doch braucht es streckenweise wegen gewaltig sexistischer Texte ein dickes Fell. Auf diese zu verzichten, wäre allerdings albern gewesen, prägten sie doch Sidos bisheriges Schaffen zu einem guten Teil. Der Film setzt an, bevor der Rapper mit dem bürgerlichen Namen Paul Würdig bekannt wurde. Innerhalb der Geschichte wird ihm der Name Otis verpasst.
Durch den ganzen Film hindurch ist Regisseur Özgür Yildirim die Szenekenntnis anzumerken. Es gibt einfach keine unvorstellbar peinlich wirkenden Szenen, wobei die eine oder andere Überzeichnung mit Sicherheit als Stilmittel gewählt wurde. Otis und Kumpel Eddy klauen sich erst einmal, was sie zur Realisierung ihres Traumes von der großen Rapkarriere brauchen, dann wird verbal vom Leder gezogen. Da enden Geschlechtsteile in Mündern, um nur mal eine kleine Vorstellung von den Texten zu geben, die der Film so bietet. Eltern sollten vielleicht den Film getrennt von ihren Halbwüchsigen ebenfalls schauen, um nachher so manches einzuordnen.
Indem aber Otis und Eddy – gespielt von Sidos Weggefährten B-Tight – das Angebot von Sony Music annehmen, verkaufen sie mehr als ihre Musik. Entscheidungsfreiheit ist nun nicht mehr gegeben, die Plattenfirma hat das Sagen. Wiederum eine ziemlich realistische Darstellung der Musikindustrie vor ihrer großen Krise. Dass dabei eine Firma so explizit genannt wird, überrascht. Möglicherweise ist da noch eine alte Rechnung beglichen worden. Einer konsequenten Entwicklung der Filmhandlung steht das keinesfalls im Wege, bringt sogar jenen Konflikt, den es braucht, um auf den Bruch zwischen Otis und Eddy hinzusteuern.
Dieser manifestiert sich schlussendlich in einem der szenetypischen Battles. Hier braucht Yildirim nicht einmal den Vergleich zum Oscar-prämierten „8 Mile“ mit Rapper Eminem scheuen, auch wenn dort sicher mit größerem Budget noch andere Möglichkeiten der ästhetischen Umsetzung gegeben waren. Zudem möchte „Blutzbrüdaz“ eben nicht so sehr Sozial-Drama sein, sondern betont eher komödiantische Aspekte, was in einem sehr ansehnlichen Film mündet. Fans des Rappers können ihn auf keinen Fall auslassen, für ein breiteres Publikum ist hier aber durchaus Unterhaltung geboten.
Schließlich gehen beide getrennte Wege, wobei Sido bei einem Rap-Battle die Trennung besiegelt.
In den heftigen Texten steckt nämlich auch ein Stück Selbstironie, zumal es auch einen Spruch über die Maske gibt, die Sido in seiner Anfangsphase selbst noch bei Live-Interviews im Fernsehen trug. Irgendwie ist dem Künstler anzumerken, dass er sich gerade in einer Weiterentwicklung befindet. Sollte diese sich in musikalischer Reife niederschlagen wie in der Single-Auskopplung aus dem Soundtrack „Geboren um frei zu sein“, dann könnte es durchaus lohnen, den weiteren Weg von Paul Würdig, besser bekannt als Sido, im Blick zu behalten.
D 2011 R: Özgür Yildirim, D: Sido, B-Tight, Tim Wilde, Milton Welsh, Claudia Eisinger Spieldauer: 87 Minuten, FSK: ab 12 Jahren.
Filmstart ist der 29. Dezember, zu sehen im CineStar, Regina Palast und UCI Nova Eventis.
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