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Leipziger Beitrag auf der Berlinale: Regisseur Julian Pörksen im Interview

Daniel Thalheim
Ursula Geyer-Hopfe, Peter René Lüdicke in einer Filmszene.
Ursula Geyer-Hopfe, Peter René Lüdicke in einer Filmszene.
Bild: Julian Pörksen
Mit "Axolotl Roadkill" machte er als Produktionsleiter seine ersten Erfahrungen. "Sometimes we sit and think and sometimes we just sit" heißt sein eigener Streifen, der am 13. und 14. Februar auf der Berlinale gezeigt wird. Der Film ist das Ergebnis des Leipziger Dramaturgiestudenten Julian Pörksen. Darin geht es um den 50 Jahre jungen Peter, der in ein Altenheim zieht, um dort für den Rest seiner Tage zu leben. Ein Roadmovie ohne Road. Oder etwa doch nicht? Julian Pörksen gibt Auskunft.

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Herr Pörksen, ihr Kurzfilm ist ein Roadmovie ohne Road. Aber irgendwie schon: Was hat sie zu dem Stoff um den Frührentner Peter bewogen?

Das Interesse an einem Tabu, dem Tabu der Untätigkeit. Alle gesellschaftlich akzeptierten Lebensentwürfe sind an Aktivitäten geknüpft sind, und wer viel vor hat, dem winkt Glück. Nichtstun hingegen ist mit einem Verbot belegt, sich für Ereignisarmut zu entscheiden, keine Option.

Der Auslöser?

Eines Abends war ich im Centraltheater und habe dort Peter René Lüdicke gesehen, der mit genau diesem Verbot gespielt hat, der eine halbe Stunde lang dasaß, und nichts gemacht hat. Ein Unterlassungskünstler. Für ihn habe ich das Drehbuch dann nochmal neu geschrieben, und einen Helden der Passivität ins Zentrum des Films gesetzt.

Rückzug aus der Gesellschaft: Eigentlich ist die Filmfigur Peter mehr Punk als so mancher Punk auf der Straße - Wie sehen Sie das?

Das sehe ich anders. Der Figur Peter ist nichts an Widerstand gelegen, er will das System nicht verändern oder Teil einer Bewegung sein, er will nicht raus aus den Institutionen. Im Gegenteil, er zieht in ein Altenheim, in eine Institution, die in der öffentlichen Wahrnehmung so etwas wie eine vorletzte Ruhestätte ist. Da geht man hin, um zu sterben. Peter geht da hin, um zu leben.

Heißt die Botschaft, dass man sich trotz Rückzugs nicht der Realität verschließen kann?

Nein. Ich hoffe, dass es mir gelungen ist, einen Film ohne Botschaft zu drehen. Also einen Film, bei dem man nachher nicht weiß, was man zu denken hat, der einem die Antwort nicht in den Mund legt.

Was können Sie sich vom Zeigen ihres Kurzfilms bei der Berlinale versprechen?

Ein breites, waches Publikum. Hoffentlich gute Gespräche über den Film. Und dass der Film auch an anderen Orten gezeigt wird.

Peter René Lüdicke.
Peter René Lüdicke.
Bild: Julian Pörksen

Werden Sie auch in Berlin sein bei der Präsentation ihres Streifens?

Ja, zusammen mit dem Team und den Darstellern. Wir feiern dort zusammen Premiere.

Wie geht's nach der Berlinale für Sie weiter?

Im Sommer werde ich mein Studium beenden. Danach beginnt hoffentlich die Arbeit am nächsten Film.

Vielen Dank für das Interview.


Produktionsdetails zu "Sometimes we sit and think and sometimes we just sit":

www.credofilm.de/filme/sometimes.html

Zu Julian Pörksens Schaffen:

www.crew-united.com/Index Julian Pörksen


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