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Rückkehr des starken Mannes: Rettet Batman die Welt vor der Krise?

Martin Schöler
Batman kämpft gegen die alten Dämonen und um Gotham City.
Batman kämpft gegen die alten Dämonen und um Gotham City.
© Warner
Kaum ein Film wurde dieses Jahr sehnsüchtiger erwartet. Mit dem Action-Drama "The Dark Knight Rises" beschert Christopher Nolan seiner Batman-Trilogie – für viele die beste Comic-Verfilmung aller Zeiten – ein fulminantes Herzschlagfinale. Doch der Kinostart steht seit Freitag unter keinem guten Stern.


Während einer Premiere in Aurora (Colorado/USA) erschoss James Holmes (24) zwölf Menschen. Was wie ein Auszug aus dem Plot klingt, ist traurige Realität. Verleiher Warner sagte wegen des Attentats kurzerhand die geplante Paris-Premiere ab. Über die Frage nach dem "Warum?" rätselt die Weltöffentlichkeit. Der Attentäter, der die Tat offenbar akribisch vorbereitet hatte, hüllt sich bislang in Schweigen. Wollte er der Öffentlichkeit vorführen, dass Batman nichts weiter als eine pure Fiktion ist? Allein die Vorstellung, dass eine gerechte Welt existieren kann, dürfte vielen Menschen wie blanker Hohn vorkommen. Vielleicht macht es aber gerade vor dem Hintergrund der Ereignisse in Aurora Sinn, sich zumindest zweieinhalb Stunden lang dieser filmischen Fiktion zu widmen.

Acht Jahre ist es her, dass Batman den Joker besiegte, Jim Gordons (Gary Oldmann) Sohn das Leben rettete und die Schuld an Harvey Dents Tod auf sich genommen hat. Die Kriminalitätsrate ist stark zurückgegangen. In Gotham City lebt die Lüge, dass Batman den mutigen Staatsanwalt ermordet hat. Bruce Wayne (Christian Bale) scheut das Licht der Öffentlichkeit. Der Multimillionär lebt zurückgezogen auf seinem Anwesen – und leidet unter den Folgen der Verletzungen, die er vor acht Jahren erlitt. Und unter dem Verlust seiner Lebensgefährtin Rachel Dawes. Ein Comeback des Dunklen Ritters? Undenkbar.

Meisterdiebin Selina Kyle treibt als Catwoman ihr Unwesen.
Meisterdiebin Selina Kyle treibt als Catwoman ihr Unwesen.
© Warner

Das ändert sich, als Meisterdiebin Selina Kyle (Anne Hathaway), die als Catwoman ihr Unwesen treibt, durch einen Kniff an Waynes Fingerabdrücke gelangt. Urplötzlich kehrt das Böse nach Gotham zurück. Der maskierte Terrorist Bane (Tom Hardy) plant, die Metropole in Schutt und Asche zu legen. Hinter dem Vorhaben steckt ein perfides Genie, das Batman ein für alle Mal ausschalten will. Für den Dunklen Ritter beginnt ein dramatischer Wettlauf gegen die Zeit.

Christopher Nolan bläst zum Grand Finale. Drei Batman-Filme wollte der Ausnahmeregisseur inszenieren. Nach dem Ausnahmefilm "The Dark Knight" (2008) war der Erwartungsdruck des Publikums so hoch wie nie. Das Warten hat sich gelohnt. Der Brite bleibt seinem ultrarealistischem Ansatz treu. Sein sauber durchkomponiertes Finale ist ein Action-Drama par excellence. Die Qualität des zweiten Teils erreicht der Film jedoch nicht. Dazu mangelt ihm ein starker Antagonist, der Hauptdarsteller Christian Bale in den Schatten spielen kann.


In dem Dritte-Welt-Superschurken Bane sieht Batman sich mit einem körperlich überlegenen Gegner konfrontiert.
In dem Dritte-Welt-Superschurken Bane sieht Batman sich mit einem körperlich überlegenen Gegner konfrontiert.
© Warner

Obwohl an manchen Stellen angebracht, wird der Joker mit keiner Silbe erwähnt. Ein stiller Tribut an den verstorbenen Heath Ledger? Tom Hardy überzeugt zwar als skrupelloser Gangster. Jedoch ist der Charakter seiner Figur zu eindimensional, um Raum für eine kongeniale Schauspielleistung zu bieten. Weitaus interessanter ist die Rolle der Catwoman. Anne Hathaway verkörpert die umtriebige Meisterdiebin mit viel Spielwitz, schlägt Halle Berry um Längen und kann sogar Michelle Pfeiffer das Wasser reichen. Neu im Spiel auch der junge Polizist John Blake (Joseph Gordon-Levitt). Ein übermotivierter Polizist, der sich auf besondere Weise zu Batman hingezogen fühlt, ja sogar dessen wahre Identität kennt. Mehr soll an dieser Stelle nicht verraten werden.

Die Stärke des Films liegt in seiner ultrarealistischen Umsetzung des Sujets. Wie in Teil 1 und 2 inszeniert Nolan die Comicvorlage frei von Klischees und Allüren als düstere Unterwelt-Saga. Sein einsamer Held wird nun zu einem Hoffnungsschimmer für Millionen. Die pathetische Heroisierung des Fledermausmanns mitsamt ihrer Symbolik im Nachthimmel und an Häuserwänden trägt partiell faschistoide Züge. Der starke Mann in der Krise. In Zeiten von Euro-Rettungsschirm, Banken-Skandal und drohenden Staatspleiten offenbar ein Motiv, das viele in ihren Bann zieht. Doch Nolan ist sich jeden Verdachts erhaben. Zwar gießt er Batman ein Denkmal, beschert seinem Protagonisten am Ende aber einen leisen Abgang. Fortsetzung nahezu ausgeschlossen.

USA 2012, Regie: Christopher Nolan, D: Christian Bale, Gary Oldman, Tom Hardy, Anne Hathaway, 164 Min, FSK: 12.

Filmstart ist der 26. Juli, zu sehen im CineStar, Cineplex, CT Taucha, Passage Kinos, Regina Palast und UCI Nova Eventis.

Die Seite zum Film:
www.the-dark-knight-rises.de


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