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“Hier kommt Lola!“: Leider mit zu viel Musik

Sebastian Beyer & Anja Franke
Hier kommt Lola!
Hier kommt Lola!
© Constantin
Lola ist eine freche 9-jährige Grundschülerin, hat einen brasilianischen Papa, besucht die Klasse 3c und wünscht sich nichts mehr auf der Welt als eine allerbeste Freundin, eine echte Seelenverwandte, die ihr immer und überall zur Seite steht.

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Doch das ist leichter gewünscht als gefunden. Immer wenn Lola sich unbeachtet und unverstanden fühlt, träumt sie sich in ihr eigenes Paralleluniversum und verwandelt sich in den Rockstar Jacky Jones. Dort ist sie der der Star und Mittelpunkt, singt, tanzt und das Publikum jubelt ihr begeistert zu.

Ist momentan auch nicht so einfach für Lola. Weil man in der norddeutschen Kleinstadt Anstoß an der Hautfarbe ihres Vaters nahm, sah sich die Familie gezwungen nach Hamburg zu ziehen. Dort möchte ihr Vater nun endlich sein Lebensprojekt verwirklichen – ein Restaurant.

In meinem Film bin ich der Star ...
In meinem Film bin ich der Star ...
© Constantin

Das bedeutet für Lola ein neues Umfeld, eine neue Schule und die Suche nach einer besten Freundin. Dumm nur, dass sie ausgerechnet neben der aufdringlichen Flo sitzt, die auch noch ganz schrecklich nach Fisch stinkt. Die Sache wird nicht besser, als Flo ihr einen Frosch vor die Nase hält, denn Lola hat eine fürchterliche Froschphobie und fällt prompt in Ohnmacht. Diese beiden scheinen nicht für einander gemacht.

Doch auch Anna-Lisa, die eigentlich ganz passabel schien, passt nicht als Freundin, denn sie hat nichts übrig für Lolas Fantasie. Was muss das bloß für ein merkwürdiges Mädchen sein, in deren Kinderzimmer ein mit viel Silberfolie zu einem Raumschiff umgebastelter Karton steht? Anna-Lisa spielt viel lieber mit Plastikpüppchen und denkt Lola nur die Rolle eines Hundes zu. Kein gelungener Spiele-Nachmittag.

Diese blöde ...
Diese blöde ...
© Constantin

Auch von den anderen Mitschülern Lolas, die sich an die "Neue" erst gewöhnen müssen, werden ordentlich Gehässigkeiten ausgeteilt, die in fiese verbale Auseinandersetzungen münden, denn auch Lola kann sehr kratzbürstig sein. Besonders zu der “kotzkackeblödefurzfiesen“ Kuh Flo.

Doch während Mama tagein tagaus als Krankenschwester schuftet, Papa kurz vor der Eröffnung seines brasilianischen Restaurants steht und Flos überarbeitete Mutter sich ihr tägliches Brot in einer Fischbratküche hart erarbeiten muss, wird Lola nach und nach bewusst, wie sehr der erste Eindruck über Menschen täuschen kann.

Lola wird einfühlsam von ihrer Mutter getröstet.
Lola wird einfühlsam von ihrer Mutter getröstet.
© Constantin

Hauptthema von “Hier kommt Lola!“ ist die Entfaltung der Freundschaft zwischen Lola und Flo nach den anfänglichen Nickligkeiten. Dafür lässt sich der Film die nötige Zeit, damit sich die Freundschaft wirklich entwickelt und nicht plötzlich existiert. Doch einfach machen es sich die beiden gegenseitig nicht mit dem Kennenlernen. Immer wieder kommt es zu Spannungen, bis Lola allmählich ein größeres Verständnis dafür entwickelt, was wirklich zählt. Dieser Teil des Films inklusive moralischer Belehrung ist durchaus stimmig und charmant. Anders verhält es sich mit so mancher Gesangseinlage. Diese sind zwar fast schon ein Stilmittel der Regisseurin Franziska Buch (“Bibi Blocksberg und das “Geheimnis der Blauen Eulen“ und das “Fliegende Klassenzimmer“), aber nicht immer notwendig und muten teilweise schon fast lieblos arrangiert an.

Dadurch wirkt die Komödie etwas unorganisiert und schwankt zwischen einigen atmosphärisch schönen Momenten und Unbeholfenheit. Julia Jentsch als Mutter von Lola spielt ihre Rolle überzeugend und einfühlsam. Und im wahrsten Sinne des Wortes hinreißend verkörpert Meira Durand mit viel Talent die verträumte Grundschülerin Lola. In vielen Situationen sehr zurückhaltend, doch gerade dadurch sympathisch ist das Spiel von Felina Czycykowski in der Rolle der Flo.

Den Film mit Kinderaugen und der entsprechenden Offenheit zu sehen, dürfte so manche Schwächen in den Hintergrund treten lassen. Als Erwachsener fällt es schwer, sie nicht zu bemerken. Die über die eigentliche Handlung hinausreichenden Themen, wie beispielsweise die Fremdenfeindlichkeit gegen den brasilianischen Vater, werden zwar klar angesprochen aber nicht wirklich behandelt. Auch werden Lolas Popstarfantasien mehr Raum als in der gleichnamigen Buchvorlage von Isabel Abedi eingeräumt, was in Zeiten des Castingshow-Wahns etwas fragwürdig erscheint.

Auf diese Weise wird der charmant-kindliche Erzählstil der Buchvorlage leider nicht erreicht, aber es bleibt, im Gegensatz zur glatten Hochglanz US-Ware, die man aus dem Genre gewohnt ist und vor allem dank der talentierten Meira Durand, trotz allem ein sympathischer Kinderfilm.

D 2010, R: Franziska Buch , D: Axel Prahl, Julia Jentsch, Nora Tschirner, Margarita Broich, Meira Durand , 96 Min, FSK 0.

Weitere Informationen und Trailer:
http://www.hierkommtlola.film.de

"Hier kommt Lola", Filmstart, 04. März 2010. Zu sehen in folgenden Lichtspielhäusern: CineStar, Cineplex, Passage Kinos, Regina Palast, UCI Nova Eventis.


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