Es gibt Orte in Leipzig, die sind zum Vorlesen denkbar ungeeignet. Das Haus des Buches zum Beispiel. So schön modern wie kalt ist es dort bei Lesungen. Das Publikum bleibt da lieber zu Haus. Oder sucht sich gemütlichere Orte wie die Schaubühne Lindenfels, den nato-Saal oder das Hotel Seeblick. Alles Plätze, an denen auch Carl-Christian Elze gern vorliest. Er ist Dichter und Mitherausgeber der Literaturzeitschrift "Plumbum". Und auf den 21. Januar freut er sich schon: Da liest er in der nato. Und hat kräftige Unterstützung dabei.
Anzeige
Seinen musikalischen Partner Gerrit Schilling sowieso. Mit dem ist er regelmäßig zu Lesungen unterwegs. Und auch Michael Blümel gehört dazu: der Illustrator wird seine Tuschezeichnungen live hinzuzaubern. Aber der nato-Auftritt bringt eine Premiere: Erstmals liest das Plumbum-Team gemeinsam mit dem "augenpost"-Duo Marlen Pelny und Ulrike A. Sandig. "augenpost" - das ist ein Straßenkunstprojekt, plakatierte Gedichte, die regelmäßig unter anderem an Leipziger Fußgängerampeln kleben. Öffentlicher kann man Gedichte kaum machen. Die beiden Dichterinnen treten auch zusammen auf. Dann nennen sie ihre musikalische Lesung "ohrenpost".
"Sie haben ein ähnliches Lesungskonzept wie Gerrit und ich", sagt Carl-Christian Elze. "Das Zusammenspiel wird bestimmt interessant." Kennengelernt haben sich die beiden Duos in der aktiven Leipziger Literaturszene. Carl-Christian und Ulrike studieren seit September auch gemeinsam am Deutschen Literaturinstitut Leipzig. Die Kontakte zum DLL hatte Elze schon vorher. Einige Absolventen des Instituts schrieben für "Plumbum". Das tun sie immernoch. Die großformatige, quadratische Literaturzeitschrift setzt auf eigenwillige, hochwertige Texte. Der Anspruch kommt den Literaturstudenten sehr entgegen.
Carl-Christian Elze.
Gerade wird am nächsten Heft gearbeitet, das zur Buchmesse erscheinen soll. Immer sind es Themenhefte. Arbeitstitel diesmal: " Die Städte und du - ihr seid eins". "Noch diesen Monat müssen wir die Textauswahl fertig machen.", sagt Elze. "Im Februar geht das Heft in den Satz."
In den Handsatz, wohlgemerkt: Thomas Siemon druckt alle Hefte in seiner kleinen Plagwitzer Verlagsdruckerei "carpe plumbum" noch mit Blei. Er hat auch Elzes ersten Gedichtband gedruckt: "feucht das fell verstreut", erschienen im März letzten Jahres. Ein ungewöhnlicher Gedichtband, ein dreiteiliges Leporello im Hardcover. Etwas für Liebhaber schöner Bücher.
feucht das fell vertreut. Foto: carpe plumpum
150 Stück hat Thomas Siemon gedruckt. Zu seinen Lesungen nimmt der Dichter sie mit, aber sie sind auch u.a. in der Connewitzer Verlagsbuchhandlung und in der Mehring-Buchhandlung zu kaufen. Mit 39 Euro ist der Preis sogar leserfreundlich für ein handgedrucktes Buch. Seinen nächsten Gedichtband wünscht er sich aber dennoch wieder schlichter und preiswerter, meint der Autor. Material genug für einen neuen Gedichtband hätte er. Wie im ersten Band finden sich auch in diesem Material wieder Tiergedichte. Tiere begleiten Elze schon sein Leben lang. Sein Vater war Tierarzt im Leipziger Zoo, hat den Jungen frühzeitig mitgenommen in die ganz eigene Zoowelt.
"Das hat mich geprägt", erzählt der Dichter, den Giraffen und Lemuren noch immer faszinieren. Die Tiergärten im Land hat er alle besucht. Den schönsten - meint er - gäbe es in Nürnberg. Und Berlin sei auch ein guter Ort für die Tiere. Da hat er mal drei Monate als Praktikant gearbeitet. Und den Berlinern sogar etwas Besonderes hinterlassen: Er hat die Tierschädel im Keller des Zoos archiviert und klassifiziert. "Die wussten gar nicht mal, was die da alles hatten."
Das war vor der Entscheidung, nicht hobbyschreibender Zoodirektor werden zu wollen, sondern sich ganz dem Schreiben zu widmen. Dass es dauern kann, bis ein renommierter Verlag seine Gedichte druckt, weiß er. "Da muss man schon ziemlich bekannt sein, damit das passiert." Mit dem Studium am Literaturinstitut können sich einige Türen jedenfalls leichter öffnen lassen. Außerdem hat er seit kurzem einen Roman in Arbeit. Auch hier werden Zoowelten vorkommen.
Seit dem Tod seines Vaters sind in den letzten Jahren viele Texte entstanden, die von der Begegnung mit der Vergänglichkeit, auch von Angst und religiöser Suche geprägt sind. Ein bisschen traurig schaut er schon drein, wenn er über seine Gedichte spricht. Aber nicht wehmütig. Aus dem Doppel-Auftritt in der nato soll mal eine Veranstaltungsreihe werden. Mit den nato-Betreibern ist er schon im Gespräch. Und die Schaubühne Lindenfels freut sich auf die nächste "Plumbum"-Premiere. Bleibt noch das Seeblick mit seinen großen Schaufensteraugen auf die Karl-Liebknecht-Straße. "Hier kann ich mir auch wieder eine Lesung vorstellen.", sagt der Dichter. Will sich aber noch nicht festlegen. Alles hat seine Zeit.
nato, 21 Januar, 20.30 Uhr, Das Lesekonzert mit Carl-Christian Elze, Gerrit Schilling, Ulrike A. Sandig, Marlen Pelny und Michael Blümel
Es laufen derzeit einige Vereine und Stiftungen mit leuchtenden Jahreszahlen durch die Landschaft: 2013 ist eine davon, 2015 eine andere. Die Förderstiftung Leipziger Stadtbad hat jetzt die 2016 aufgepflanzt: In dem Jahr wird ihr Pflegekind 100 Jahre alt. Und da soll's auch wieder leben. mehr…
Ein bisschen ist er zurückgerudert, der Peter Ramsauer, derzeit Bundesbau- und -verkehrsminister. So wie seine Kollegin Ursula von der Leyen im Sozialministerium hatte auch Ramsauer einen wichtigen Sozialposten in seinem Budget in die Sparpläne der Bundesregierung gepackt: 200 Millionen Euro aus dem Wohngeldetat. mehr…
Er studierte Musik und Klavier in Südkorea und Deutschland, erhielt Meisterkurse im Klavierspielen und konzertierte auf renommierten Bühnen dieser Welt: Der Pianist Seo Hang Churl kommt nach Leipzig. mehr…
Die Leipzig-Pass-Mobilcard ist ab kommenden Sonntag, 1. August, nunmehr auch an den Automaten der LVB an den Haltestellen erhältlich. Das teilen die Leipziger Verkehrsbetriebe mit. mehr…
In der nächsten Stadtratssitzung am 18. August wird die Drucksache Nr. V/608 zur Ersatzbeschaffung von Dienstkraftfahrzeugen für die Stadtverwaltung Leipzig dem Stadtrat zum Beschluss vorgelegt. Insgesamt sollen bis 2014 immerhin 106 PKW und Kleintransporter der Marken VW und Ford beschafft werden – eine Ausschreibung ist nicht geplant. mehr…
Zu Verkehrsraumeinschränkungen in der Innenstadt und im Leipziger Westen kommt es am Samstag, 31. Juli, zwischen 12 und 19 Uhr, wegen des Umzuges „Global Space Odyssey 2010 – 24/7 Kultu(h)r tickt anders“. Das teilt das Leipziger Ordnungsamt mit. mehr…
Teile der Arktis haben sich im letzten Jahrhundert deutlich abgekühlt. Doch seit 1990 steigen die Temperaturen auch dort stark an. Das geht aus einer Rekonstruktion der Sommertemperaturen der letzten 400 Jahre mit Hilfe von Baumringen aus Regionen nördlich des Polarkreises hervor, über die das Umweltforschungszentrum berichtet. mehr…
Das dritte Album entscheidet meist, wohin es eine Band gemeinhin treibt. Hat ihre Musik Bestand? Erfindet sich eine Kapelle ständig neu oder bewahrt sie ihren Charakter? Das sind Fragen, mit der sich die L-IZ an der neuen Scheibe der kanadischen Rockformation Arcade Fire im folgenden Review reibt. Am Freitag den 30. Juli erscheint ihr neues Album "The Suburbs". mehr…
Kein Jahr ist die Band alt und schon zählen sie zu den Großen. Delphic aus Manchester haben mit "Acolyte" 2010 ein bemerkenswertes Album veröffentlicht, das sie im August auch in Leipzig vorstellen wollen. Warum die Kapelle bei der Musikpresse so viel Aufsehen erregt? Man sagt ihr eine musikalische Nähe zu den legendären New Order nach. mehr…
Es knirscht im Gebälk. Wirklich reibungslos war die Arbeit der sächsischen Staatsregierung mit ihren Kommunen und insbesondere der Stadt Leipzig von Anfang an nicht. Im Fall Eisenbahnstraße kommt es jetzt wohl zum Showdown vor Gericht. Der Anlass: Eine kleine Definitionsfrage zum Preis von 273.646,30 Euro. mehr…