Manfred Stopp: Ein Gaslaternen-“Museum“ in Paunsdorf
Ralf Julke
09.01.2005
Manfred Stopp mit Gaslaterne.
An beinah vergessene Zeiten erinnert das Hobby von Manfred Stopp. Der Paunsdorfer sammelt Gaslaternen. Ein kleines Schild in seinem Vorgarten in der Bährstraße verkündet die Nähe eines „Gaslaternenmuseums“. „Ganz so“, erklärt der 62-jährige Rentner, „ ist es aber nicht. Es gibt keine Öffnungszeiten und auch keine Besuchstermine. Dafür habe ich gar keine Zeit.“ Platz auch nicht, denn in seiner Garage samt Anbau drängeln sich mittlerweile an die 120 Gaslaternen.
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Seine erste hat der lange Jahre beim RAW Tätige schon 1967 erworben. „Damals“, so erzählt er, „war das Gaslaternensterben in ganz Deutschland in vollem Gange. In den Städten der DDR wurden flächendeckend die alten Laternen abgebaut und großen Teils gegen Devisen in den Westen verkauft.“ Begonnen hatte diese Entwicklung in Leipzig 1895, als die Stromversorgung im ganzen Stadtgebiet in Gang kam. Aber das war keineswegs das sofortige Aus für die 1838 eingeführte Gasbeleuchtung auf Straßen und Plätzen.
Gaslaterne auf dem Thomaskirchhof.
Noch in den 20er Jahren waren über 10.000 Gaslaternen in Betrieb, ganze 900 Lampen wurden mit dem damals noch verhältnismäßig teuren Strom versorgt. Was auch der Grund war, dass auch Privathaushalte noch lange auf Öl- und Gaslampen schworen. Welche Power aber im Strom steckte, wollte die Stadtbeleuchtung mit regelrecht inszenierten Lichterwochen beweisen. 1928 fand die erste statt, bei der öffentliche Gebäude und Einrichtungen festlich illuminiert wurden.
Das muss die Leipziger überzeugt haben, auch wenn der zweite Weltkrieg den Siegeszug des Stroms erst nach 1945 möglich machte. In den 60er Jahren ersetze dann das Stadtbeleuchtungsamt flächendeckend die Gaslaternen durch eine - elektrische - Sicherheitsbeleuchtung. Die Laternenanzünder verschwanden aus dem Stadtbild und auch die Laternenwachen wurden geschlossen. Solche Wachen befanden sich z. B. in der Wasserturmstraße in Stötteritz und der Dornbergerstraße in Volkmarsdorf.
Manfred Stopp.
Sicherheitsbeleuchtung wurde auch in Paunsdorf eingeführt, wo ein Bauernhofbesitzer direkt an der Schwedenstraße sich eines der ausrangierten Gas-Exemplare sicherte. So kam Manfred Stopp - durch Tausch - auch an eine Paunsdorfer Gaslaterne. Seine erste freilich kam aus Halle. Wie man die Lampen reparierte und wieder leuchten ließ, eignete er sich durch eigenes Ertüfteln in seiner Werkstatt an. Heute ist er - wenn es um Gasleuchten geht - ein gefragter Fachmann.
Drei Laternen, die am Thomaskirchhof an die „gute alte Gaslaternenzeit“ erinnern, hat er in Pflege. Wenn rabiate Autofahrer eine Leuchte umfahren, muss Manfred Stopp zur Reparatur ausrücken. Viel angenehmer findet er es, wenn er seine schönsten Stücke in Ausstellungen zeigen kann. Formschöne Erinnerungen an eine Zeit, als noch Pferdebahnen durch die Stadt klapperten und beleuchtete Städte die Verheißung einer hellen Zukunft waren.
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