Stiftung Federkiel baut: In Halle 14 bekommt die Spinnerei ein eigenes Besucherzentrum
Ralf Julke
26.05.2007
Noch lebt die Baumwollspinerei ein beschauliches Nachmittagsstündchen. Richtig Trubel ist auf dem Gelände in Plagwitz, das in den letzten Jahren Heimstadt Dutzender kreativer Ateliers, Kunstmacher und "Spinnerbuden" geworden ist, eigentlich nur zu den regelmäßigen Rundgängen Kunst, zu denen Tausende Ausstellungsbesucher in die 120 Jahre alten Fabrikkulissen einfallen. Sonst ist eher Katzenwetter. Produktive Stille. Und keiner sagt einem, wo es lang geht. Das soll sich ändern.
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Das hat sich die Stiftung Federkiel vorgenomen. 2000 in Berlin gegründet, landete sie 2002 in der Baumwollspinnerei, die nach zaghaften Anfängen im Jahr 1992 zwar noch ein Geheimtipp war, aber schon Hallen voller geschäftigen Lebens aufweisen konnte. Das Gelände gewann Struktur und die zentral gelegene Halle 14 bot sich für Federkiel als idealer Ort zum Experimentieren mit verlassen Räumen an. Vier Geschosse hat der Bau. Vom Dach aus hat man eine weite Sicht über Plagwitz und Lindenau. Und natürlich das Werkgelände, das in diesen fünf Jahren zu einer europäischen Adresse geworden ist für Kunstmacher und Kunstinteressierte.
Auch Ausstellungen in Halle 14 gehörten immer wieder zu den Attraktionen, die Neugierige ins Gelände zogen. Hier wurde die Idee des Kubus geboren, der die riesigen alten Produktionshallen auf Zimmergröße schrumpft. Seit 2006 hat die Klasse Blank der HGB die Kubus-Idee im zweiten Geschoss professionalisiert und veranstaltet immer neue Kunst-Spiele im "Universal Cube".
Im ersten Geschoss tobt derzeit der 30jährige Krieg, haben Wallenstein und das Schauspiel Leipzig ihr Lager aufgeschlagen. Im Erdgeschoss sperren große Gitter ein Areal ab, in dem junge BMX-Biker regelmäßig toben. Vieles ist möglich in den alten Bachsteinbauten. Was noch fehlt, ist der Knoten, der Punkt, an dem alles zusammenläuft. Deswegen hat sich die Stiftung Federkiel vorgenomen, in eben dieser ideal und zentral gelegenen Halle ein Besucherzentrum der besonderen Art zu schaffen.
"Auch als zentrale Anlaufstelle für die ganze Spinnerei", sagt Michael Arzt, 29, studierter Kunstpädagoge und seit 2003 Kunstmanager für die Stiftung Federkiel. Nicht das übliche mit Empfangstresen, sterilen Hinweistafeln, Gummpipalme. "Das Besucherzentrum soll Atmosphäre, Ruf, Infrastruktur und Know-how der Spinnerei mit einem entsprechenden Service verbinden", heißt es dazu im Bewerbungsprospekt. Auch ein solches Kommunikationszentrum braucht Geld. Die Fenster sollen bis zum Hallenboden vergrößert werden. "Macht ja keinen Sinn", wenn der Raum nach außen nicht durchlässig ist", sagt Arzt.
Michael Arzt in Halle 14.
Vom niederländischen Architekten Peter van Assche hat sich die Stiftung Entwürfe anfertigen lassen für ein Foyer, das das Moderne schon beim ersten Blick verbindet mit der alten Baumwollgeschichte. Van Assche hat deshalb breite Textilbahnen als Blicjkfang entworfen, die scheinbar wie auf Fließbändern durch die Halle rauschen und über Tür und Fenster auch nach außen fahren.
Selbst die Regale, in denen einmal die 14.000 Kunst-Publikationen der Stiftung ihren Platz finden sollen, wirken wie riesige Stapel aus Stoffballen. Die Publikationen hat eine große europäische Kunstmesse de Stiftung überlassen. "Die hatten einfach keinen Platz mehr dafür", so Arzt. "Und es war einfach zu schade, diese Schätze wegzuschmeißen. Bei uns finden die Sachen einen würdigen Platz." Auch der Empfangstresen ragt als Stoff-Welle aus dem gestalteten Bodenprofil.
Anfang des Jahres bekam die Stiftung über das EU-Förderprojekt SMART rund 36.000 Euro, mit denen die Idee, den 500 Quadratmeter großen Hallenteil genau so umzubauen, verwirklicht werden kann. Insgesamt wird der Umbau etwa 50.000 Euro kosten. Im Juli solen die Umbauarbeiten beginnen. Im Dezember soll das Besucherzentrum, in dem auch das Stiftungsbüro und ein "Meeting Place" unterkommen sollen fertig sein. "Und dann ist das - hoffe ich - so eine Art Initialzündung für das ganze Gebäude, das wir natürlich auch irgendwann komplett instand setzen wolen", sagt Arzt. "Aber das geht natürlich nur in überschaubaren Schritten. Das Dach wäre ebenfalls fällig. Jetzt wächst da oben der Schnittlauch."
Im Erdgeschoss, gleich hinter dem Besucherzentrum, wäre Platz genug für eine "Kreative-Spinner-Werkstatt" und in die riesige Rest-Fläche könnten sich Büros und Vereine einmieten, die sich der Stiftung Federkiel verbunden fühlen. Im ersten Geschoss möchte die Stiftung gern Ateliers unterbringen, deren Vermietung zur Deckung der Nebenkosten beitragen soll. Im zweiten Geschoss ist ein Sammlerdepot vorstellbar, das auch als Schaulager genutzt werden soll. Geschoss Nummer 3 soll weiterhin für ein internationales und provokantes Ausstellungsprogramm genutzt werden.
Es sind die alten Betontreppen, über die die Besucher in die verschiedenen Geschosse gelangen. Nur das Besucherzentrum wird Ende des Jahres eine neue Sprache sprechen. "Es soll auch ständig besetzt", sein, so Arzt, "dass jeder, der ins Gelände kommt hier nachfragen kann. Alle Informationen zu Galerien und Ausstellungen sollen hier zusammen laufen." Dann kann auch der Naivste reinkomen und fragen: Wo bitte geht's zu Kaeseberg? - Die Antwort gibt es morgen an dieser Stelle.
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