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Schuhe gewienert fürs Schnupper-Konzert: Mit guter Gesellschaft ins Leipziger Gewandhaus

Redaktion
Foto: Jan Kaefer
Foto: Jan Kaefer
Jan Kaefer. Ich hatte extra die feine Hose raus gesucht und mit der Bürste nochmal gründlich über die Schuhe gewienert. Schließlich würde ich mich in "Gute Gesellschaft" begeben. Im Leipziger Gewandhaus warteten nämlich schon zwei attraktive Ladys auf mich. Beide prominent. Natürlich! Und auch sie hatten sich schick gemacht.

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Die eine - Natalie Augsburg - mit modischer Brille und fantasievoller bunter Kette. Die andere - Karolina Kudlacz - mit rosé-farbenem Röckchen und Stiefeletten. Beide verdienen ihr Geld mit Handball. Sie spielen bei einem der besten Clubs Deutschlands - dem einheimischen HC Leipzig.

Foto: Jan Kaefer
Foto: Jan Kaefer
Okay, zugegeben, ich war nicht ihr einziges Date. Genau genommen waren die jungen Damen an diesem Abend mit insgesamt sechs Handball- bzw. Musikfreunden verabredet. Pfiffige Mitarbeiter des Gewandhauses hatten das ganze Ding eingefädelt. In Wirklichkeit ging es hier auch nicht um ein romatisches Tete-a-tete, sondern vor allem darum, sein Herz - oder besser: sein Ohr - für die klassische Musik zu entdecken.

Das Gewandhaus, als "Tempel" klassischer Musik, zerbricht sich nämlich immer mal wieder den Kopf darüber, wie vor allem auch junge Leute dafür begeistert werden könnten, sich still auf den Sessel zu setzen und den Klängen von Violine oder Orgel zu lauschen. Ein Ergebnis dieser Denkerei ist das Konzept "In guter Gesellschaft". Die gute Gesellschaft besteht dabei aus prominenten Leipzigern, die sich ein Konzert aussuchen dürfen, das sie gemeinsam mit ihren Fans besuchen.

Im Falle von Natalie Augsburg und Karolina Kudlacz war das ein Kammermusik-Konzert, bei dem das Kokoschka-Quartett auf Violine, Viola und Violoncello Stücke von Jean Sibelius, Jón Leifs und Edvard Grieg darbot. Eine ungewohnte Erfahrung für mich, der sich sonst nur am Rande mit klassischen Klängen befasst. Zum Glück ging es mir nicht als Einzigem so, denn gleich beide Promis mussten gestehen, bisher noch nie im Gewandhaus gewesen zu sein. Immerhin konnte Natalie Augsburg damit punkten, hin und wieder mal Klassik in den CD-Player zu legen - vor allem dann, wenn sie vom Stress wieder "runter kommen" will.

Foto: Jan Kaefer
Foto: Jan Kaefer
Karolina Kudlacz hingegen hatte mit den schöngeistigen Klängen bisher wenig im Sinn. "Es ist einfach nicht meine Welt.", gestand sie offen. Deshalb hatte sie wohl auch einige Bedenken, was diesen Abend im Gewandhaus anging. Und sie wollte auch nur unter der Bedingung teilnehmen, dass Musik gespielt wird, bei der "der Funke überspringt". Das dürfte geklappt haben. Spätestens bei Edvard Grieg fiedelten sich die vier jungen Herren auf der Bühne die Seele aus dem Leib. Ein Einsatz, der sich gelohnt hat, denn nach der Show stand für die Handballerinnen fest: "Wir gehen wieder ins Gewandhaus!"

Vielleicht nutzen sie dafür ja gleich den nächsten Termin der "Guten Gesellschaft". Der Journalist Christoph Peters ("Horns Erben") lädt dazu am 21. Mai (20 Uhr) ein. Unter der Leitung von Dirigent Riccardo Chailly, wird das Gewandhausorchester einige Stücke van Beethovens zu Gehör bringen. Spezialpreis: 3 Euro! Und schließlich gibt sich am 20. Juni (20 Uhr) noch das "Brockdorff Klanglabor" die Ehre. Die Formation ist zwar eigentlich in Sachen Electro, Pop-Punk und Breakbeat unterwegs, wird sich an diesem Abend aber auch gern mal den Werken von György Ligeti, Zoltán Kodaly und Leos Janácek widmen. Spezialpreis hier: 9 Euro.

Wichtig ist noch, dass für jeden dieser Abende eine vorherige Ticketreservierung erforderlich ist. Außerdem gibt es Fristen, bis zu denen die bestellten Karten an der Gewandhauskasse abgeholt und bezahlt werden müssen. Das ist jeweils etwa 1-2 Wochen vor dem Konzert. Noch mehr Infos finden Sie auf www.gewandhaus.de. Über den Menüpunkt "Musikvermittlung" kommen Sie zu einer Übersicht der Angebote für junge Leute, die auch einen Link "In Guter Gesellschaft" anbietet. Die Teilnahme ist übrigens nicht an ein bestimmtes Alter gebunden. Es reicht vollkommen aus, sich jung zu fühlen.



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