Ungewöhnliche Bücher für ungewöhnliche Leser: 10 Jahre Edition ERATA in Leipzig
Dörthe Stanke
14.11.2008
Viktor Kalinke.
„Doch, es sollte ein Versuch mit langem Atem werden, keine Eintagsfliege", antwortet Viktor Kalinke auf die Frage, ob er wohl vor zehn Jahren gedacht hätte, dass er 2008 noch immer Bücher verlegen würde. Also erfüllte er sich einen Traum, den viele träumen, aber die wenigsten wahr machen.
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Zusammen mit der Buchgestalterin Marion Quitz gründete er seinen eigenen Verlag, die Edition ERATA. Seitdem sind rund 150 Bücher erschienen, die Auflage beträgt jeweils 400 Stück. Es sind ungewöhnliche Bücher, die bei ERATA erscheinen, "keine Gute-Nacht-Literatur", wie Verleger Kalinke sagt, sondern Bücher, die auf der Suche nach dem Besonderen sind. „Wir legen in jeder Publikation Wert auf einen anspruchsvollen Umgang mit Sprache und auf einen außergewöhnlichen literarischen Blickwinkel", erläutert Kalinke sein Verlagskonzept. Gegen das Wort Avantgarde hat der wortgewandte Mann, der außerdem als Psychologe an der HTWK tätig ist, nichts einzuwenden.
Die bei ERATA erscheinenden Bücher dürfen und sollen den Leser irritieren, ihn anstrengen und anregen. Dass sich mit diesem Konzept keine Riesenabsätze erzielen lassen, ist klar, aber Bestseller zu produzieren ist auch gar nicht das Ziel von ERATA. Vielmehr geht es darum, mit dem Verlag eine Plattform für Literaturinteressierte und Autoren zu schaffen, auf der sie sich begegnen und austauschen können. Und gegen den Uniformitätsdruck der großen Verlage noch wenig bekannten Autoren die Möglichkeit zu geben ihre Werke zu publizieren.
„Wir wollen dazu beitragen, die literarische Sprachlosigkeit der neuen Länder zu überwinden", so Viktor Kalinke, "nach dem Verlags-Kahlschlag im Zuge der Wende laufen die literarischen Aktivitäten im Osten Deutschlands fast ausschließlich über den Filter von Westverlagen." Angesichts des Trends zu immer größeren Konzentrationen in der Verlags- und Buchhandelsbranche ein kühnes Projekt. Aber die vergangenen zehn Jahre geben Kalinke in seiner Vision recht. Der Bekanntheitsgrad des Verlages steigt allmählich und stetig.
Foto: Erata
Hat langen Atem bewiesen: Viktor Kalinke.
Jedoch nicht nur ostdeutsche Autoren können im gemütlichen Ladengeschäft des Verlages in der Brockhausstraße entdeckt werden. Osteuropa und Portugal stellen weitere verlegerische Schwerpunkte der Edition ERATA dar, ebenso Lyrik. Besonders schön: Wird ein fremdsprachiger Poet verlegt, erscheinen die Gedichtbände stets zweisprachig. So gehört zum Beispiel der US-Amerikaner Billy Collins zum Verlagsprogramm, der in seiner Heimat ein wahrer Dichterstar, hierzulande jedoch noch weitgehend unbekannt ist. Vorbeischauen lohnt sich.
Doch wie kann ein Verlag mit einem derart ambitioniertem Programm überhaupt finanziell überleben? – Viktor Kalinke lacht: „Die Frage stellen immer alle." Die Antwort ist einfach, neue Buchprojekte finanzieren sich über den Verkauf der älteren Titel, der Rest ist Selbstausbeutung. – „Aus Liebe zum altmodischen Medium Buch", wie Kalinke sagt. Das Großartige am Verlegersein sei, ein Buch vom Manuskript bis zum fertigen Produkt zu begleiten. „Es ist einfach sehr befriedigend einen solchen umfassenden Prozess zu vollziehen", resümiert Kalinke, „sonst ist man ja heute beruflich in der Regel nur mit Teilaufgaben konfrontiert, ein Rädchen im Getriebe. Das ist beim Büchermachen einfach anders."
Die Edition ERATA lädt ein zur Jubiläumsfeier am heutigen Freitag, 14. November, um 20:00 Uhr in die Brockhausstraße 56.
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