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Mein erstes Wave-Gotik-Treffen (2): He-Man trifft auf “Grufti"

Daniel Thalheim & Ghost
Aus Japan zum ersten Mal zum WGT angereist und gespannt auf WGT und Leipzig.
Aus Japan zum ersten Mal zum WGT angereist und gespannt auf WGT und Leipzig.
Foto: Daniel Thalheim
Wohin ging der traditionsbeflissene “Grufti“ zur Einstimmung aufs WGT am Vorabend des offiziellen Auftakts des WGT? Es brummte am Donnerstag gleich an vier Ecken in der Messestadt – Moritzbastei, Dark Flower, Sixtina und in der Villa.


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Ich beschloss auf dem Weg zur Auftaktparty in der Moritzbastei der Villa einen Besuch abzustatten, denn da soll “Rummelsnuff“, der von allen Seiten gepriesene “Elektro-Popeye“ auftreten und sein Seemannsgarn spinnen. “Da muss man hin“, raunte es vorab im Buschfunk. Aha, Rummelsnuff – Seemannslieder – Elektro? – noch nie gehört.

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“Tristesse de la Lune“: Mein erstes Wave-Gotik-Treffen 2009 (1)
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In der Villa angekommen beäugte ich zunächst einmal das Publikum, das unserem Seemann zujubeln will, denn da sind keine Rüschen und Gewand und hübsch geschminkte Gesichter. Von Romantik und Todessehnsucht keine Spur, die Gäste in ihrer Optik eher “ästhetisch streng“. Ganz im Gegensatz zu dem Pärchen, auf das ich mittags in der Stadt gestoßen bin und ein Foto machen durfte – die beiden sind zum ersten Mal aus Japan zum WGT angereist.

Ich nutzte die Zeit in der die Vorband namens T.W.A.T. spielte – ein eher ermüdender DAF-Verschnitt in schwarzem T-Shirt – um etwas Licht in mein Dunkel zu bringen. Der freundliche, zum zweiten Mal zum WGT angereiste Fremde, klärt mich etwas auf über Roger Baptist, alias Rummelsnuff: Stampfende Synthie-Melodien, sonore Stimme, augenfesselnder Muskelmann mit Springerstiefeln dran, nostalgische Texte. Irgendwie cool eben und mal was anderes. Auch wies er mich darauf hin, dass man diesen Künstler, wenn man nur seine Texte hört, durchaus falsch verstehen und denken könnte – soso, die Brise weht steif von rechts. Ihn müsse man aber im Kontext begreifen mit seinen Auftritten und Videos, in denen er das konterkariert. Und er würde selbst in der schwulen Techno-Subkultur gefeiert.

Ich war auf alles vorbereitet.

Und dann kam ER in die mittlerweile gut gefüllte Villa. Ein wirklich besonders exotisches Exemplar – der zu Fleisch gewordene He-Man. Poppeye ist ein Wurm dagegen. In der Tat augenfesselnd mit sonorer Stimme. Bergwerkromantik und Saufgelage für Hartgesottene. Ich sah und hörte ein Weilchen zu und ging in dem Glauben – der tut nix, der will nur spielen.

Kaenny (li) aus Japan, selbst Sänger und Künstler freut sich auf die Live-Konzerte.
Kaenny (li) aus Japan, selbst Sänger und Künstler freut sich auf die Live-Konzerte.
Foto: Daniel Thalheim
Einen kleiner Abstecher ins Dark Flower sollte auf meinem Weg zur Moritzbastei dann auch noch drin sein. Bei meinem Eintreffen um 0:30 Uhr war die allen bekannte Szene-Disco proppevoll und wurde auf zwei Tanzflächen von verschiedenen bekannten Szeneleuten mit Konservenmusik beschallt. Auch wieder Elektro-Musik. Hört denn keiner mehr “The Cure“? Trotzdem hatte ich hier zum ersten Mal das Gefühl, mich auf einem Gothic-Festival zu befinden. Viele knapp bekleidete Frauen hier, was sich jedoch auch auf die im Club herrschende Temperatur zurückführen ließe. Heiß und schwitzig. Auch ein Fall für Hartgesottene.

Nach diesem kurzen Intermezzo gelangte ich in frischer Luft zu meinem Zielort Moritzbastei und der inoffiziellen WGT Auftaktparty. Auch hier tat sich auf: Elektromusik so weit das Ohr lauscht. “EBM“ oder “Industrial“ nennt das der Fachmann. Martialische Rhythmen, rein elektronisch, unterlegt mit verzerrtem Gesang eines oder zwei Sänger. Heftig auf alle Fälle, aber ein wenig fehlt mir die Melodie oder wenigstens die Harmonie. Aber die Leute fuhren voll darauf ab – jede Menge entspannte Gesichter, die zu “EBM“ zappelten. Menschen mit Mundschutz, bunten Haaren und Leuchtdioden an den Armen. Mädchen, die wie Flak-Helferinnen aus dem Zweiten Weltkrieg aussehen oder auch mal im knappen Krankenschwester-Kostüm. Ich schätze, da wird man gerne mal krank ...

Na, Verartzung gefällig?
Na, Verartzung gefällig?
Foto: Philipp Halling
Offenbar mögen die heutigen “Gruftis“ lieber elektronische und brachial hämmernde Musik, ziehen sich überwiegend extravagant und sexy an. Und der modrige Duft, der sonst Leipzig zu Pfingsten einnebelte, war so gut wie nicht zu spüren. Stattdessen rochen alle frisch nach blumigen Duschbad, Frucht oder Sandelholz.

Irgendwie anders als das, was ich erwartet habe. Meine Vorstellungen von einem “Grufti“ sind eher die eines Schwarzgewandeten mit wilder Frisur nach allen Seiten offen und bleiches, geschminktes Gesicht mit leicht intellektuellen Gesichtszügen. Und eben dem Geruch.


Aber noch ist nicht aller Tage Abend und morgen gibt es noch viel mehr zu berichten. An selber Stelle.

Für Hartgesottene:
www.myspace.de/rummelsnuff

www.wave-gotik-treffen.de


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