Bundestreffen der Theaterjugendclubs: Interview mit dem Organisationsteam
Patrick Limbach
15.06.2010
Foto: R. Arnold / Centraltheater
Ab dem heute, dem 15. Juni findet im Centraltheater das 21. Bundestreffen der Theaterjugendclubs statt. Die L-IZ fühlte vorab der Theaterpädagogin Katrin Richter und den ehrenamtlichen Organisatorinnen Josephine Heide, Amina Nolte und Romy Beu in einem Interview auf den Zahn.
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Was erwartet die Besucher des Jugendclubtreffens?
Josephine Heide: In Leipzig erwartet uns eine Festivalwoche mit über 180 Teilnehmern, sechs Produktionen, die von der Jury als sehr bemerkenswert beurteilt und eingeladen worden sind, sowie eine Spinnwerk-Produktion, die das Festival am 15. Juni eröffnen wird.. Es gibt ein Rahmenprogramm, unter anderem mit Parties und Karaoke-Wettbewerben, einem Videotagebuch, zehn verschiedene Workshops, in denen sich die Teilnehmer austoben können.
Amina Nolte: Nach zwei intensiven Workshoptagen wird es im Centraltheater auch eine Präsentation geben, in der die Teilnehmer vorstellen, was sie gemacht haben. Das ist dann auch nochmal ein Austausch.
Katrin Richter: Darum geht es bei dem Festival auch. Es geht darum, dass sowohl die eingeladenen Gruppen als auch die Delegierten der nicht-eingeladenen Jugendclubs mit neuem Input aus diesem Festival herausgehen.
Romy Beu: Für das Leipziger Publikum ist das Festival natürlich auch interessant, weil es die Möglichkeit bietet, binnen einer Woche Stücke zu sehen, die man sonst nicht sieht.
Wagen den Blick durch das Theaterfenster: Jugendliche machen Theater in Leipzig
Foto: R. Arnold / Centraltheater
Wie hat sich die Jury zusammengesetzt?
Katrin Richter: Der Bundesverband für Theaterpädagogik, der das Festival sozusagen ausrichtet, sucht jedes Jahr ein gastgebendes Theater. Im Bundesverband gibt es einen Ausschuss "Theaterjugendclubs an Theatern", der die Juroren auswählt. Die Juroren kennen sich untereinander. Es sind Theaterpädagogen, die an verschiedenen Häusern arbeiten. Hinzu kommen Jungjuroren. Das sind Leute, die sagen, "Mensch, ich war jetzt zweimal beim Festival dabei und möchte Jungjuror werden."
Im Endeffekt ist es der Bundesverband, der die Jury zusammensetzt. Normalerweise ist es so, dass ich als Theaterpädagogin des gastgebenden Theaters auch drin wäre. Aber ich bin es nicht, weil wir quasi wie die Jungfrau zum Kinde zu diesem Festival gekommen sind. Wir haben die Zusage erst vor zehn Monaten bekommen, nachdem ein Bochumer Theater abgesprungen war. Durch die Ruhr-Biennale konnte es dort nicht stattfinden. Ich war zufällig bei dem letzten Festival zu Gast und hab dort gesagt, wir machen das. Wir wussten damals noch nicht wie, und es hat sich auch als sehr schwierig herausgestellt, weil wir keine Finanzierung bekommen haben – weder von der Stadt noch vom Freistaat Sachsen. Wir haben dann gesagt, wir machen es trotzdem. Ich hatte zu dem Zeipunkt bereits meinen Spielplan für die laufende Saison. Deshalb gehöre ich der Jury nicht an.
Wie viele Personen sind in die Organisation des Festivals involviert?
Josephine Heide: Insgesamt sind wir sechs Leute. Wir haben jetzt 20 - 25 Volontäre zusammengesucht, die uns während des Festivals tatkräftig zur Seite stehen und mit mehreren Aufgaben betraut sein werden.
Was sind das für Aufgaben?
Amina Nolte: Die Aufgaben reichen von der Mithilfe beim Catering bis zur Betreuung von Info-Ständen. Ein Team wird zum Beispiel eine Festivalzeitung produzieren. Das Rahmenprogramm wird ebenfalls von im Spinnwerk aktiven jungen Leuten gestaltet.
Katrin Richter: Das Theater wird zum Traumschiff "MS Central". Die Teilnehmer werden verschiedene Rollen und Aufgaben haben. Zum Beispiel wird ein blinder Passagier, der das Festival sprengen will, enttarnt werden müssen. Was mir wichtig war als Theaterpädagogin, ist das nicht ich die Teilnehmer durchs Programm führe, sondern dass das Jugendliche übernehmen. Wir haben im Centraltheater das Konzepte, dass Jugendliche und Studenten selber in die Verantwortung genommen werden und durch "learning by doing" selbst Sachen ausprobieren. Im Endeffekt soll gezeigt werden, dass die Jugendlichen das Ruder selbst in der Hand haben.
Das 21. Treffen der Theaterjugend in Leipzig hat begonnen
Bild: Veranstalter
Sie zeigen zur Eröffnung des Festivals mit "Krisenkinder" am 15. Juni eine Eigenproduktion. Nach welchen Kriterien haben Sie die ausgewählt?
Katrin Richter: Die habe ich ausgewählt. Wir haben im Spinnwerk in dieser Spielzeit insgesamt 13 Premieren. Insgesamt sind rund 150 Teilnehmer im Spinnwerk aktiv. Wenn jemand auf der großen Bühne inszeniert, muss ich davon ausgehen, auf den ich mich verlassen kann. Es muss jemand sein, wo ich weiß, der inszeniert was, was auf der großen Bühne funktioniert. Bei uns herrscht aber das Prinzip, dass nicht ich inszeniere, sondern Jugendliche und Studenten, die dann Hilfestellungen und Rahmenbedingungen vom Haus bekommen, aber das teilweise noch nie gemacht haben. Ich denke, wenn jemand das erste Mal inszeniert und denkt, er ist auf der großen Bühne, ist auch ein gewisser Druck vorhanden. Christoph Sommerfeld kenne ich noch aus Magdeburg. Er hatte damals als Jugendlicher im Jugendclub inszeniert. Heute studiert er an der Hochschule Ernst Busch in Berlin Regie. Zum anderen lag es auch am Thema der Inszenierung. Es gab eine Spiegel-Ausgabe zum Thema "Krisenkinder". Darin ging es um die Frage, ob es denn überhaupt eine solche Generation gibt.
Was wird Ihrer Meinung nach das Festival einzigartig machen?
Josephine Heide: Es ist etwas Einmaliges in Leipzig. Diese Kombination an eingeladenen Produktionen wird so nicht mehr zusammenkommen.
Katrin Richter: Besonders ist auch, dass sich das Stadttheater enorm für das Festival öffnet. Ich war schon auf einem Festival, dass in vier verschiedenen Theatern stattfand. Da musste man immer hin und her fahren. Wir haben alles zentralisiert.
Romy Beu: Wir belagern fünf Tage lang das ganze Haus. Es wird während der Festivalzeit im Centraltheater keine anderen Vorstellungen geben. Wir sind in den Foyers, wir sind auf der großen Bühne, wir belagern die Probebühnen. Die Bosestraße wird gesperrt sein. Das Weiße Haus wird quasi unsere Festivalzentrale sein. Intendant Sebastian Hartmann hat in seinem Grußwort für das Programmheft bereits geschrieben, dass das Haus geöffnet wird für die Generation Zukunft.
Katrin Richter: Ich glaube diese Öffnung, das Zentrale, dass die Jugendliche auch ganz nah am Haus wohnen werden, ist glaube ich schon was Einmaliges. Es ist ein Festival der kurzen Wege. Das Rahmenprogramm ist auch einmalig. Das viel Spaß, Spannung und Action angeboten wird, war sonst auch nicht der Fall. Wir versuchen, dadurch die Jugendlichen noch mehr in Kontakt zu bringen.
Romy Beu: Alle Leute, die hierher kommen, sollen sich kreativ austoben. Nicht nur in den Workshops, sondern auch hier durch das Rahmenprogramm mit Open-Stage, Impro-Sessions usw. Sie sollen all die Energie, die sie vom Tage noch übrig haben, auch rauslassen. Nicht nur die sechs eingeladenen Produktionen sondern alle, die hier Theater machen wollen, sollen während des Festivals Theater machen können.
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