"Leipzig ist für uns eine besondere Stadt": Alin Coen im großen L-IZ - Interview
Daniel Thalheim
01.09.2010
Alin Coen schaut zuversichtlich auf die laufende Tournee und offeriert ein neues Album. Fünf Stücke seien schon arrangiert, die derzeit auf Tour vorgestellt werden.
Foto: Daniel Thalheim
Während sich die naTo langsam füllt, probt die Alin Coen Band im Konzertsaal ihre Songs und lotet im Soundcheck den Klang ihrer Instrumente aus. Bis sie zufrieden sind, vergeht ein Weilchen. Als die charismatische Sängerin freudig strahlend von der Bühne herabsteigt, ist noch Zeit bis zum Auftritt. Zeit ein Interview mit der L-IZ, über sie, ihr Album, neue Songs und Touren.
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Sie redet schnell, während der kleinen gesprächigen Runde im Cateringbereich der naTo. Aufgeregt scheint sie zu sein und fokussiert auf den Auftritt gleich im Anschluss des Gesprächs. Auf der Bühne standen merklich mehr Instrumente auf der Bühne, als vielleicht auf "Wer bist Du?" zu hören sind.
"Wir arbeiten im Unterschied zum Album mit mehr Instrumenten, um den Klang einfach facettenreicher zu machen", erklärt Alin Coen und setzt nach: "So sind wir als Band zu hören und nicht als Solokünstlerin mit Band." Hastig erzählt sie auch, dass die Vier eine neue Art und Weise zum Schreiben der Lieder entwickelt haben. "Früher habe ich die Stücke allein geschrieben und arrangiert. Nun sind alle Musiker in der Band beteiligt."
Deswegen klingen die Stücke des Debüts nun live etwas anders als auf Platte. Einen gänzlich anderen Stil wird die Band nicht fahren, wie die Besucher des Konzerts in der naTo erfahren durften. "Wir klingen wie die Alin Coen Band, die man auf Platte kennen gelernt hat, nur halt mehr nach Band als nach Alin Coen."
"Wer bist Du?", fragt sich Alin Coen auf ihrem neuen Album. Die naTo Leipzig schien mit einem ausverkauften Haus zu antworten.
Foto: Daniel Thalheim
Die junge Sängerin mit dem südländischen Äußeren lacht über ihr hohes Sprechtempo und schildert, warum es nun dazu kommt, dass die Band gemeinsam Lust hat, die Stücke zu komponieren und arrangieren. "Bei 'Halo' fing es an, dass wir zusammen etwas gemacht haben. Dieses Stück ist also nicht aus meiner alleinigen Feder entstanden. Uns hat das gemeinsame Tüfteln so großen Spaß gemacht, dass wir anfingen, die anderen Stücke ebenfalls neu zu gestalten."
Bevor Alin Coen und ihre drei Mitmusiker auf Tour gingen, haben sie noch kräftig geprobt. "Sechs bis sieben Stunden am Tag waren da keine Seltenheit", so die junge Frau lächelnd. Sie könnte eigentlich bei so viel Vorbereitung viel gelassener sein. Doch offensichtlich steckt auch in ihr eine gehörige Portion Lampenfieber, denn eigentlich könnte sie angesichts ausverkaufter Clubs gelassener sein.
Das meint auch Alin Coen. "Meinen Klimax an Aufregung habe ich schon hinter mir. Ich trat bei einer Fernsehsendung am Samstag auf. Zuvor wurde mir gesagt, dass die Show vor 2 Millionen Zuschauern gezeigt wird. Ich bin gestorben vor Angst", schildert Coen - und lacht laut.
Das Argument, dass man aber die Zuschauer nicht sieht und nicht aufgeregt sein muss, wischt Coen beiseite. Sie macht einen Schmollmund: "Einfach nur zu wissen, dass zwei Millionen zuschauen, ist schon heftig."
Nun scheint das Feedback zu wachsen. Während Alin Coen noch vor einigen Wochen auf ihre Webseite schrieb, dass die bestückten Radiostationen ihre Stück "ich war hier" nicht spielen würden, so beständig scheint jetzt der Zuspruch zu gedeihen, den die Medienleute ihr und ihren Songs antragen. "Vielleicht sind wir einfach keine Radioband", sagt emsig die Musikerin mit gebrochener Stimme und ergänzt flugs: "Unser Song hat unserer Meinung nach genug Pop-Potenzial gehabt. Nicht dass wir es darauf angelegt hätten, er ist uns einfach so aus den Fingern gerutscht und war da und schien zu passen. Was aber passiert ist, dass Redakteure von verschiedenen Radiostationen mit uns Interviews machen wollen und sogar ganze Sendungen machen."
"Einfach nur zu wissen, dass zwei Millionen zuschauen, ist schon heftig." - sieht so Erfolg aus? Alin Coen und ihre Mitstreiter freuen sich einfach, dass so viele Menschen ihre Musik mögen.
Foto: Daniel Thalheim
Das ist sogar mehr wert als das abnutzende Dudeln von Liedern. Alin Coen macht nunmal keine Musik für ein schnell vergessendes Publikum, sondern in erster Linie für sich selbst. "Wir finden es schön, was wir machen und freuen uns, wenn alle das toll finden. Mehr nicht."
Alin Coen ist herzlich in allem, was sie tut. Sie weiß, dass es sicher Menschen gibt, die nichts von ihrer Musik abgewinnen können. Wie Metalheads von irgendwelchen Online-Magazinen, die bei "Wer bist Du?" natürlich den gewohnten Planierraupensound vermissen und alles natürlich langweilig finden. "Völliger Quatsch, wenn jemand sagt, ein Lied ist langweilig. Den Leuten fehlt es einfach an Rezeptoren, sich Musik wirklich zu öffnen", bringt es die Sängerin für sich resolut auf den Punkt.
Wie sieht die Künstlerin ihr Werk, wenn schon andere darüber urteilen und mitunter falsche Schlüsse ziehen? Als Unterwassermusik bezeichnet die zierliche Frau die Musik auf "Wer bist Du?". Ein assoziativer Begriff. "Beim erstmaligen Hören drängte sich mir das Element Wasser sofort auf."
Mit dieser Assoziation wurde auch das Cover mit der Musik abgestimmt. Inhaltlich wurde das Album in der Ich-Perspektive verfasst, aber es sind auch Geschichten darunter, die mit der Sängerin Berührungspunkte finden. "Die Stories haben überhaupt nichts mit der Wirklichkeit zu tun", so Coen mit einem schalkhaften Schmunzeln auf den Lippen. "Es sind Geschichten auf dem Album, die irgendwann einmal mit mir in Berührung getreten sind."
Alin Coen live in der naTo am 31. August.
Foto: Daniel Thalheim
Dann schwenkt sie doch um und meint: "Die Geschichten sind schon recht nah dran, was ich vor einigen Jahren gefühlt hatte", hakt sofort selbst nach und erklärt: "Einige Inhalte sind nicht von mir, sondern wurden mir erzählt. Ich habe sie lediglich in die Erzählebene meines Ichs übertragen."
Bis Ende September befindet sich Alin Coen mit ihrer Band auf Gastspielreise. So mancher wird schon angesichts der vielen Orte und Termine tourmüde. "Wir planen doch nicht so eine Tour, weil wir keine Lust darauf haben." Alin Coen lacht lauthals. "Wir haben total Bock auf die Bühnen zu gehen, touren Jahr für Jahr. Wir waren schon oft bei euch in Leipzig. Gerade weil wir die Stücke neu arrangiert haben, sind wir total heiß darauf live aufzutreten. Wir freuen uns auf jedes Konzert und werden das Tourleben ganz schnell vermissen, wenn wir im Studio sind."
Für die Band ist es wichtig, die Reaktionen bei ihren Konzerten aufzufangen. "Es findet ja eine Kommunikation statt, was unheimlich spannend ist. Wir lieben es und finden es jedes Mal aufregend." Bedenken wegen des Sounds wischt sie beiseite und freut sich eher auf manche Herausforderung in den Clubs. Selbst wenn die Band selbst Techniker spielen müssen, wenn mal kein Soundmann da ist. Ein eigener wäre natürlich schön, weil man schon vorher den Klang absprechen kann. Noch ist das Zukunftsmusik.
"In Clubs wie die naTo machen wir uns keine Sorgen. Hier sind alle wirklich sehr lieb und entgegenkommend." Wobei Alin Coen dann noch auf Leipzig zu sprechen kommt: "Leipzig ist wirklich eine Art Zentrum für uns. Hier spielen wir Konzerte, die immer gut besucht sind und es wird von Mal zu Mal besser. Leipzig ist doch schon was ganz besonderes für uns."
Pläne gibt es aber auch nach der Septembertour durch Deutschland. "Wir warten auf die Bestätigung für eine Support-Tour, haben genügend Lieder in der Hinterhand für ein zweites Album. Ich wünsche mir, dass wir so intensiv weiter machen, wie vor der Tour auch. Wir sind komplett auf das nächste Album gepolt."
Alin Coen freut sich bei dem Gedanken, freut sich auch auf die Konzerte, die anstehen werden. Neue Songs bekommen die Fans schon jetzt zu hören, die einen weiten Ausblick auf das kommende Jahr geben.
2011 wirft seine Schatten voraus. Die Band hat sich als Ganzes entwickelt, wird aber unverkennbar Alin Coen Band sein. "Ein Metalstück haben wir auch dabei." Die kurzhaarige Sängerin lacht. Ein Wink mit dem Zaunspfahl der Ironie? Das werden Freunde der bewegenden Musik vermutlich erst nächstes Jahr herausfinden. So lange heißt es entweder Ausschau nach Alin Coens Liveterminen zu halten oder ihr neues Album "Wer bist Du?" anzuhören.
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