Leipziger Schumann-Tag "Blütenmond": Großer Auftritt für Erwin Stache und sein Kuckucksuhren-Orchester
Redaktion
13.08.2010
Erwin Stache.
Foto: Anja-Christin Winkler
Am 12. September ist Leipziger Schumann-Tag unter der Überschrift "Blütenmond". Und einer der Höhepunkte an diesem Tag wird das Kuckucksuhren-Orchester des Leipziger Klangkünstlers Erwin Stache sein. Das kuckuckt an diesem Tag seine Leipzig-Premiere. Robert Schumann hätte das vielleicht auch gefallen.
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Denn die Kuckucksuhren führen auch erstmals ein Stück von Robert Schumann im Gutspark Mölkau auf, dem Ort, wo Clara und Robert Schumann die Nachmittagsstunden ihres Hochzeitstages 1840 verbrachten. Fünf Kuckucksuhren stehen dann nebeneinander, intonieren Musik und versetzen die Gäste in Staunen.
„Da jeder Kuckuck nur zwei Töne hat“, erklärt Erwin Stache, „sind sie gezwungen, sich zusammenzuschließen, um überhaupt Lieder oder Stücke spielen zu können. Es muss sehr präzise festgelegt sein, wer wann aus seinem Türchen herauskommt, um im Takt zu bleiben.“
Neben den Kuckucksuhren kommen bei dem Familienfest im Gut Mölkau und dem Zweinaundorfer Park von 11 bis 14 Uhr auch Klangdroschken des Leipziger Künstlers zum Einsatz. Das Tempo der Schumann-Stücke, die damit abgespielt werden, regulieren die Gäste selbst. Das Besondere hier: Durch das Rückwärtsfahren der Droschken erklingt auch die Musik rückwärts. Als „Droschkenführer“ können die Gäste so nicht nur ihrem ganz persönlichen Hörverständnis von Schumanns Musik nachspüren, sondern auch geeignete Sequenzen durch rhythmische Vor- und Rückbewegungen in interessante „Schumann-Loops“ verwandeln.
Erwin Stache mit seinen Orchester-Kuckucksuhren.
Foto: Anja-Christin Winkler
Erwin Stache dazu: „Schade, dass in unserem Kulturkreis Menschen, die keine Musik gelernt haben, keine Musik machen dürfen, zumindest glauben sie das und meinen, nur fürs andächtige Hören da zu sein.“ Die Klangdroschken laden deshalb am 12. September ausdrücklich jeden zum Musizieren ein. Schumann-Musik zum Anfassen.
Erwin Stache beeindruckt neben der Musik auch besonders die Lebensgeschichte des Romantikers Robert Schumann. Die verlief eben nicht geradlinig, sondern brüchig, widersprüchlich, existenziell. Schon als jungen Klavierschüler erschütterte Stache die Geschichte der Fingerapparatur, die Schumann benutzte, um die Gelenkigkeit des Ringfingers zu trainieren, deren übermäßiger Gebrauch aber zur Lähmung seines Fingers führte und so Schumanns Pianistenkarriere vereitelte. „Geschichten sind wichtiger als Daten“, sagt Erwin Stache. „Mich fasziniert der Versuch, dem Lebendigen der Vergangenheit nachzuspüren.“
Erwin Stache ist deshalb auch gern der Einladung des Vereins FlügelschlagVariationen und der Leipziger Notenspur-Initiative gefolgt, die gemeinsam die ganztägige Veranstaltung „Blütenmond“ am 12. September organisieren. An diesem Tag, dem 170. Hochzeitstag von Clara und Robert Schumann, „intonieren“ Musiker, Künstler und Kunstbegeisterte an verschiedenen Orten in Leipzig, die eng mit dem Musikerpaar verbunden sind. Eine geführte Radtour verbindet all diese Orte miteinander. Gemeinsam ist allen Beteiligten die Idee, nicht im Musealen zu verharren, sondern mit dem Leipziger Schumann-Tag gerade jene Menschen zu erreichen, an die sich Clara und Robert Schumann mit ihrer Musik wandten - an uns alle.
Im Anschluss an das Schumann-Fest in Leipzig-Mölkau findet 16 Uhr in der Schönefelder Gedächtniskirche ein Hochzeitskonzert statt. Durch eine Liedermatinee und einen Stadtspaziergang am Vormittag sind mit Schumann-Haus und Coffe Baum weitere Schumann-Orte einbezogen. Am Abend schließlich wird der Bogen bis zu Robert Schumanns Sterbeort Bonn-Endenich gespannt. Die Bonner Tanztheatergruppe bodytalk beschließt den Lebens- und Schaffensbogen von Robert Schumann in „Blütenmondnacht - Der Unvollendenich“ aus der Perspektive Claras im Werk 2, Kulturfabrik Leipzig.
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