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"Man hält sich eine Angel in den Kopf und hofft, dass ein Gedanke anbeißt!": Volly Tanner mit KIKA-Moderator Alex Huth im Interview

Volly Tanner
Bild: Silvio Bürger
Am 6. November wird im Leipziger Anker für die Kinderhilfe Afghanistan, eine private Initiative, die in Ostafghanistan mit Afghanen medizinische und schulische Einrichtungen baut, benefizt. Neben Stars, wie Zöllner, Bobo In White Wooden Houses, Susanne Grütz, Francis DD String und vielen weiteren großen Namen moderiert KIKA-Tausendsassa Alex Huth den Abend. Grund ihn zu treffen und auszufragen. Volly Tanner ließ sich diese Chance nicht nehmen.

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Warum machst Du beim Benefiz mit?
Ich lebe gern in Leipzig! Weil es meine Stadt ist, mit meiner Familie, mit meinen Freunden, mit Flair, Herz und Gusche. Weil man keine Angst haben muss, nicht verhungert oder erfriert, keiner menschenfeindlichen Willkür ausgesetzt ist und durch Parks und Auwald schlurfen kann, ohne explosive Überraschungen zu erleben.

Und ich lebe gern hier, weil all das so selbstverständlich erscheint, dass man es eigentlich gar nicht zu erwähnen bräuchte und manchmal sogar vergisst, dass es eben nicht überall selbstverständlich ist. Ich kann mir nicht vorstellen, wie es ist, Todesangst zu haben, Leichen zu sehen, vor Hunger nicht schlafen zu können, als Waise aufzuwachsen, meine Kinder zu Grabe zu tragen, Figur in- und ausländischer Strategiespiele existenzieller Art zu sein, meine Kultur, meine Bildung, meine Werte, mein Land vor die Hunde gehen zu sehen.

Gerade deshalb bin ich froh und stolz, dass es hier wache Tellerrandüberblicker gibt, die begreifen, welchen Luxus es bedeutet, sich über Knöllchen, Schlaglöcher und Hundescheiße zu ärgern. Ich hoffe, wir können gemeinsam einen kleinen Anteil leisten, dass das irgendwann in Afghanistan auch möglich sein wird: ärgern über banale Dinge und viel lachen!

Auf wen freust Du Dich am meisten beim Benefiz – also von den Künstlern?
Ganz ehrlich: auf Bobo! Weil ihre ersten zwei Alben viele schöne Erinnerungen an meine Abizeit am Leben halten. Weil ich "Hole in Heaven“, "Passing Stranger“ und "Travel in my Mind“ immer noch auf meinem imaginären Lebens-Soundtrack-Album habe.

Und weil ich bedauerlicher Weise das Bobo-Konzert am 30. März in der Moritzbastei verpasst habe. Außerdem freue ich mich sehr auf Dirk Zöllner, den ich sehr schätze. Unser Treffen nach dem Courage-Festival geriet leider viel zu kurz und braucht eine Fortsetzung. Dazu kommt, dass mir Benjamin Weinkauf alle anderen Mitwirkenden auf so herzliche und begeisternde Art näher gebracht hat, dass ich es kaum erwarten kann, die Anekdoten mit Gesichtern zu beleben. Ich freu mich tierisch auf einen außergewöhnlichen Abend und bin stolz, dabei sein zu dürfen.

Moderiert am 6. November das Konzert für Afghanistan im Anker Leipzig - KIKA-Moderator Alex Huth.
Moderiert am 6. November das Konzert für Afghanistan im Anker Leipzig - KIKA-Moderator Alex Huth.
Bild: Silvio Bürger
Wirst Du selber etwas singen?
Ich wäre doch schön blöd, eine solche Chance ungenutzt zu lassen. Ja, ich will! Und ich hoffe, es wird kein Desaster.

Man kennt Dich ja nicht nur aus dem Radio, sondern vor allem vom KIKA – also, aus dem TV. Da sind Kinder Deine Klientel. Sind Rockfans ähnlich?
Wenn es Musik schaffen soll, Menschen an einer emotionalen Haltestelle abzuholen und auf eine gemeinsame Reise mitzunehmen, dann funktioniert das nur wechselseitig. Die Künstler müssen alles geben und das Publikum als integraler Bestandteil dieses Trips ebenso.

Das ist keine Pauschalreise! Ich baue hier auf die Begeisterungsfähigkeit. Sicherlich eine Parallele zwischen Kindern und Rockfans. Und noch eine: beide haben ein feines Gespür. Wenn du sie verarschst, lassen sie dich bluten.

Und selber? Aus welchem musikalischen Stall beziehst Du Dein Füßewippen? Wo bist Du musikalisch zu Hause?
Ich bin Musiknomade. Nirgendwo zu Hause, überall gern zu Gast. Es ist doch Wahnsinn, wie ungeheuer viel Musik gelebt, gedacht, gespielt und gefühlt wird und wie wenig man letztendlich davon mitbekommt. Gerade weil Musik allgegenwärtig ist, jederzeit abruf- und verfügbar, ist sie diffus und flüchtig. Deshalb freue ich mich jedes mal, wenn ich auf etwas Unerwartetes stoße. ZAZ zum Beispiel war so ein Glücksgriff, Kleerup, Keane, Kashmir, Fat Freddys Drop, BT, The XX, Burial, Parov Stelar,...

Die Liste ließe sich unendlich fortsetzen und trotzdem existieren irgendwo da draußen musikalische Perlen, die man nie im Leben hören wird, obwohl es sie gibt. Ich könnte durchdrehen, wenn ich darüber nachdenke.

Alex Huth - engagiert und familiär.
Alex Huth - engagiert und familiär.
Bild: Silvio Bürger
Du produzierst auch für SAT 1. Wie muss man sich das genau vorstellen? Was macht man als Produzent einer Sendung eigentlich wirklich?
Man hält sich eine Angel in den Kopf und hofft, dass ein Gedanke anbeißt. Mein Engagement für Sat1 war ein Fünfer im Lotto. Es war ein riesiges Privileg, in Leipzig mit fantastischen Leuten und Freunden weitgehend unabhängig eine Produktion realisieren zu können, die niemandem auf die Pelle rückt, keinen erhobenen Zeigefinger präsentiert und dabei noch die eigene Neugier befriedigt.


Wir haben in vier Jahren etwa 2500 kurze Filmchen beigesteuert, die allesamt unseren Hirnen entsprungen sind, haben tolle Menschen kennengelernt, waren an abgefahrenen Orten zu Gast und haben von ganz vielen Leuten unbürokratisch Hilfe bekommen. Dafür ein dickes fettes Dankeschön! Dabei experimentieren und Grenzen ausloten zu können, war eine unglaubliche Erfahrung.


Natürlich werden wir für unsere Arbeit niemals Grimme-Preis-nominiert werden, aber es macht durchaus stolz und glücklich, immer wieder einen neuen Dreh zu finden um einfache Dinge charmant und überraschend zu verpacken. Außerdem war es uns vergönnt, ein klein wenig für regionale Besonderheiten und Kleinode zu werben in einem Umfeld, das oft Banalitäten zu Wichtigkeiten aufbauscht.

Zurück zum Benefiz im Anker. Wie bist Du denn eigentlich dazu gekommen?
Am 30. April habe ich wieder das Festival "Leipzig. Courage zeigen“ moderiert. Dort sprach mich Benjamin Weinkauf an und erzählte von seinem Afghanistan-Benefiz. Abgesehen von der Idee fasziniert mich vor allem die Begeisterung und das Engagement aller Beteiligten. Benjamin schafft es, sein Anliegen derart charmant und überzeugend zu formulieren, dass man einfach in den Sog dieser positiven Energie gerät. Größten Respekt! Für alles!

Wenn Du nicht arbeitest, was machst Du eigentlich dann? Angeln, Spargelschälweltmeisterschaften in Zerbst verlieren oder was?
Gar nicht schlecht geraten! Tatsächlich kann ich nicht gerade behaupten, überambitioniert zu sein. Spazieren, lesen, Rad fahren, kochen, einen Schnack mit Freunden und in erster Linie Zeit mit meinen beiden Lieblingsmenschen zu verbringen, ziehe ich einer permanenten beruflichen Umtriebigkeit bei weitem vor. Zeit zu vertrödeln ist ein verdammter Luxus! Den gönne ich mir gerne mal.

Und familiär? Alles in Ordnung?
Ich habe die tollste Frau und die fantastischste Tochter der Welt! Diese leidenschaftlich subjektive Feststellung gönne und wünsche ich übrigens allen Männern und Vätern. Dazu kommt, dass mir von vier Eltern vorgelebt wird, wie man ein Leben lang mit einem Partner glücklich sein kann. Nachahmenswert in einer Upgrade-Gesellschaft!

Danke für das kurze aber sehr angenehme Interview und wir sehen uns im Anker!

Konzert für Afghanistan im Internet
www.konzert-fuer-afghanistan.de


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