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"Konkrete Projekte für die Leipziger Musikwirtschaft": Ulan-Bator-Veranstalter und DJ Framo im Interview

Daniel Thalheim
"Framo" gehört zur Leipziger Ulan-Bator-Crew.
"Framo" gehört zur Leipziger Ulan-Bator-Crew.
Bild: Privat
Er nennt sich "Framo". Er ist für die angesagten Jungle-Parties in Leipzig verantwortlich und gehört zu der DJ-Crew von den Leipziger Veranstaltern Ulan Bator. Um das Booking des Leipziger Clubs Distillery hat sich Plattenproduzent Framo auch gekümmert. Hinter "Ulan Bator" verbirgt sich auch ein Plattenlabel.

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Framo geht am kommenden Montag zur Diskussionsveranstaltung zum Thema Musikernetzwerke in Leipzig von "Kreatives Leipzig e.V." im Bandcommunity Bandhaus. Framo erzählt vorab der L-IZ, worum es ihm geht.

Warum Deine Teilnahme am Le Klub Analog und was wirst Du dir bei der Veranstaltung erhoffen?

Ich denke, es ist interessant einfach mal verschiedene Standpunkte zu hören. Konkret formulierte Ziele erwarte ich zunächst nicht. Die Musikszenen sind sehr unterschiedlich und die Kommunikation gerade zwischen den Genren findet kaum statt und dieses wird sich in Zukunft meiner Meinung nach auch nicht ändern. Dennoch gibt es gewisse Strukturen wie GEMA oder Verwaltungsauflagen, mit denen jeder Musiker, Label oder Vertrieb, ob Indie oder House gleichermaßen konfrontiert ist. Sich über diese Abhängigkeiten auszutauschen, kann meiner Meinung sehr fruchtbar sein. Zu sehen wie der andere arbeitet, welche Probleme er hat seine Musik zu promoten oder die unterschiedlichen Sichtweisen auf den Bezug zur GEMA schärfen ja zunächst mal das Bewusstsein für die eigene Arbeit.

Im Großen und Ganzen ist es ein Kennenlernen, dass so in dieser Form selten stattfindet. Aber im Rahmen des Kreatives Leipzig e.V. wird es ja weiterhin die Gruppe zur Musikwirtschaft geben und dort sind dann konkrete Projekte für die Zukunft geplant.

Von den Swimmingpool-Machern und von anderen Seiten der hiesigen Rockszene bekomme ich mit, dass Musiker in Leipzig recht gut vernetzt sind. Geht man etwas tiefer wie beim Umfeld von Deadpool Productions, Heavy Metal Nix im Scheddel und Markkleeberg Metalheadz, scheint das auch überregional zu funktionieren. Als jemand, der aus einer ganz anderen Ecke kommt, nämlich Elektro, und wie es auf eurer "Ulan Bator"-Seite steht, Drum'n'Bass, Jungle etc. - wie sieht es hier mit Netzwerken aus?

Es ist ein wenig die Art des Blickwinkels bzw. vielleicht die Frage: Welche konkreten Ergebnisse schafft das Netzwerken? Keine Frage: Ich persönlich bin ständig mit anderen Leuten in Kontakt, tausche mich über neue Musik aus und frage wie Veranstaltungen gelaufen sind und dieses sowohl lokal als auch international.

Wenn es aber um konkrete Zusammenarbeit geht, ist es oft schwierig. Das ist aber eher ein Problem, was in der Natur der Sache liegt. Die meisten Labels werden z.B. von nur einer oder wenigen Personen geführt, manchmal sind es zugleich Artists die dann noch am Wochenende irgendwo auf Tour sind oder andere, die es nur neben einen Fulltime-Job betreiben. Es wäre für die meisten, glaube ich, zunächst ein gewaltiger zeitlicher Aufwand mit jemand anderen eine Zusammenarbeit zu koordinieren. Dann lohnt es sich meistens auch nur, wenn man aus ähnlichen Musikstilen kommt und gleiche Strukturen wie z.B. Vertriebe nutzen kann. Wenn man also das Pro und Contra abwägt, macht es für die meisten erst einmal wenig Sinn irgendwelche Initiativen in diese Richtung anzustoßen.

Welche Rolle spielen Moon Harbour Recordings und andere Labels in Leipzig in der Vernetzungsarbeit von Musikern?

Es lässt sich sicherlich nicht auf bestimmte Labels festmachen. Diese wie beispielsweise Moon Harbour Recordings oder Jahtari, die über die Stadtgrenzen hinaus populär sind, haben ja meist auch tagtäglich viel Kommunikation und Arbeit zu bewältigen, so dass ihnen am allerwenigsten die Zeit bleibt, konkrete Vernetzungsarbeit zu leisten. Dennoch haben sie ihre Funktion, das was die Künstler, die dort releasen, kommt ja eher durch die Art der Musik zustande, die das Label veröffentlichen möchte und weniger das sie aktiv lokale Produzenten fördern.

Welchen Stellenwert hat elektronische Musik aus Leipzig bundesweit und international?

Das lässt sich nur schwer ausmachen. Natürlich gibt es immer gewisse Moden die einen bestimmten Sound einer Stadt zuordnen und ihn dann mit einen gewissen Hype versehen. Davon abgesehen gab es in den letzten zehn Jahren eine stetig positive Entwicklung. In den 90er Jahren gab es ja nur wenig bekannte Produzenten.

DJs wurden immer nach Leipzig gebucht, aber Leipziger DJs selten in die westlichen Bundesländer oder darüber hinaus. Das hat sich in den letzten 10 Jahren schon grundlegend geändert und gerade im 4 On The Floor Bereich sind Labels wie Frankman-, Kann- oder Moonharbour Records international sehr bekannt, genauso wie Jahtari für ihren Digital Reggae und etwas vergessen, aber in seinem Genre immer noch sehr erfolgreich die Labels und der Vertrieb von Steffen Kuschel, Soundbase Music. Dazu kommen eine Reihe von kleineren Labels wie Alphacut Records, die in ihren Musikstil nochmals ein kleines Tüpfelchen auf der Landkarte setzen, weil sie manchmal international erfolgreicher sind als national. Rein von der Dichte gesehen, dürften die meisten elektronischen Labels aus Mitteldeutschland in Leipzig sitzen.

Bei der vergangenen Veranstaltung "Turn it up" zum Thema Musikernetzwerke gab es Skepsis und Zweifel, dass Politik und Fördermittel etwas bewirken können, um Musiker miteinander zu vernetzen oder den Einstieg ins "Musikerleben" erleichtern können. Wie siehst Du das?

Bei Geld stimme ich zu, bei Politik nur bedingt. Geld spielt für die meisten Musiker nicht so die Rolle, wenn sie anfangen Musik zu machen. Was allerdings besser sein könnte, Strukturen, die akzeptieren, dass oftmals junge Leute beginnen Musik zu machen und dass es ein Entgegenkommen seitens der Politik und ihrer Vertreter der Behörden gibt, dass diesen Umstand akzeptiert.

Ein leidiges Thema diesbezüglich sind z. B., das neue Locations meistens sporadisch entstehen und wir glücklich sein können nicht nur sauber eingerichtete aber langweilige Discotheken zu unserem Nachtleben zählen zu können.

Meist mangelt es diesen Leuten zunächst an Geld und die behördliche Einstufung als Discothekenbetrieb ist teilweise auch verständlicherweise aufgrund der Gewährleistung der Sicherheit der Besucher mit hohen Auflagen verbunden. Dennoch denke ich, dass gerade hier wo der wirtschaftliche Zweck nicht zuvorderst auftritt, längere Übergangsfristen und vor allem ein machbarer, ausgehandelter Plan zweckdienlicher wäre als die oftmals erlebte Konfrontation.

Des Weiteren begegne ich als kleiner Akteur oft Situationen, wo wenn man nur Musik veranstalten oder herausbringen möchte, immer in informelles Fahrwasser gleitet, weil es wirtschaftlich durch Mieten, Auflagen, GEMA oder KSK gar nicht möglich ist etwas kostendeckend durchzuführen, weil die Belastungen kleiner Akteure durch die Institutionen verhältnismäßig groß sind und der wirtschaftliche Nutzen dieser Einrichtungen im Endeffekt den Big Playern mit Großveranstaltungen oder als Major zugute kommt.

Vielen Dank für das Interview.

Ulan Bator und Kreatives Leipzig e.V. Online
www.ulan-bator.de
www.kreatives-leipzig.de


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