Glissa im Des Geigers Rätsel: Ein familiäres Konzert
Daniel Thalheim
01.03.2011
Glissa live - singen, scherzen und ein Bad in der Menge.
Foto: Daniel Thalheim
Wer oder was ist Glissa? Das erklärt die Band bei ihrem rund siebzigminütigem Auftritt im Des Geigers Rätsel mit ihrer Musik. Die gut besuchte Kulturkneipe im Leipziger Osten freute sich über ein Popkonzert der ganz besonderen Art.
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Fast schon pünktlich strömen junge Leute um 20 Uhr in Des Geigers Rätsel. Vorbei radelnde Leipziger staunen, was hier los ist. Trauen sich aber nicht, ihrer Neugier nachzugeben. Hätten sie es doch getan. Auch wenn Glissa noch kein Album auf der Pfanne haben, spielen sie an diesem Abend genügend Songs, die massig Zeit auf einer Platte einnehmen könnten. Es sind derer 15 an der Zahl, inklusive eine von Keyboarder und Pianist gesungenes "A Wither Shade Of Pale" von Procol Harum.
Glissa - ein musikalisches Glissando, nicht nur im Schummerlicht.
Foto: Daniel Thalheim
Doch bevor es zu dieser beim Publikum aufseufzenden Schlussszene im schummerigen Licht in Des Geigers Rätsel kommt, erzählt Sänger Franz Belger, dass Glissa eigentlich ein Wort ist, dass aus dem "glissando" entlehnt ist. Das bedeutet so viel, dass dies ein Kniff ist, alle Töne abzugreifen, die es in der Musik gibt. Helge Nitzschke streicht mit seiner Hand über die schwarzen und weißen Tasten seines Keyboards, "Plllliiinnng!", Basser Ralf Nitzschke greift seinen bundlosen E-Bass und streicht mit der Hand über dessen Hals, "Wllluuummm!". Schlagzeuger Johannes Wünsch macht einfach nur "Bumm!". Lachen. Jetzt ist alles klar. Die Show kann los gehen.
Unter großem Applaus, Johlen und letzten Endes Zugaberufen, die manchmal wie ein verzerrtes "Flughafen!" klingen, scherzen, singen und spielen Glissa eine Show aus lauter Pop-Perlen. Frauen sind außer sich, als Franz seinen Handtuch-Turban abstreift und seine Lockenpracht frei schüttelt, sich seines Bademantels entledigt und sein anfangs bei dem Einsteiger "Rashmakushkadi" geschnalztes "allahu akbar" sein lässt und sich mit voller Seele in seine Lieder stürzt. Gemeinsam mit Helge gehts zur "Kehrtwende" unter dem Ansturm der fotografierenden Mädels und das Duett trällert. "Ohh", "Reise", "Gartenarbeit" heißen die bekanntesten Stücke, die jeder auf Glissas Homepage bestaunen darf. Die Leute kannten die Songs von der Homepage und haben daher richtig mit gerockt und natürlich laut gejubelt. "Reise" wird vor lauter Begeisterung sogar zweimal gespielt. "Tanz in Weiß": dieser Song kommt richtig gut an, eine kurze Verschnaufpause hatten die Gäste bei der Ballade "Das Herz".
Pop-Perlen aus Leipzig - Glissa.
Foto: Daniel Thalheim
Irgendwann hat auch der schönste Moment sein Ende erreicht, Franz eröffnet das baldige Abklingen der heutigen Show. Ein lautes, aus Mädchenkehlen geschmolltes "Nein!" macht den Jungs einen Strich durch die Rechnung. Sie lassen sich erweichen und verbeugen sich artig vor ihren Fans, die Glissa seit ihrer Gründung mehr oder weniger begleiten. Es folgen mehrere Zugaben, die natürlich mehr als gefeiert werden. Noch einmal verbeugen sich Glissa vor ihren Anhängern, die beim Heruntersteigen von der Bühne eine Gasse bilden und die Musiker beim Gang ins Backstage abklatschen, bejubeln. Keyboarder Helge genießt sichtlich das Bad in der Menge, gleich umringt von drei jungen Frauen, sein Lächeln nimmt nicht ab. Ob die Show an diesem Abend noch woanders weiter geht?
Erstaunen weiterhin im Publikum. Selbst altgediente Szenekenner konstatieren "Wow - selten so etwas erlebt!" Der Band steht großes bevor. Daran arbeiten die vier Jungs kontinuierlich. Ein Album ist in Planung, mehrere Shows stehen an und vielleicht - irgendwann - ein Auftritt in der Leipzig Arena, so der augenzwinkernde Wunsch von Glissa. Bis zum Weltuntergangsdatum am 21. Dezember 2012 wollen sie den internationalen Durchbruch geschafft haben, wenn auch nur als Untergangs-Kapelle bei dem sinkenden Schiff "Erde". Dann gibt es wieder ein "familiäres Konzert". Vorher aber sind Glissa am 26. März beim Leipziger Honky Tonk-Kneipenfestival im Kosmos Haus zu sehen.
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