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Der Große Preis 2011: Interview mit Moritz Mutter und Rick Barkawitz (2)

Daniel Thalheim
Donis macht einen Kniefall vor den Preis-Teilnehmern 2010.
Donis macht einen Kniefall vor den Preis-Teilnehmern 2010.
Foto: Daniel Thalheim
Der Große Preis 2011 kommt wieder - im Oktober. Die Anmeldefrist für die Bands läuft zum 31. Mai aus. Bewerben können sich alle Leipziger Kapellen, nicht nur sogenannte Newcomer. Als reiner Nachwuchswettbewerb versteht sich der "Große Preis" also nicht. Im zweiten Interview-Teil geht's um die schwierige Situation von Leipziger Bands und der Rolle des Preises in der Szenerie.

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Moritz, gibt es eine Band aus Leipzig, bei der Du dir wünschen würdest, dass sie sich bewerben?

Mutter: Die gibt es, aber ich würde ihren Namen ungern preisgeben. Als wir letztes Jahr nach dem Abend bei einem Bierchen draußen standen, hab ich gesagt: 'So, im nächsten Jahr müssen wir einen Schritt weiter gehen, dann müssen sich Bands bewerben wie ...'.

Mal davon abgesehen, dass ich mit der letztjährigen Auswahl sehr zufrieden war. Trotzdem hab ich nicht alle Bands gekannt, weil ich erst anderthalb Jahre hier in Leipzig bin. Ich kannte bis dato den "Großen Preis" nicht, wusste auch nicht, was es darum für Querelen gab und vorher abging. Das ist, glaube ich, auch nicht schlecht, wenn sich jemand unvoreingenommen der Sache nähert.

Rick Barkawitz mit dem Großen Preis 2010 für LiHanabi.
Rick Barkawitz mit dem Großen Preis 2010 für LiHanabi.
Foto: Daniel Thalheim
Du hast auch gesagt, dass Du über die Qualität der Musik in Leipzig positiv überrascht gewesen bist. Was hast Du denn vorher gehört?

Mutter: Vor 10 Jahren habe ich selber in einer drittklassige Punkrock-Band gespielt, das hat viel Spaß gemacht. Genau darum ging's auch. Ich finde in Leipzig gibt es viele unglaublich gute Bands aus allen Musikbereichen. In dieser Hinsicht braucht die Stadt den Vergleich –auch mit größeren Städten- nicht scheuen. Ich komme ursprünglich aus Saarbrücken.

Viele sagen ja auch, ooch, Leipziger Bands bringen es nicht... Hobby-Gruppen, unprofessionell, Wie seht ihr das?

Barkawitz: Leipzig will Musikstadt sein. Offenbar gilt für Leute, die Leipzig zur Musikstadt erklären, offenbar nur klassische Musik als "Musik". Nicht nur ich weiß, dass Leipzig keine Musikstadt ist. Zumindest nicht, was die breite Popmusik darstellen soll. Es gibt ein paar Bands, die über die Grenzen Leipzigs bekannt geworden sind.

Wenn man die Prinzen weg lässt, sind es Die Art, dann vielleicht noch Brockdorff Klanglabor. Im Metalbereich gibt es ein zwei Sachen, wie Disillusion, die in Amerika viel erfolgreicher sind wie hier, Myra sind gerade auf dem Sprung. Die könnten es schaffen. Allerdings fokussieren die sich auch gerade anders. Das ist schade, weil es wenige in Leipzig gibt, die es wirklich wollen, die ein enormes Risiko eingehen, alles hintenan zu stellen, um nur Musik zu machen.

In Leipzig muss man ganz viel riskieren, um seinen Traum von Berufsmusikerdasein zu erfüllen. Es gibt durchaus Städte, wo die Kulturförderung so aussieht, dass junge Bands viel mehr unterstützt werden.

Dass man für ein Bandhaus nicht ewig kämpfen muss, dass sich Idealisten zusammentun, um nicht einen ewigen Kampf gegen Windmühlen tun müssen. Man müsste sich wirklich eine Stadtverwaltung wünschen, die sich sagt, 'Mensch, denen geben wir mal Geld, um das zu tun, was sie tun müssen.'

Rick Barkawitz übergibt den Großen Preis 2010 an LiHanabi.
Rick Barkawitz übergibt den Großen Preis 2010 an LiHanabi.
Foto: Daniel Thalheim

Welche Rolle kann der Große Preis eigentlich spielen, außer dass die Bands Chancen bekommen wie Albumaufnahme, Tourneebuchung usw. - was kann der Große Preis noch bewirken?

Mutter: Das ist ganz schwierig, weil ich mit einem anderen darüber lange diskutiert hatte. Es geht um Möglichkeiten des Preises, aber auch im Allgemeinen um Grenzen von Bandwettbewerben, auch des Großen Preises, so wie er jetzt gestaltet ist. Es gibt die Möglichkeit, den Wettbewerb so aufzuziehen, dass man eine kleine Jury aus Leuten, die ein Gespür für Bands haben, nimmt und die ihren persönlichen Geschmack heraus halten und sagen können, das gefällt mir zwar nicht, aber die oder die Band könnten den großen Wurf landen. Das ist aber meiner Meinung nach zu nah an DSDS.

Oder man macht es schon kleiner und versucht es breiter zu machen. Es ist nicht so, dass der Gewinner des Großen Preises automatisch derjenige ist, der im nächsten Jahr auf dem Highfield und anderen großen Events spielt, was angepasst am musikalischen Stil der Band ist. Vielleicht kommen wir dahin, das wäre großartig.

Das ist schwierig umzusetzen, weil man als Veranstalter auch nicht drin steckt, welche Bands sich bewerben. Einen Einfluss auf die Bands zu haben, ist ein ganz geringer, aber so kann man die Bands auch ein wenig unterstützen. In erster Linie wollen wir die teilnehmenden Bands unterstützen, ihnen Auftrittsmöglichkeiten und eine Veranstaltung anbieten, die auch wahr genommen wird. Ein wenig ist der Große Preis ein Scout-Instrument, aber auch ein bunter Abend für das Publikum.

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Moritz, viele Bands, mit denen ich mich unterhielt, haben Probleme mit Auftritten außerhalb Leipzigs. Sie überhaupt zu bekommen... Sie kommen nicht in die Strukturen, bzw. Netzwerke, kennen meist andere Bands aus anderen Städten nicht. Das war auch ein großes Thema neben fehlenden Bandproberäumen in dieser Stadt bei "Turn it up!" im Werk II. Dabei ging es auch um Fördergelder für Musiker für Albumaufnahmen, Tour buchen, Starthilfe eben. Ist das richtig?

Mutter: Super! Gebt den Bands Geld! So muss das sein! Ich begrüße das. Auf der anderen Seite muss man natürlich sagen, dass wir als Veranstalter nicht die Möglichkeiten haben. Wir sind beim Großen Preis auf Unterstützer angewiesen, die uns die Preise spenden. Damit versuchen wir Preispakete zu schnüren, Sachen zu finden, die die Bands nach vorne bringen. auf der anderen Seite ist es nie so günstig gewesen, einigermaßen anständig klingende Alben aufzunehmen.

Ich weiß das noch als wir als damalige Band vor zwölf Jahren ein Minidisc-Aufnahmegerät gekauft hatten, um im Proberaum Aufnahmen zu machen. Mittlerweile kann das mein Computer. Ich bin mir nicht sicher, aber bestimmt gibt es irgendwo dazu Software.

Das Problem, dass man als Leipziger Band auswärtig schwer hat, in andere Läden reinzukommen, ist ganz gravierend - auch als Booker mit unglaublich viel Herzblut hat man unglaubliche Schwierigkeiten, Booker anderer Locations außerhalb einer bestimmten Stadt davon zu überzeugen, eine Band spielen zu lassen, wenn man nicht eine zweite Band am Start hat, die eine gewisse Bekanntheit erreicht hat. Wenn man die natürlich zusammen rausschicken kann, dann funktioniert das. Ich weiß nicht, woran das liegt, aber ich glaube, viele Booker wollen nicht viel riskieren. Dabei geht's um die Einnahmen.

Aber ich glaube auch, dass das Internet viel bewirken kann, gerade über die sozialen Netzwerke, ...und vielleicht auch der Große Preis.

Vielen Dank fürs Interview.


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