Besser anders in die zweite Runde: Villa Leipzig schiebt Theaterprojekt zur Leipziger Musikszene an und sucht Unterstützung
Daniel Thalheim
21.06.2011
Sabrina Bornmann (li.) und Doris Schneider (re.) erzählen wieder "Geschichte(n)" mit Ausstellung und Theater.
Foto: Daniel Thalheim
Erst im März 2011 flimmerte ein Streifen zum Leipziger Pop-Untergrund im Villakeller. Jetzt erscheint die DVD. "Besser anders" geht jedoch zudem mit Theater und Ausstellung in eine weitere Runde. Der Abschluss der Szenegeschichten ist noch nicht erreicht. Doris Schneider und Sabrina Bornmann erzählen, was auf die Leipzig zukommt.
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Geschichte(n) werden anders erzählt. Doris Schneider, die im vergangenen Jahr gemeinsam mit Sabrina Bornmann, Dirk Tschentscher-Trinks gen. Beck's und Sebastian Hirsch mit dem Filmclub der Medienwerkstatt Leipzig auch schon die Veranstaltungsreihe "Geschichte(n) aus dem Untergrund" den Leipzigern schmackhaft machte und in den dokumentarischen Streifen "Besser anders" mündete, kündigt nun die Fortsetzung an. Es kommen zum Film ein Theaterprojekt und eine Ausstellung hinzu - denn noch ist längst nicht alles über Leipzigs Musikszene zur Wendezeit erzählt.
"Ein Folgeprojekt ist es deshalb, weil wir mit dem umfangreichen Video- und Interviewmaterial von Leipziger Zeitzeugen, Szenegängern, Musikern und Künstlern weiter arbeiten wollen", so Schneider gegenüber der L-IZ. "Wir mussten beim Film so viele Abstriche machen, weil vieles nicht hinein passte."
Flyer zum Vorhaben im herbst.
Bild: Villa Leipzig / Presse
Die Fülle des gesammelten Materials erzwang fast das seit drei Wochen laufende weiterspinnen, wie man wohl die weiteren Geschichten erzählen kann. Ein weiterer Film, weitere Veranstaltungsabende, oder komplett etwas anderes? Schneider und Bornmann haben sich an der DDR-und Wende-Zeit aus Sicht der Leipziger Musiker fest gebissen - das ist gut so, weil dieser Blick stets für Leipzig vernachlässigt wurde.
"Wir wollen andere Protagonisten als im Film zu Wort kommen lassen." Wer das alles sein wird, ist noch unklar, denn zuerst müssen beide Damen das Material weiter sichten und auswerten. "Wir haben ja auch noch mit Donis und Schwarwel gesprochen, die Gruppe Lament und Joey Adler interviewt. Das war damals vor ihren Auftritten zum Bessere Zeiten Festival letzten Sommer", so Schneider. Sabrina Bornmann ergänzt: "Es geht einfach um wichtige Aussagen, die in 85 Minuten Film keinen Platz gefunden haben." Für Schneider ist dieses Folgeprojekt eine Gelegenheit neue Perspektiven in die Untergrundgeschichten zu bringen. "Wir nehmen nicht einfach das Material und schneiden ein bisschen rum, es soll eine neue Auseinandersetzung und Form geben."
Ein weiterer Film wird es also nicht, was im Herbst Leipziger Szenebegeisterte sehen können - die Sequenzen werden theatert. "Wir wählen die Kunstform des Theaters und eine Ausstellung der ganz anderen Art", verkündet Doris Schneider zum Projekt. "Das Ganze wird 'Geschichte(n) aus der Kiste' heißen", lässt Bornmann vorab etwas Licht in den Gedankenkasten. "Dreht sich schließlich alles tatsächlich um eine Kiste. Dieser Kasten wird begehbar sein, womit der Besucher interaktiv (Geschichte(n) erleben kann. Aber ich will nicht so viel verraten."
"Geschichte(n) erzählen" wollen die VILLA-Mitarbeiterinnen S. Bornmann und D. Schneider.
Foto: Daniel Thalheim
Beide haben viele Ideen, nun geht's im Sommer an die Umsetzung, auf dass im Herbst alles steht. Doch die jungen Projektleiterinnen sehen weit mehr in den Bezeugungen aus einer spannenden Zeit, als reine Szenegeschichte. "Wir wollen Lebenswelten vorstellen, wollen mit dem Filmmaterial arbeiten. Geschichte erleben steht im großen Fokus von uns. Das Gestern heute erleben und das ins Morgen tragen", Sabrina Bornmann will keine Bilder an die Wand hängen oder alte DDR-Lampen in die Ecken stellen, Geschichten sollen erfahrbar werden. Und "wir wollen damit sachsenweit auf Tour gehen."
Und: "Das Theaterstück wird 'Anarchy Datscha' heißen, die Proben laufen bereits sehr gut unter der Regie von Marek S. Bednarsky." Theater ist es neben der Box also, die auch für Staune-Augen sorgen soll. Besagte interaktive Box ist wie ein Reisekoffer voller Leipziger Überraschungen aus der Geschichte der hiesigen Musikerszene. "Erstmal wird das Ganze nur in Sachsen gezeigt. Wir haben auch Kontakte nach Thüringen. Zur Zeit findet eine extrem gute Vernetzung statt."
Zwar sind der im März vorgestellte Film, kommende Ausstellung sowie Theater thematisch miteinander verknüpft, doch jedes kann auch für sich allein stehen. "Wir planen Ende August Anfang September die Premiere. Das wird so aussehen, dass zwei bis drei Tage Ausstellung und Theater laufen werden. Am ersten Tag ist die Ausstellungseröffnung, am zweiten Tag die Theaterpremiere, am dritten Tag alles zusammen mit Filmvorführung. "Die Ausstellung wird immer kostenfrei sein. Wir werden vielleicht eine Spendenbox aufstellen."
Einhellige Meinung der beiden ist, dass der aktuelle seit März gezeigte Film "Besser anders" durchaus Kino- oder zumindest Arte-Niveau hat. Aber zumindest mit der naTo stehe man laut Schneider im engen Kontakt, wo der musikalische und mit Interviews angereicherte Streifen mehrfach gezeigt werden soll. Zuerst einmal in Leipzig, im September bis November geht dann endlich das Gesamtpaket auf Reisen. "Wir streben erst einmal drei Häuser an", so Bornmann. Die Crew will die Bälle flach halten, hofft aber auch, dass das Projekt weitere Kreise zieht. Doch bis jetzt sind die beiden Damen nur zu zweit. Das kann man nicht so bewältigen, weswegen Schneider und Bornmann einen Aufruf starten.
So suchen Bornmann und Schneider einen idealistischen und selbstständig arbeitenden Unterstützer, der wie sie mit Technik und Projektarbeit umzugehen weiß. Kooperationspartner suchen sie außerdem noch. Mit dem Zeitgenössischen Forum und der "Runden Ecke" sind sie schon im Gespräch. Aber auch finanzielle Hilfen oder besser noch Sachspenden wie in Technik sind jederzeit erwünscht. Projektende ist Dezember und für die Eröffnung ist eine Podiumsdiskussion mit den üblichen Verdächtigen geplant. Geplant ist auch ein Szene-Wiki auf der Untergrundgeschichten-Seite der Macher. Sinn hier, die Leipziger Szene miteinander zu verknüpfen. Zunächst einmal wird diese Seite komplett überarbeitet und mit neuen Inhalten gefüllt. Darauf können sich die Leipziger bereits in Kürze freuen.
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