Nippon mitten in Leipzig: Japanisches Haus im Chausseehaus eröffnet
Daniel Thalheim
24.07.2011
Fernöstliches Flair: Eröffnung des Japanischen Hauses nahe der City mit Ausstellung und einer Feier.
Foto: Daniel Thalheim
Japan mitten in Leipzig. Was ist das für ein Projekt mit dem "Japanischen Haus" in der Delitzscher Straße? Welches Ansinnen steckt dahinter und was können Leipziger genau von den Künstlern, Architekten und Designern der Gruppe "Japaner in Sachsen" erfahren? Seit gestern gibt es im Chausseehaus ein wenig Fernost und ein interessantes Anliegen mehr in Leipzig.
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Es ist voll am frühen Abend des 23. Juli in den hohen und geräumigen Ladenräumen der Delitzscher Straße 3 im Leipziger Zentrum. In dem geräumigen Eckhaus, wo im nahegelegenen brachliegenden Industriegebiet u.a. der Studentenklub TV Klub residiert, sind auch Künstler mit ihren Ateliers und freie Journalisten mit ihren Büros untergebracht, weiß Stephan Thomas vom HausHalten e.V. zu berichten. Vom Sinn und Zweck der ganzen Aktion während des diesjährigen Sommers kündet gleichzeitig die Internetseite der Macher.
Dort heißt es: "Nach der Naturkatastrophe in Nordjapan und der darauffolgenden Katastrophe am AKW Fukushima berichteten die Medien weltweit über die Situation in Japan. Wir, eine Gruppe von Japanern in Sachsen, möchten den Wiederaufbau mit diesem Projekt unterstützen und zugleich ein anderes Bild von Japan in Deutschland zeigen."
Ohtani, Gastforscher der Architektur an der TU Dresden sellt das Projekt den zahlreich versammelten Besuchern vor.
Foto: Daniel Thalheim
Die japanischen Projektleiter - davon einige angehende Architekten - haben im Laden ein japanisches Haus erreichtet, das nach vorne hin geöffnet ist und aus vier Räumen besteht. Auf ihrem Blog erklären sie, dass ihr Konzept ist, "vier Schaufenster im freien Platz zu bauen. Die Plattformen des Baugerüstes von diesen quadratischen Würfeln werden an den vier Fenstern gebaut und so erhöht, dass es ausgerichtet auf die Seite der Straße ist."
Das "Japanische Haus“ ist ein temporäres Kunstprojekt im Chausseehaus. Japanische Studenten wollen bis Ende September den Leipzigern die japanische Lebenskultur zeigen. Der Ladenraum im Wächterhaus an der Delitzscher Straße 3 ist extra dafür umgebaut worden. Helfende Hände waren die Wächterhaus-Macher sowie die Deutsch-Japanische Gesellschaft in Leipzig.
Doch nicht nur schauen, kennenlernen und austauschen soll möglich sein, schreiben die jungen Japaner auf ihrer Webseite. "Mit dem temporären Umbau sehen wir vor, alte und ungenutzte Möbel oder Gegenstände zu verwenden und diesen eine japanische Ästhetik zu verleihen. Die von Künstlern und Kunsthandwerkern hergestellte Objekte können gegen eine Spende an eine japanische Hilfsorganisation, der 'RQ Citizen disaster relief Network Japan' erworben werden."
Dass das Projekt letztendlich funktioniert hat, hat den HausHalten e.V. sehr gefreut, so Stephan Thomas in seiner kurzen Rede. Er sei sehr froh, dass durch das Engagement der hier in Sachsen studierenden Japanern und Architekten und vielen anderen Leuten ein Stück weit japanisches Flair in die Messestadt einzieht. So gibt es neben den vielen Japanern, die in Leipzig Restaurants und Sportstudios unterhalten, nun auch erste, größer angelegte Kunstprojekte. Und dies unter einer "Wiedernutzung" leerstehender Räume. Thomas: "Das Engagement zeigt, wie viel Potenzial in diesen Räumlichkeiten steckt, dass Leerstand auch etwas Positives sein kann."
Fast lieber noch wäre ihm, so das HausHalten-Vorstandsmitglied, es würde gleich über ein temporäres Projekt hinausgehen, derweil hofft Stephan Thomas aber auf den intensiven Erfahrungsaustausch, wenigstens in der kommenden Zeit. Der Präsident der Deutsch-Japanischen Gesellschaft Leipzig in Sachsen e.V. Thomas Schulze betont, dass der Verein das Projekt "Japanisches Haus" sehr gerne unterstützt, "denn die Architekturzusammenarbeit zwischen Japan und Deutschland hat weit über hundert Jahre Tradition", erklärt er den versammelten Gästen.
"Es ist hier tatsächlich das erste Mal in Leipzig, dass ein temporärer japanischer Raum gebaut wird. Wir hatten vor zehn bis fünfzehn Jahren schon einen japanischen Raum in Leipzig, der allerdings rein japanisch gebaut worden war und leider nicht mehr existiert. Deswegen freue ich mich umso mehr, dass wir einen neuen Raum haben", so der Präsident und HTWK-Professor.
Schulze bemerkt auch mit Augenzwinkern, dass die Raumhöhe des Japanischen Hauses im Chausseehaus japanischen Körpergrößen angeglichen ist. Im Blog zum Japanischen Haus, den der Architekturstudent Sagayama führt, geht es ebenfalls neben anderen Geschichten genau um dieses Thema: "Damit die Deutschen, die nicht daran gewöhnt sind auf den Fersen zu sitzen, auch gemütlich sitzen können, haben wir zwei von vier Plattformen so gebaut, dass man die Füße nach unten legen kann, sozusagen bauen wir zwei Kotatsus, was im Japanischen einen Tisch mit einem Loch darunter bedeutet." Beim Stehen und Gehen stößt man mit den Köpfchen auch nicht an die Papierdecke.
Vielleicht blicken die japanischen Studenten auf das in Sichtweite stehende 1978 bis 1981 von der japanischen Kajima Construction Corp. entworfene und gebaute WestIn Hotel, und denken schon an andere Projekte, die sie verwirklichen wollen. Ein Besuch ist bis Ende September während der Öffnungszeiten möglich.
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