Schwarze Presse: Szenefotograf Jens Witt im Interview
Daniel Thalheim
17.10.2011
Jens Witt, Inhaber und Szenefotograf der "schwarzenPRESSE".
Bild: Jens Witt (Privat)
Drei Jahre gibt es schon die "schwarzePRESSE" in Leipzig und Halle/Saale. Initiiert hat sie einst Jens Witt mit Mut zur Lückenfüllung. Denn etwas vergleichbares wie die hier versammelten Redakteuren und vor allem Fotografen gibt es nicht in Leipzig. Jens Witt erzählt, wie sich die "schwarzePRESSE" von herkömmlichen Eventfotograf-Portalen unterscheidet und was das Anliegen der "schwarzen Reporter" ist - es geht um ein Stück Medienvielfalt in Leipzig.
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Schwarze Presse - Was ist das genau?
Die schwarzePRESSE versteht sich als Plattform für alternative Eventfotografie oder besser gesagt, sie wurde als solche gegründet. 2008 habe ich meine erste Digital DSLR gekauft und begann Fotos von Partys im Sixtina-Forum online zu stellen. Es gab zur Zeit der Gründung für Leipzig kein richtiges Portal, welches direkt die alternative Partys und kleinen Konzerte berücksichtigte. Da ich damals 2008/09 immer Fotos für die Absintherie Sixtina gemacht hatte, wurde aus dem Sixtina-Bilderportal nach kurzer Zeit die schwarzePRESSE. Damals waren wir noch zu zweit mit Ralf K.
Wie viele Mitarbeiter machen jetzt mit?
Wir sind sieben feste Leute und einige die uns gelegentlich Fotos zur Verfügung stellen. Am längsten ist Ronny J. dabei, der unter seinem Pseudonym Lou Ziffer eher bekannt ist. Dazu kamen dann noch Susan J. und Falk K. Es zählen auch Fotografen und Redakteure zum Team, die auch bei anderen Medien tätig sind und auch ein Team in Halle von vier Leuten. Insgesamt wirken im Moment bis zu 19 Leute an der sP mit.
Schwarze Presse in Leipzig: Return To Peeze beim Rock n'Roll Overdose 2011.
Foto: Jens Witt / Schwarze Presse
Um was geht es der SP?
Mein Anliegen ist es, durch die Fotos und Rezensionen einen Einblick in die Veranstaltungen in und um Leipzig zu geben, die eher für die alternative Jugend von Interesse sind. Leider haben wir damit aber nicht von allen Seiten regen Zuspruch und werden schnell in eine Schublade mit den Partyfotografen von Port01 und anderen gesteckt.
Unser Motto ist nichtsdestotrotz: „Aus der Szene, für die Szene“. Jeder von uns hat seine eigenen Vorlieben für Musik und Kultur. So deckt der eine die Metalszene ab, der andere widmet sich den Gothic-Veranstaltungen und wieder ein anderer besucht lieber Punkkonzerte. In Zukunft werden wir auch Fotos und Berichte zu anderen Themenfeldern aufnehmen. Zum Beispiel wollen wir verschiedenen Künstlern eine Plattform bieten, sich zu präsentieren. Einige Interviews sind schon durchgeführt oder gerade in Bearbeitung und werden noch veröffentlicht.
Welche sind rückblickend die schönsten Erlebnisse mit der SP?
Oh, da gibt es wirklich viele. Zum einen ist es schön, wenn sich die Bands an uns erinnern und unsere Fotos auf ihren Webseiten und sogar auf CD-Covern verwenden. Es sind so auch für einige Fotografen im Team Freundschaften entstanden.
Momentaufnahmen mit Tiefe: Jens Witt geht mit der Kamera gerne auf Tuchfühlung.
Foto: Jens Witt / Schwarze Presse
Wohin geht die SP in Zukunft?
Nachdem wir unser eigentliches Ziel im letzten Jahr etwas aus den Augen verloren haben, werden wir uns jetzt wieder verstärkt auf Newcomer und die vielen kleinen Bands in Sachsen stürzen. Dank Anja, Nadja, Johnny und Bea stehen uns nun auch Redakteure im Team zur Seite, die vermehrt Interviews und Berichte zu kleinen Veranstaltungen und Bands liefern. Also es wird mehr und mehr zu lesen geben. Wir werden weiterhin eine Plattform für Musik und die anderen Interessen der Leser und sP-Mitstreiter sein.
Berichtet ihr nur in Leipzig und Region oder auch darüber hinaus?
Derzeit meist nur in Leipzig und Halle. Wir sind aber offen und würden unsere Aktivitäten gern ausweiten. Wir hatten mehrfach versucht in Berlin Fuß zu fassen, auch hatten sich von dort schon Leute gemeldet, die dort Veranstaltungen für uns besuchen wollten, doch leider ist daraus dann doch nichts geworden.
Was kannst Du zur Schwarzen Szene in Leipzig sagen?
Ich sehe mich und auch die sP weniger als schwarzes Portal, darum ist das eine etwas zu eingegrenzte Frage. Gut finde ich, dass die Szene an sich viel Raum für Individuelles lässt, was die Musik betrifft. Gerade zum WGT finden sich ja Freunde verschiedenster musikalischer Strömungen zusammen. Negativ finde ich, dass eine generelle Unlust sich breit macht und das Ganze etwas monoton wirkt. Es gibt hier in Leipzig wirklich tolle Veranstaltungen, die aber noch zu wenig beachtet werden. Dagegen finden sich immer mehr Partys wie 90er Party Zulauf, was persönlich nicht mein Fall ist. Auch Annäherungen an die Technoszene treffen nicht mein Geschmack, aber das ist jetzt nur ein persönliches Empfinden.
Auch wenn ihr nicht ausschließlich die schwarze Szene in Leipzig betrachtet: Welche Entwicklungen stellst Du in der Schwarzen Szene von Leipzig fest?
Es gibt viele regelmäßige Veranstaltungen für die schwarze Szene. Das Partyformat "Schwarze Leipzig tanzt" ist mittlerweile etwas mehr geworden, als nur eine Party es werden auch kurze Gigs Bekannter Künstler gebucht . Ich finde es nicht schlecht, was das Team vom SL da schafft. Ich wünsche denen auf jeden Fall viel Glück dabei und wir werden auch weiterhin dabei sein. Und ja, auch sonst gibt es wirklich viel für die schwarze Szene in Leipzig. Viele Informationen dazu bietet ja der SL-Kalender, in dem auch andere, nicht-schwarze Events berücksichtigt werden. In Halle gibt es die "Deaf Blind Dumb – The Resurrection Party".
Letzte Worte?
Ich würde das gleich mal nutzen, um mich bei allen die an der Entwicklung der schwarzePRESSE ihr Zutun haben, ein Dank auszusprechen. Das Portal würde es ohne Euch alle nicht geben. Damit meine ich nicht nur meine Fotografen und Redakteure, sondern auch die Veranstalter, Manager, Bands, Künstler und Sponsoren. Besonders die ADK-Medien stellt uns seit Jahren wertvolle Foto-Technik kostenfrei zur Verfügung. Das ist alles nicht selbstverständlich. Danke!
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