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Karrierestart mit Bach: Bacharchiv-Geschäftsführer Dettloff Schwerdtfeger gibt Einblicke in den Bachwettbewerb

Daniel Thalheim
Professor Gerald Fauth, Jolanta Kowalska und Dettloff Schwerdtfeger.
Professor Gerald Fauth, Jolanta Kowalska und Dettloff Schwerdtfeger.
Foto: Daniel Thalheim
Seit 1950 gibt es ihn schon in Leipzig. Musiker aus aller Welt zieht es alle zwei Jahre nach Leipzig, um den begehrten Preis des Bachwettbewerbs abzuholen. Im Juli 2012 findet der XVIII. Bach-Wettbewerb in Leipzig statt. Bacharchiv-Geschäftsführer Dr. Dettloff Schwerdtfeger gibt zusammen mit den beiden ehemaligen Bachpreisträgern Jolanta Kowalska und Professor Gerald Fauth kleine Einblicke in den Bachwettbewerb.

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Allein durch die internationale Ausschreibung ist es belegt: Der Internationale Johann-Sebastian-Bach-Wettbewerb zählt zu den renommiertesten Musikwettbewerben Deutschlands. Es gibt viele dieser Art, aber herausragend ist der Bachwettbewerb in Leipzig. So sehen es die Macher. Sie verweisen auf erfolgreiche Interpreten wie Martin Stadtfeld, Ragna Schirmer, Simone Kermes, Christoph Genz und Antje Weithaas. Sie und andere haben ihre Karriere als Preisträger des Bach-Wettbewerbs gestartet.

Neben dem im Zweijahresrhythmus ausgetragenen Bach-Wettbewerb organisiert das Bach-Archiv Leipzig in den Zwischenjahren einen Meisterkurs zur Aufführung der Werke Johann Sebastian Bachs, der die jungen Interpreten technisch und stilistisch auf die hohen Anforderungen des Bach-Wettbewerbs vorbereitet. Dr. Dettloff Schwerdtfeger spricht aus Anlass des aktuellen Meisterkurses mit Künstlern, die als Teilnehmer des Leipziger Bachwettbewerbs ihre Karriere gestartet haben, bzw. gerade starten.

Darunter befindet sich die Sopranistin Jolanta Kowalska, die Stipendiatin des Internationalen Johann-Sebastian-Bach-Wettbewerbs 2008 gewesen ist. Gefördert wurde dieses Stipendium von der Christa Bach-Marschall Stiftung. Die aus Krakau stammende Musikerin hat in ihrer Heimatstadt Gesang studiert und zahlreiche Preise gesammelt. Auf einigen Aufnahmen ist sie auch zu hören. Man merkt schnell, Bach und Barock liegen ihr im Blut. Bei Gerald Fauth, Professor für Klavier und Kammermusik an der Hochschule für Musik und Theater "Felix Mendelssohn Bartholdy" ist es nicht anders. Er war 1988 Bachpreisträger gewesen.

Bachpreisträger Professor Gerald Fauth und Wettbewerbsteilnehmerin 2008 Jolanta Kowalska.
Bachpreisträger Professor Gerald Fauth und Wettbewerbsteilnehmerin 2008 Jolanta Kowalska.
Foto: Daniel Thalheim

Aber eine Dritte ist im Bunde, ohne die die Stipendien heute so nicht möglich wären: Christa Bach-Marschall. Jene ältere Dame hat ein kleines Vermögen gestiftet, um aus jenen Erträgen besonders begabte junge Musiker aus den Staaten des ehemaligen Ostblocks im Rahmen des Bachfestes zu fördern. "Seit zwei, drei Jahren wirft das so viele Erträge ab, dass jedes Jahr Teilnehmer unterstützt werden können", erklärt Bacharchiv-Geschäftsführer Schwerdtfeger. Auch im Rahmen des gerade wieder gestarteten Meisterkurses kann so ein kleines Stipendium vergeben werden. Schwerdtfeger weiter: "In den Bachwettbewerbsjahren kürt die Jury aus den Teilnehmern, die nicht Preisträger werden, ein bis zwei Kandidaten, die im Nachgang besonders gefördert werden können."

Das kann Unterricht bei einem der Juroren oder wie bei Jolanta Kowalska eine Meisterkursteilnahme sein. Damit will man den begabten Musikern die Möglichkeit geben, beim nächsten Wettbewerb so fit zu sein, dass sie vielleicht in die erste Liga der Bachinterpreten vorstoßen. In drei Bereichen wird gesungen, geklimpert und gefiedelt. Orgel, Gesang und Violoncello stehen 2012 auf dem Plan. Auch die Jury steht schon fest. Johann Sebastian Bach, seine Söhne und Zeitgenossen stehen 2012 im Programm.

Dabei kommt es darauf an, sich zumindest in der Basis, im Grundgerüst an Bach zu halten. Stilsicherheit und Verinnerlichung der vorgetragenen Stücke werden erwartet. Bei kleinen Trillern und Verzierungen kann man interpretieren. Aber da ist man sich unter Experten einig: Bach hatte seine Kompositionen so ausgelegt, dass kaum zusätzliche Verzierungen möglich sind. Fauth erinnert sich, dass Bach alles aufzeichnete, was er von Musikern erwartete zu spielen. Er traute ihnen nicht.

Und in einem sind sich auch alle einig: Ohne Herzblut geht gar nichts. Wer nur zum Preiseinsammeln kommt, wird schnell auf die Nase fallen. "Bitte in Prozent!", sagt Schwerdtfeger lachend zu Professor Fauth.

Der Bachpreisträger von 1988 entgegnet: "Der emotionale Zugang zum Wettbewerb ist das Entscheidende. Aber wie kann man Emotionen abtrennen und das, was man an Erfahrungen gesammelt hat, einsetzen?" Große Erwartungen an das Gewinnen sollte man nicht haben. Damit setzt man sich Druck und Stress aus, der hinderlich ist.

Die Jury spielt auch eine Rolle, ob jemand gewinnt oder nicht. Der eine ist mal strenger, der andere nicht. Wenn aber jemand nur kommt, sich für den Größten hält, aber nicht gewinnt, gibt es emotionale "Engpässe" beim Wettbewerb. So mancher Teilnehmer kann nicht verstehen, dass er vielleicht doch nicht so stark ist. Es gibt auch Beispiele, wie Fauth ausführt, die Preisträger waren, dann ein Vierteljahr später ihr Niveau vom Wettbewerb nicht mehr halten konnten. Für den Musikprofessor aus Dresden war aber seine Teilnahme ein Türöffner für die Stellung, die er jetzt innerhalb der Leipziger Musikhochschule "Felix Mendelssohn Bartholdy" inne hat.

Auch für Jolanta Kowalska gibt es nicht den Gewinnen-um-jeden-Preis-Ehrgeiz, der trügerisch sein kann. "Wenn die Jury mag, was ich gespielt habe, freue ich mich. Ein guter Standard, eine gute Technik, viele Proben und ganz viel Herz können eine gute Basis sein, auch nach einem Wettbewerb", betont Kowalska erfahrungsgemäß und pflichtet Professor Fauth bei.

Spätestens wenn der XVIII. Internationale Johann-Sebastian-Bach-Wettbewerb vom 4. bis 14. Juli 2012 in den Fächern Orgel, Gesang und Violoncello/Barockvioloncello in Leipzig stattfindet, trennt sich wieder die Spreu vom Weizen.

Bacharchiv mit dem Bachwettbewerb samt Teilnahmebedingungen Online
www.bach-leipzig.de


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