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Wovon Leipziger träumen: Michael Mahne "Jeden Tag ein bisschen mehr"

Daniel Thalheim
Michael Mahne: ... jedwedes Elitedenken ist für ihn weit weg - er träumt von einem Leipzig, dass weiterhin von der SPD oder links davon regiert wird. Vor allem aber: "Dass sie offen bleibt für die Jugend.
Michael Mahne: ... jedwedes Elitedenken ist für ihn weit weg - er träumt von einem Leipzig, dass weiterhin von der SPD oder links davon regiert wird. Vor allem aber: "Dass sie offen bleibt für die Jugend.
Foto: Privat
Als Unternehmensberater kam er nach der Wende in die Messestadt. Über 20 Jahre danach ist nicht nur viel geschehen, auch er hat sich gewandelt. Michael Mahne betreibt die Alte Damenhandschuhfabrik im Leipziger Westen. Mit und in diesem Club erlebte er einiges in Großzschocher. Was hat den Mann nach Leipzig getrieben und vor allem hier verankern lassen? Kann er noch träumen?

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"Als 'europäisches Mischlingskind' und Kind der damals ersten Generation 'Gastarbeiter' in der BRD lässt mich da auf manches zurückblicken", resümiert Michael Mahne über sein Dasein in Leipzig und verteilt gleich einen Seitenhieb auf einen aktuellen Bericht über rassistische Formulierungen in sächsischen Ermittlungsakten.

Inzwischen änderte sich sein Blick auf Politik und Menschen. Dabei kann ihm schon ein wenig Hohn und Spott ob der heutigen Politikerriege über die Lippen springen. "Es regt mich auf, dass wir eine Bundesregierung haben, die keine Politik mehr macht, sondern sich nur noch von einem Machterhalt zum nächsten hangelt." Vor zwanzig Jahren strotzte Mahne noch vor Hoffnung und Zuversicht.

"Ich bin 1990 ohne Vorbehalte in die Ex-DDR gekommen, weil ich damals noch einer Unternehmensberatung angehörte. Geködert mit 7er BMW, Bosch, Handy und anderen tollen 'Was-bin-ich-Symbolen, dachte ich erst einmal: Der Osten ist ein Land für "Newcomer'. Ich hab frühzeitig versucht, für mich und meine kleine Familie - mein Sohn ist ein 'typisches' Ost-West-Produkt' - meinen Weg zu finden und meine Existenz aufzubauen. Fehler hab ich gemacht, weil ich damals zu sehr den Erfolg in der Arbeit und vielleicht weniger im Gefühl meiner Frau gesucht habe."

Einst als Unternehmensberater nach Leipzig gekommen - heute Clubbetreiber Michael Mahne
Einst als Unternehmensberater nach Leipzig gekommen - heute Clubbetreiber Michael Mahne
Foto: Privat
Heute ist Mahne in Leipzig angekommen, ein Teil der Stadt geworden. Nach Statussymbolen jagt er nicht mehr. Inzwischen versteht er, dass ein gutes Netzwerk auch trägt. "Inzwischen bin ich 20 Jahre in dieser Stadt. Angefangen als 'Nicht-Netzwerker' bin ich jetzt ziemlich gut vernetzt, habe die Stadt, deren Umfeld, die 'Szene' schätzen und lieben gelernt. Meine besten Freunde sind teilweise "alte Ossis'. Politische Diskussionen führen wir mit Respekt, aber mit klaren Sätzen."

Dabei kann sich Mahne nur noch wundern, dass es immer noch Leute gibt, die mit dem alten "Ost-West-Schubladendenken" herumlaufen. "Ich entschuldige das mit den damals bestehenden Grenzen in den Köpfen der Eltern. Oder manchmal auch mit Naivität ..."

Mit Träumen hörte Mahne also nicht auf, aber der Schuss Realität in der Schule des Lebens fiel über die Jahre kräftiger aus. "Träume werden geträumt - Leben sieht dagegen oftmals anders aus. Irgendwie muss man sich arrangieren. Die Grenze ist das eigene Rückgrat, das man sich nicht verbiegen lassen sollte, sonst bricht es", so seine eigene Erfahrung. Woran die Wirbelsäulen brechen könnten, weiß er nur zu genau. Die Stadt Leipzig würde sich auf Prestigeprojekte zurückziehen: City-Tunnel, Kindergärten, Vereine. Mahne weiter: "Ich sehe es als gefährlich an, wenn sich die Kommune immer weiter aus sozialen, kulturellen und wirtschaftlichen Problemen zurückzieht. Das schafft nur Nährboden für eine politsche Kaste, die das für sich zu nutzen weiß."

Deswegen ist für Mahne jedwedes Elitedenken weit weg - er träumt von einem Leipzig, dass weiterhin von der SPD oder links davon regiert wird. Vor allem aber: "Dass sie offen bleibt für die Jugend. Dass in der Verwaltung die alten Zöpfe abgeschnitten werden müssen. Dass zu viele selbstherrliche Beamte da immer noch ihr Unwesen treiben. Widerspruch aus den eigenen Reihen? Fehlanzeige!" In diesen Worten schwingt ein wenig Enttäuschung mit, was der berufliche Nachtmensch damit bekräftigt, indem er sagt: "Es wird nur gesichert, ohne echte Veränderungen einzugehen. Jeder ist sich selbst der Nächste - und jeder hat 'Recht'. Veränderungen kommen immer zu langsam. Doch nur der stete Tropfen höhlt den Stein."

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"Zumindest in Italien und in Griechenland sind alte Zöpfe ab. In Frankreich wohl auch bald. Naja ... und in diesem Land hoffentlich auch bald ... Jeden Tag ein bisschen mehr ...", sagt Michael Mahne und wendet sich wieder seinem Betrieb in Großzschocher zu. Die in Eigenregie aufgebaute "Alte Damenhandschuhfabrik" heißt der kulturelle Baustein, mit dem Mahne Leipzig zu bereichern versucht.


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