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Wovon Leipziger träumen: Kellercamper Ron Schöne "In angepassten Wohngebieten fehlt irgendwann derjenige, der die Stadt zu dem macht, was sie ist"

Daniel Thalheim
Ron Schöne
Ron Schöne
Foto: viNzi
Es ist die Bandlegende, die die Elektroformation Camping im Keller gerne von sich erzählt. Ron Schöne haust mit Zelt in einem Abbruchhaus. In dieser Zeit nimmt er die Platte seines Lebens auf und findet sich wenig später in einem Reihenhaus in Neu-Lindenau wieder. Ein Traum wurde schon wahr für ihn. Wovon träumt Ron Schöne noch?

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Gerne sitzt er an einem Freisitz an Leipzigs "Südmeile". Wenn er alleine ist, mailt er per Handy mit seinen Freunden. So auch mit der L-IZ. Der gebürtige Leipziger muss nicht lange nachdenken, wenn er sich an die Neunziger Jahre erinnert. "Gehalten hat mich hier in den späten Neunzigern nicht viel. Ich bin nach meiner Lehre erstmal als Animateur an die Nordsee und hab da vier Jahre meines Lebens verbracht. Die Zeit war ganz schön, aber eine Welt in der die Bürgersteige ab 18 Uhr hochgeklappt werden und man zumindest in der Wintersaison für einen Wein 30 Kilometer fahren musste, war eben nicht meine Welt." Sehnsucht nach L.E. trieb die Pleiße-Sprotte wieder zurück in sein vertrautes Umfeld. "Irgendwann saß ich nachts um 1 Uhr irgendwo in einem Freisitz auf der Karli und musste keine 500 Meter gehen."

Mit seiner Rückkehr nach Leipzig fing für den Arrangeur von Camping im Keller an, ein Traum in Erfüllung zu gehen. Doch zunächst war da etwas anderes. "Das Gefühl des 'Wiederzuhauseseins' war enorm. Da wusste ich, dass ich so schnell nicht wieder weggehe...", weiß Schöne jetzt.

Musiker Ron Schöne (Camping im Keller): "Leipzig und deren Stadtplaner sollten sich in allererster Linie Gedanken um die voranschreitende Gentrifizierung machen und da ihre Macht ausspielen."
Musiker Ron Schöne (Camping im Keller): "Leipzig und deren Stadtplaner sollten sich in allererster Linie Gedanken um die voranschreitende Gentrifizierung machen und da ihre Macht ausspielen."
Foto: viNzi

Auf die Frage, ob er seitdem sich einen Traum erfüllen konnte, entgegnete der Musiker: "Was wäre ich für ein Mensch und Musiker, wenn ich das behaupten könnte? Wer sagt, er hätte sich alle Träume erfüllt, hat sich aufgegeben und ist quasi schon tot. Aus verschiedenen Lebenslagen, Situationen und das Kennenlernen verschiedener Menschen entstehen Wünsche und Träume die Antrieb zum Existieren geben sollten. Leipzig ist für solche Einflüsse geradezu optimal, denn hier findet auf verhältnismäßig wenig Raum verdammt viel Leben statt. Und das macht die Stadt sehr liebenswert."

Es gibt auch weniger liebenswürdige Seiten in Leipzig, die Schöne sauer aufstoßen. Warum sich aber künstlich aufregen, so lange Leute noch auf die Straße gehen und für ihre Hoffnungen demonstrieren? Schöne: "Natürlich gibt es kritikwürdiges. Eine Menge sogar. Aber genau das macht auch ein Stück weit das Bild der Stadt aus. Kritik wird in Leipzig sehr oft mit Demonstrationslust ausgedrückt und das find ich gut. Mein persönlich größter Kritikpunkt an der Stadt liegt bei der Verteilung und Kürzung des Kulturetats und die ewig währende Diskussion darum. Ich habe schon für einige Vereine gearbeitet und habe festgestellt, dass diese permante Schließungs- und Kürzungsangt die Kreativität tötet. Die Stadt sollte besser auf seine Manager in der LVV, also KWL und Co. achten, dann wären ein paar Milliönchen übrig."

"Ich werde hier zu nichts gezwungen und muss auch keine Jutetasche und eine Nerdbrille tragen, um dazu zu gehören."
"Ich werde hier zu nichts gezwungen und muss auch keine Jutetasche und eine Nerdbrille tragen, um dazu zu gehören."
Foto: viNzi
1989 gingen tausende Menschen auf die Leipziger Straßen und rüttelten am damals herrschenden System. Friedlich, ohne Gewalt. Ob das heutzutage noch möglich ist, vermag selbst Schöne nicht zu beantworten. Eine Stadt allein kann nicht die Probleme eines Landes lösen, ahnt der Camping-im-Keller-Keyboarder. "Probleme werden dort gelöst, wo Menschen sind und Menschen sind überall. Allerdings könnten sich einige Städte ein bisschen was von unserer Streitkultur abgucken." Ein Beispiel könnte in diesem Fall das Tauziehen um den Kiez an der Windmühlenstraße sein.

Für Schöne steht das Problem sonnenklar vor Augen: "Leipzig und deren Stadtplaner sollten sich in allererster Linie Gedanken um die voranschreitende Gentrifizierung machen und da ihre Macht ausspielen. Wachstum, Modernisierung und die dadurch entstehende Verteuerung von Mieten sind vielleicht ein kurzfristige Lösungen, um die Gewerbeeinnahmen zu erhöhen und Geld in die Stadtkasse zu pumpen. Allerdings vergisst die Stadt, dass in den modernisierten und angepassten Wohngebieten irgendwann derjenige fehlt, der die Stadt zu dem macht, was sie ist. Beispiele dafür gibt es ausreichend in Deutschland. Leipzig ist dabei, die gleichen Fehler zu machen wie anderswo..."

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