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Agentur Kontraproduktiv feiert fünfjähriges Bestehen: Robert Linke schaut im Interview auf die Leipziger Kulturszene

Daniel Thalheim
Robert Linke beim "Courage Zeigen"-Festival 2011.
Robert Linke beim "Courage Zeigen"-Festival 2011.
Foto: Daniel Thalheim
2011 trat Robert Linke als "Courage Zeigen"-Mitveranstalter in Erscheinung. Er sorgte für frischen Wind beim Leipziger Konzert gegen Rechts. Als Veranstalter ist er in Leipzig schon länger tätig. Mit seiner "Agentur Kontraproduktiv" sorgte er im Klub "Absturz" auf dem Feinkostgelände für Konzerte und Partys. Fünf Jahre gibt es die Agentur. Zeit für eine Rück- und Vorschau. Robert Linke erzählt.

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Fünf Jahre Kontraproduktiv - Zeit der Rückschau?

Fürwahr, und es ist schon erstaunlich, wie viel in einer so verhältnismäßig kurzen Zeit alles passieren kann. Kontraproduktiv erblickte 2007 das Licht der Welt, gegründet als Ein-Person-Agentur mit latentem Hang zum Netzwerken. Jetzt, fünf Jahre später, blicke ich auf unzählige abgeschlossene Projekte und ein wundervolles, stetig wachsendes Netzwerk aus engagierten Kunst- und Kulturbegeisterten aus allen Bereichen des Veranstaltungsgewerbes. Ich spreche aus diesem Grund auch gerne in "Wir"-Form, da ich selten komplett allein an Projekten arbeite.

Wer sind die Leute, die dir halfen?

Ich habe von den Anfängen im Absturz bis heute viele Akteure der Leipziger Kulturszene kennengelernt, die ich aufgrund ihres Anspruchs an das eigene Handeln überaus schätze. Dazu zählen beispielweise Jan Stern, Veranstalter von BoundlessBeatz, Carlo Schmidt, DJ und Inhaber von Stage2Go, Sebastian Enkelmann, 54° und Mathias Rothe, Programmplanung Horns Erben.

Veranstalter und Promoter: Robert Linke.
Veranstalter und Promoter: Robert Linke.
Foto: Daniel Thalheim
Lange Zeit habt ihr im "Absturz" auf der Feinkost Veranstaltungen durchgeführt. Warum jetzt nicht mehr?

Einen Großteil meiner Zeit habe ich im "Absturz" verbracht, wo ich, verantwortlich für Programmplanung und Öffentlichkeitsarbeit, daran gearbeitet habe, den "Club" zu etablieren. Das ging 2007 quasi von Null los, da das Absturz damals eigentlich nur ein Computerladen mit gelegentlichen Geburtstagsfeiern und einer Hand voll Konzerte im Jahr war.

Wie ging's voran?

Das erste Jahr war echt hart und Veranstaltungen mit 20 Gästen schon ein Erfolg. Dann ging es aber merklich bergauf und spätestens seit Herbst 2009 war der Laden ein fester Bestandteil der Leipziger (Sub-)Kultur mit Konzerten, DJ-Veranstaltungen, Lesungen und Workshops. Rückblickend bin ich für die Erfahrung, einen Laden/Projekt aufbauen zu können echt dankbar.

Und jetzt?

2011 haben wir den "Absturz" verlassen. Zu meinem Abschied vom "Absturz" haben letztendlich aber ganz profane Meinungsverschiedenheiten zwischen mir und dem Inhaber geführt. Wir konnten uns nach den vielen Jahren einfach nicht mehr auf eine gemeinsame Linie im Bezug auf die aktuelle und zukünftige Arbeit einigen, da wir sehr unterschiedlich analysiert und bewertet haben. Zwischenmenschlich ist im Laufe der Zeit leider auch einiges eingerostet und war aus meiner Sicht nicht mehr zu ölen. Nach unserem Abschied vom Projekt haben noch viele andere dem "Absturz" den Rücken gekehrt. Teils zwar aus falsch verstandener Loyalität, aber zum überwiegenden Teil aufgrund negativer Erfahrungen.

Klingt nach einem tiefen Einschnitt in deiner Veranstalterkarriere.

Das war damals echt 'ne schwere Entscheidung für mich, da ich die inhaltliche Ausrichtung des Ladens schon als mein "Baby" betrachtet habe. Im Nachgang bin ich aber froh, mich so entschieden zu haben - man schläft besser ohne die "Feinkost". Außerdem habe ich seit März ein eigenes Baby, um das ich mich ausgiebigst kümmern möchte - ihr Name ist Clara Johanna.

L'Herbe Folle: Agentur Kontraproduktiv feiert fünfjähriges Bestehen im Horns Erben.
L'Herbe Folle: Agentur Kontraproduktiv feiert fünfjähriges Bestehen im Horns Erben.
Bild: www.herbefolle.com

Glückwunsch! Gab es Hoch und Tiefs, die besonders die Arbeit der Agentur prägten?

Die prägendste "Tiefe" war wohl der Hick Hack mit der Feinkostgenossenschaft. Da herrscht rückblickend immer noch Unverständnis meinerseits. Und die Problematik hat sich nicht nur auf dem Gelände abgespielt, sondern verfolgte einen auch ins Private - echt aufreibend. Im Nachhinein hat das Ganze, trotz der negativen Assoziationen, auch sehr viel Postives gebracht. Ich habe damals sehr viel rückenstärkendes Feedback zu meiner Arbeit bekommen und das erste Mal seit Agenturgründung realisieren können, dass "Kontraproduktiv" auch als eigenständiges Projekt oder Qualitätsmerkmal wahrgenommen wurde.

Und ich konnte aus diesen Prozessen auch viel zum Umgang mit Problemen lernen, was auch nochmal ganz schön persönlichkeitsprägend war. Man geht nach solchen Geschichten viel gelassener mit Herausforderungen und Problemen um und lässt sich nicht mehr so leicht ablenken. Höhen gab es jede Menge. Der schönste Augenblick ist immer nach den Konzerten, wenn man in die zufrieden strahlenden oder auch vom tanzen erschöpften Gesichter der Gäste schaut und weiß, dass sie für zwei Stunden den ganzen Alltag hinter sich lassen konnten und Zeit hatten, sie selbst zu sein.

Was waren deine persönlichen Highlights der vergangenen fünf Jahre?

An Konzerten gibts da echt 'ne Menge, Beispielsweise die Nächte mit den Les Haferflocken Swingers, Dirty Honkers oder Skazka Orchestra. Aber das Tolle ist, dass es nicht nur um die Anzahl der Gäste oder das verkaufte Bier geht. Es mag etwas pathetisch klingen, aber die Leipziger Subkultur oder der Teil dieser Szene, zu dem ich mich zugehörig fühle, zeichnet ein sehr starker kulturpolitischer Anspruch aus. Und da geht es eben nicht nur ums Besoffenwerden oder Abschleppen. Es geht darum, Refugien zu schaffen, in denen die Menschen zusammenkommen, auf gleicher Augenhöhe kommunizieren und zusammen tolle Sachen erleben. Und dass wir bei unserer täglichen Arbeit beweisen können, dass Transparenz, Offenheit und Fairness auch im Geschäftsleben funktionieren und sogar honoriert werden.

Welche kulturellen Ausblicke gibt es von euch 2012?

Was genau dieses Jahr noch alles passieren wird, hängt zum großen Teil mit meiner persönlichen Situation zusammen. Ich bin noch vier Monate in Elternzeit und "Kontraproduktiv" ist deshalb momentan auf Hobbystatus. Das Meiste der Zeit nimmt gerade die Koordinierung des 15. Courage-Konzerts ein, welches, zum Jubiläum auf dem Marktplatz geplant wird und vom Leipzig.Courage zeigen. e.V. veranstaltet wird. Wie es in drei Monaten weitergeht, hängt davon ab, ob ich die Agentur wieder als Vollzeitbeschäftigung aufziehe oder, was mir momentan lieber wäre, einen Job finde und mich erstmal auf den Hobbystatus festlege.

Unabhängig davon wird es aber weiterhin jeden zweiten Samstag im Monat im Horns Erben ein sympathisches Konzert samt Aftershow geben und die Planungen für ein eintägiges Open-Air Festival im Juli - in Kooperation mit Stage2Go und Boureni Music gehen weiter. Auch der Klub Slivovice - unsere Balkanbeat- und Russenrock-Veranstaltung - wird dieses Jahr noch einige Überraschungen bieten. 2012 wird es ein neues Album der Two Wooden Stones geben, auf das ich selbst sehr gespannt bin. Da gilt es dann auch, eine Tour zu organisieren.

Willst du noch ein kleines Geheimnis lüften?

Und dann gibt es da ja noch diese wunderbare neue Location im Leipziger Westen: Das Neue Schauspiel Leipzig. Ein Projekt, in welches sich "Kontraproduktiv" Hals über Kopf verliebt hat und das wir tatkräftig unterstützen werden. Dort startet, wie es der Zufall so will, am 28. Februar, meinem Geburtstag, eine ganz besondere neuen Veranstaltungsreihe. Leipzig bekommt mit "über brücken - die late show" eine wöchentliche und tagespolitisch aktuelle Late-Night-Show mit Livebands, Couchgästen und vielen Überraschungen – moderiert von Uwe Brückner.

Klingt interessant! "Kontraproduktiv" feiert doch auch, oder?

Am 25.Februar begehen wir im Horns Erben den "Kontraproduktiv"-Geburtstag. Mit L'Herbe Folle, einer wundervollen virtuosen Genresprengung aus Frankreich und unseren Klub Slivovice sowie mit den I-Swing DJs Ca.Lo und Boureni, die von Mr.Bigosh und Sebowski vom "Worldbeat" unterstützt werden, wollen wir es richtig krachen lassen.

Dann viel Spaß beim Feiern und viel Erfolg für eure Projekte in diesem Jahr.


Mehr zur Agentur Kontraproduktiv online:

www.kontraproduktiv.org


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