Schatzsuche im Alten Rathaus: TV-Sendung "Kunst & Krempel" zieht es nach Leipzig
Daniel Thalheim
12.01.2012
Prof. Dr. Eszter Fontana und Ronald Köhler im Alten Rathaus am 11. Januar.
Foto: Daniel Thalheim
Es ist die Sachsenpremiere der beliebten TV-Sendung des Bayrischen Fernsehens. Seit 1985 gibt es sie schon. Doch erst jetzt wagt sich "Kunst & Krempel" nach Sachsen. Leipzig wird im Februar Dreh- und Angelpunkt der Kunstexperten sein, die unter Kamera und Scheinwerferlicht Möbel, Gemälde, Grafiken, Musikinstrumente, Porzellan und Design begutachten. Dazu lud der Bayrische Rundfunk am 11. Januar zum Pressegespräch ins Alte Rathaus.
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"Es geht nicht nur um den materiellen Wert", sagte Prof. Dr. Eszter Fontana im Vorfeld der Veranstaltung Mitte Februar. Am liebsten sind ihr die Geschichten, die um die herangetragenen Gegenstände erzählt werden. Doch als Sachverständige versteht sie es auch, Musikinstrumente auf ihre Echtheit zu prüfen.
Die Direktorin des Museums für Musikinstrumente im Leipziger "Grassi" ist schon seit zwei Jahren im "Kunst & Krempel"-Team. Redaktionsleiter Ronald Köhler saß bei der eigens dafür anberaumten Presserunde am 11. Januar neben ihr in der Ratsstube des Alten Rathauses. Er sagte: "Ich bin noch immer erstaunt, was die Leute haben. Hui oder Pfui gibt es aber bei uns nicht."
Am 17., 18. und 19. Februar soll "Kunst & Krempel" im Ratssaal des Alten Rathauses aufgezeichnet werden. Von vormittags um 10 Uhr bis abends um 18 Uhr wollen an den drei Tagen Kunstexperten wie Prof. Fontana die Kunstgegenstände in sechs Staffeln begutachten. Sie ist für die Musikinstrumente zuständig.
Köhler erklärte aber, dass das Prozedere der Begutachtung nicht so abläuft, dass man einfach so vorbei kommen könne. Man müsse sich per E-Mail oder schriftlich anmelden. Am besten mit einem Foto des Schmuckstücks. Das Objekt der Begierde darf aus dem Familienschatz stammen oder käuflich erworben worden sein. Nur Trödelhändler hätten schlechte Karten, in die Sendung zu kommen, so der Redaktionsleiter.
Eszter Fontana begutachtet mit Dr. Martin Kares ein Musikinstrument.
Bild: Bayrischer Rundfunk / Foto Sessner
"Am besten, man bewirbt sich schon jetzt", bekräftigte Köhler im Pressegespräch. Schnell könne das Kontingent pro Genre erschöpft sein. Nur 60 bis 70 Objekte sind pro Themengebiet wie Porzellan, Kunst auf Papier, Design, Möbel, Musikinstrumente und Gemälde zugelassen. Wer mit seinem Kunstgegenstand nicht in die Sendung kommt, würde von Fachleuten im Nachgang ebenfalls betreut, betonte der Redaktionsleiter. Außerdem gäbe es noch ein TV-Format für Spezialfälle. Doch schon bei der Vor-Begutachtung in der Alten Börse nebenan könne man auf ein profundes Fachurteil hoffen. Das aber nur dann, wenn man nicht in die Sendung kommt.
"Was wir machen, ist eine spontane Erstbegutachtung", sagte Fontana. Oft sehen die Sachverständigen die Objekte zum ersten Mal höchstens eine Stunde vor der TV-Aufzeichnung. Aber erst unter Scheinwerferlicht und Kamerazoom erkennen auch die Experten Details, die zu ihren fachkundigen Urteilen führen können. Es kann auch sein, dass sich ein vermeintlicher Schatz in der Vorbegutachtung unter Scheinwerferlicht als Nachbildung und als nicht so wertvoll entpuppt. Trotzdem sei jede Begutachtung eine Herausforderung für die Fachleute. Fontana: "Unser Urteil kann nur eine Orientierung geben ..., denn niemand ist unfehlbar."
Gemälde-Experten: Prof. Dr. Hans Ottomeyer (li.) und Dr. Herbert Giese (re.)
Bild: Bayrischer Rundfunk / Foto Sessner
Die Direktorin des Leipziger Musikinstrumentenmuseums im Grassi führte auch aus, dass ihr eine vermeintliche Stradivari-Geige angetragen wurde, die sich als Nachbildung herausstellte. Oder die E-Gitarre aus den Sechziger Jahren, die sich als echter Schatz entpuppte. In der Weimarer Sendung 2009 war sogar ein wirklich wertvolles Flötchen dabei, das sie selbst überraschend fand.
Echte Schätze wie Ölgemälde könnten auch darunter sein und hinterher vielleicht sogar in einem Museum hängen. Aber Ronald Köhler bekräftigte auch, dass das DDR-Design groß im Kommen sei. "Hier ist das Interesse vorhanden." Man solle sich also nicht scheuen, mal im Keller und im Dachboden zu kramen oder Oma zu fragen, ob nicht doch noch ein paar Einzelstücke vorhanden sind.
Nicht nur Köhler hoffte darauf, dass die Leipziger ihre Schätze mitbringen. Auch Eszter Fontana schätzte ein, dass in Leipzig so mancher Schatz gehoben werden könne. Sie meinte: "Ich denke schon, dass in einer Stadt wie Leipzig mit seiner bürgerlichen Tradition interessante Möbelstücke gibt." Nur vom Vorbeibringen von Klavierflügeln und Pianos hält sie nicht viel. Der Aufwand lohne sich wegen der Transportkosten und Versicherungsleistungen nicht. Aber für Kommoden, Schränke, Tabernakel sei der Parkraum vorm Alten Rathaus für die Anlieferung gesichert. Hier hätte das Leipziger Ordnungsamt sein "okay" gegeben, weil doch sonst an der Stelle Halteverbot herrsche.
Porzellan-Experten: Dr. Samuel Wittwer (li.) und Gert K. Nagel (re.)
Bild: Bayrischer Rundfunk / Foto Sessner
Man solle aber nicht enttäuscht sein, wenn der materielle Wert eines Möbels oder Bildes nicht allzu hoch eingeschätzt wird. Fontana: "Manchmal rührt den Experten die Geschichte des Familienerbstücks zu Herzen und ist oft wichtiger als der Materialwert." Was speziell für die Museumsdirektorin aber bleibt, ist das aufregende Gefühl und die innere Spannung vor der Sendung.
Denn man weiß nie, was man dann vor sich habe. Währenddessen und danach sieht alles ganz anders aus. Der Bayrische Rundfunk wird aus den drei Dreh- und Kunsttagen 20 halbstündige Sendungen schneiden. Einen Bewerbungsschluss gäbe es laut Auskunft von Redaktionsleiter Köhler zwar nicht. Aber es ist ratsam, nicht allzu lange mit der Bewerbung zu warten. "Außer es kommt ein echter Knaller!", so Köhler zum Schluss.
Die Sendungen aus Leipzig werden ab drei Wochen nach ihrer Aufzeichnung im Fernsehen ausgestrahlt. Immer samstags von 19.45 - 20.15 Uhr im Bayrischen Fernsehen. Ein Quotenrenner ist "Kunst & Krempel" ebenfalls. Als "Kunst & Krempel" 2009 im thüringischen Weimar war, erreichten die nachfolgenden Ausstrahlungen Spitzenwerte bis zu eine Million Zuschauer. Da habe sich der kunstkundige Blick über den Weißwurstäquator aus der Sicht des Bayrischen Rundfunks richtig gelohnt. Dasselbe erhofft man sich auch für Leipzig.
Die Bewerbungen erfolgen an die Redaktionsadresse "Bayrischer Rundfunk", "Kunst & Krempel", D-81011 München und unter kunstundkrempel@br-online.de.
Weitere Informationen zum Ablauf und Inhalt der Sendung erhalten Interessierte auch im Internet:
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