Schwarzes Pfingsten: Wave Gotik Treffen mit 209 Künstlern und einem Strickkurs
Daniel Thalheim
24.05.2012
Schwarze Szene unter sich: Das 21. Wave Gotik Treffen findet vom 25. bis 27. Mai 2012 in ganz Leipzig statt.
Foto: Daniel Thalheim
Was macht ein Schwarzromantiker wenn er nicht zu den unzähligen Konzerten und Parties gehen möchte, die am Pfingstwochenende Leipzig in dezentes Schwarz tauchen? Er kehrt in sich und strickt.
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"Irgendwie bin ich dieses Jahr etwas enttäuscht...", schrieb ein Foren-Benutzer in das Wave-Gotik-Treffen Forum am 16. Mai. Das Foren-Thema heißt "Wer sollte 2012 spielen". Bei der dort in jedem Jahr stattfindenden Diskussion hält sich 2012 die Begeisterung spürbar in Grenzen. Die Künstlerauswahl ist 2012 eben nicht ganz so exklusiv wie noch ein Jahr zuvor als das Wave Gotik Treffen sein 20-jähriges Jubiläum feierte.
2011 traten insgesamt über 281 Künstler auf, darunter Das-Ich-Gründer Bruno Kramm und Freunde, weil Sänger Stefan Ackermann schwer erkrankte. Mit Estampie und Faun hatte das Treffen Exklusivgäste in Sachen Mittelaltermusik dabei. The Cure-Keyboarder Roger O'Donnell vergnügte sich an der Parkbühne mit seiner weiblichen Security und freute sich auf eine echte "Irish Party". Der deutsche Szene-Tipp Girls Under Glass trat auf, ebenso die schwedischen Trauerrocker von Katatonia und die extra fürs Jubiläumstreffen wiedervereinigten Herren von Love Like Blood. Oder Ex-Depeche-Mode-Tastendrücker Alan Wilder mit seinem Projekt Recoil.
1. Schwarzes Stricktreffen mit dem Hilfsverein Nächstenliebe e.V.
Bild: www.naechstenliebe.net
Dagegen kann 2012 im schwarzen Schiff fast nur Flaute herrschen, das Jubiläum ist vorbei. Entweder kann sich der Schwarzromantiker von Heute für eine der vielen kleineren Szene-Bands begeistern oder schaut sich wieder die Künstler an, die alle paar Jahre beim WGT auftreten.
Haujobb ist so eine Partie, oder der stets geliebte Rummelsnuff, oder Diary Of Dreams - eine Band, die für Leipzig anscheinend schon einen Daueraufenthalt gebucht hat. Trat die Hamburger Dark-Wave-Band innerhalb der vergangenen vier Jahre gefühlte achtmal in der Messestadt auf. Wer das alles langweilig findet, kann nur in sich kehren und zum Strickkurs gehen.
Denn den gibt es wirklich. Der Leipziger Verein "Nächstenliebe e.V." veranstaltet bei freiem Eintritt in der Gerberstraße zwei besondere Nachmittage: "Stricken für Schwarzromantiker".
"Unser Strickkreis trifft sich mit Schwarzromantikern zum gemeinsamen Stricknachmittag. Bei Kaffee und Gebäck werden Erfahrungen ausgetauscht, wobei es sicher nicht nur ums Stricken geht. Wir freuen uns auf viele strickbegeisterte Schwarzromantiker oder solche, die es werden wollen", heißt es vom Verein, dessen Begegnungszentrum in der Gerberstraße 20 am 25. und 26. Mai von 16 bis 18 Uhr auf seine Gäste wartet. Die Ergebnisse kommen bedürftigen Kindern zugute.
Bis es mit der Strickstunde soweit ist, wird sich der Gote wohl oder übel mit den üblichen Formalia herum schlagen müssen. Anreise, Schlangestehen an der Bändchenausgabe, eventuell noch umkleiden und sich entscheiden ob man das Festival mit oder ohne Obsorge-Karte besucht. Zelt auf dem Agra-Gelände aufbauen wer keine Unterkunft in Leipzig finden konnte oder wollte. Dann den Festivalplan studieren.
Am Freitag den 25. Mai geht es in der Peterskirche in der Schletterstraße mit dem MDR Rundfunkchor los. "Nachtgesang" mit einem Requiem von Johannes Ockeghem. Das nennt man standesgemäß, wer nicht schon die Vor-Eröffnungsparty vom "Schwarzen Leipzig" in der Moritzbastei am Donnerstagabend besuchte.
Für die Festivalbesucher steht es frei kostenlos die städtischen Museen aufzusuchen und die öffentlichen Verkehrsmittel zu nutzen. Die städtischen Theater stehen den Gästen ebenfalls offen, wenn sie das Festivalbändchen tragen. Oder eben die unzähligen Parties am Pfingstwochenende. Vielleicht nörgeln hinterher nicht mehr ganz so viele wie derzeit im WGT-Forum über den Auftritt von Peter Heppner als Mitternachtsspezial. Der Wolfsheim-Sänger wandelt für viele dann doch zu sehr auf Mainstream-Pfaden.
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