Wave Gotik Treffen XX: Plöttner Verlag zelebriert 20 Jahre WGT im Darkflower
Daniel Thalheim
13.06.2011
Alexander Nym liest aus "Schillernden Dunkel" und "Black Celebration" im Darkflower.
Bild: Ploettner Verlag
Es ist unauffällig und klein. "Black Celebration - 20 Jahre des Wave Gotik Treffen" erschien pünktlich zum Jubiläums-WGT. Darin erzählen verschiedene Autoren, Augenzeugen und Fans wie alles anfing, welche Erinnerungen sie an das Treffen knüpfen. Alexander Nym hat illustre Gäste wie Andreas Plöger, Hauke von Grimm und Stefan Lederer eingeladen.
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Ja, auch Hauke von Grimm verknüpft Erinnerungen an das schwarze Pfingstreffen in Leipzig. Der Literat hat ganze acht Seiten für "Black Celebration" verfasst, die er im dunklen Dark Flower vorstellt. Von Grimm erzählt, dass er am Eingang zum Dark Flower fast nicht eingelassen wurde, sieht er auch nicht wie ein Grufti aus. Über etwas anderes hätten sich die Gäste auch arg gewundert.
Hauke von Grimm liest seine Textpassage vor, teilt mit, dass das WGT schon seit seiner frühen oder späten Kindheit Bestandteil seines Lebens ist, auch wenn er sich die Riten und Musik und das ganze Drumherum durch Unmengen an Fanzines, CDs und Freundinnen selbst erschließen musste.
Gut gefüllt: Lesungen locken Gruftis auch 2011 ins Dark Flower.
Bild: Ploettner Verlag
Hauke von Grimm betont, zu seiner Entdeckungszeit war es gemütlicher, Vollmond, Rotwein, Lesen und Gespräche. Heute ist es bunt, schrill, laut. Damals folgte Grimm noch den Konzerten und den Veranstaltungen rund ums WGT, heute folgen die Schwarzkittel ihm auf seine Lesungen. Schwarz ist er schon lange nicht mehr, so vom Musikgeschmack her, aber er fühlt sich offensichtlich noch wohl inmitten des verrückten Treibens am Pfingstwochenende.
Alexander Nym hat auch ein paar Storys parat, verschränkt erst einmal innerlich die Arme und beschreibt ein lyrisches Gedicht, das wohl um 1990/91 von einer Freundin in Nürnberg geschrieben wurde. Applaus. Nym liest aus dem Buch auch seine eigene Geschichte vor, als er noch Lacrimosa mit anderen Leuten 1993 auslachte, ein wenig über die Stränge schlug und von Neonazis verfolgt wurde.
Er liest: "Verrückt, wenn man sich die seitdem zunehmenden Vorwürfe von wegen Rechtsextremismus in der Szene reintut. Und im höchsten Maße absurd. Wir standen fast alle auf Death in June, Sol Invictus und so weiter, und waren erklärt antifaschistische Heiden, mit Runenschmuck und zum Teil dubiosen, spirituellen Blickwinkeln, aber einig in der Ablehnung autoritärer Systeme und Ideologien."
Nym beschreibt die Veränderung des WGT hin zum Mainstream. Damals noch eine Horde Einzelgänger, Freaks und Individualisten, heute eine Massenveranstaltung mit verwischten Grenzen zu anderen Szenekulturen wie Pop, Schlager, Techno und Metal. Neo-Folk- und Industrial-Fan Stefan Lederer sieht das ähnlich in seiner Lesung aus seinem im "Schillernden Dunkel" erschienenen Text, den Lederer auch an dem Nachmittag vorliest. Andreas Plöger, ehemaliger Schreiber bei dem Szenemagazin Legacy, erzählt, wie das Treffen auf ihn wirkte als er noch erste Berührungen mit dem Treffen aufnahm.
Den zahlreich versammelten Gästen hat die Lesung offensichtlich gefallen. Inzwischen sind von der 300 Stück starken WGT-Ausgabe die Hälfte in die Hände von Lesern gelangt, auch heute kaufen viele dieses kleine broschierte Buch. Nachdem die Lesefraktion abgerückt ist, entern Haujobb-Fans das Dark Flower. Hopsen, jubeln und feiern ist beim Abspielen des neuen Haujobb-Albums angesagt, Haujobb - eine Band, die seit fast 20 Jahren existiert und nach langer Pause sich wieder zurückmeldet. Premiere auch ihr aktuelles Musikvideo, ihr erstes in ihrer Geschichte überhaupt. Irgendwie auch ein Jubiläum, mögen manche gedacht haben.
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