Krimi-Autorin Beate Baum im L-IZ-Interview: Organische Schreibprozesse, Wahrheit und rote Fäden
Daniel Thalheim
07.09.2011
Krimiautorin Beate Baum stellt ihre Krimireihe in Leipzig vor.
Bild: fhl Verlag / Beate Baum
Vom Ruhrpott ins Sachsenländle. Dass es im Elbflorenz nicht immer idyllisch und beschaulich zugeht, hat Krimi-Autorin in ihrer Reihe Kirsten Bertram-Reihe ausgiebig erzählt. Im folgenden Interview erzählt sie über Inspirationen, Wahrheiten und auch über ihre Lesung am 17. September im Café Hannes.
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Frau Baum, welches Buch lesen Sie gerade?
Ich lese gerade den historischen Leipzig-Krimi "Katzmann und die Dämonen des Krieges" von meinem Kollegen Uwe Schimunek, der mir recht gut gefällt. Die Antwort hört sich jetzt an wie bestellt, ist aber Realität.
Sie schreiben Krimiliteratur: Was macht Krimis eigentlich so spannend?
Ich denke, an Krimis kann man gut vieles andere aufhängen. Zeitgeschichte, gesellschaftliche Zusammenhänge, Liebe und Freundschaft, menschliche Befindlichkeiten. Und dabei gibt es eben immer den Roten Faden des Kriminalfalls, der durch die Geschichte führt und sie vorantreibt.
In den Jahren über Dresdner Lokaljournalismus, Alltag, Verbrechen: Man könnte versucht sein zu fragen - Was ist Dichtung und was ist Wahrheit?
Wahrheit sind definitiv die Probleme, die es hier in Dresden gibt - allem voran der stadtplanerische Wahnsinn von Straßenausbau, Brückenbau, etc, der eine dermaßen antiquierte Vorrangstellung des motorisierten Individualverkehrs fordert, dass man nicht weiß, ob man heulen oder lachen soll. Dichtung sind z.B. halbkriminelle Maßnahmen dagegen.
Seit zehn Jahren Verbrechen in der sächsischen Landeshauptstadt literarisch auf der Spur - Beate Baum.
Bild: fhl Verlag
In ihren Geschichten gibt es keine groß aufgeplusterten Verbrechen: Was macht ein Alltagsverbrechen so spannend zu erzählen?
Alltagsverbrechen ist ein schönes Wort! Für mich ist es die Tatsache, dass sich jeder leicht vorstellen kann, wie es dazu kommt. Jede(r) hat schließlich schon einmal in einem Streit, einer Eifersuchtsszene, einer ganz blöden Auseinandersetzung kurz davor gestanden, durchzudrehen. Und so fällt es sehr viel leichter, sich - auch als Autorin - in solch einen Täter hineinzuversetzen und es plausibel zu erzählen. Wobei ja - wie im richtigen Leben - die größeren Verbrechen häufig rings umher stattfinden, die aber eben nicht justiziabel sind.
Wäre nicht der Dresdner Daten- und Abhörskandal eine schöne Vorlage für eine weitere Krimigeschichte?
Eigentlich ja. Alles rings um die Kriminalisierung der Gegendemonstranten am 13. / 19. Februar wäre definitiv einen Krimi wert - bzw. es ist einer. Aber meine Reihe ist - zumindest vorerst, man soll ja nie "nie" sagen - abgeschlossen.
Genau solche Anlässe, dann muss mir aber eine spezielle Situation meiner Figuren einfallen, aus der heraus ich schreiben kann. Der Schreibprozess ist bei mir ein sehr organischer. Ich brauche - über meine Figuren - einen persönlichen Angang an ein Thema, und dann wächst die Geschichte, wenn es gut läuft, aus sich selbst heraus.
Natürlich werden Sie ihre Bücher am 17. September nicht komplett lesen: Was können die Zuhörer an diesem Abend von Ihnen erwarten?
Keine Angst! Ich werde in zwei Teilen mit einer dazwischenliegenden Pause etwa eine Stunde Programm gestalten, mit kurzen Passagen aus den sechs Büchern, in denen es vorrangig um die Entwicklung der Figuren geht, so dass man deren Geschichte mitverfolgen kann. Die Kriminalfälle werde ich eher am Rande erwähnen. Und dann hoffe ich natürlich auf interessierte Fragen aus dem Publikum, so dass sich noch eine lebhafte Diskussion entwickelt...
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