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Der durstige Pegasus: Lyrik, Fantasy und Krimi füllen das Schwalbennest

Daniel Thalheim
V.l.n.r.: Hagen Höpfner, Elia van Scirouvsky, Uwe Schimunek, André Ziegenmeyer.
V.l.n.r.: Hagen Höpfner, Elia van Scirouvsky, Uwe Schimunek, André Ziegenmeyer.
Bild: Daniel Thalheim
Montag war es voll in der Moritzbastei. Fast schon Wochenendstimmung in der Kneipe Barbakane und im Schwalbennest. Ein Grund für die Fülle ist schnell gefunden. Schriftsteller Elia van Scirouvsky lädt zur ältesten durchgehend bestehenden Lesereihe Europas - Der durstige Pegasus. Die L-IZ war im lockeren Gespräch mit den vier Herren Scirouvsky, Schimunek, Ziegenmeyer und Höpfner.

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Seit 1974 gibt es die Reihe schon. Am längsten hat Szenelitertat Volly Tanner den "Pegasus" moderiert - ganze zehn Jahre lang. Nun teilen sich Norbert Marohn mit Elia van Scirouvsky im monatlichen Wechsel das Mikrofon. Scirouvsky hat zur gestrigen Ausgabe drei interessante Herren eingeladen. Einer hat als Journalist für verschiedene Zeitungen geschrieben, mag aber dann doch lieber Krimis verfassen: Uwe Schimunek. Der andere ist Juniorprofessor in Weimar und hört auf den Namen Dr. Hagen Höpfner. Der dritte im Bunde ist aus dem niedersächsischen Peine angereist und heißt André Ziegenmeyer.

Moderator Elia van Scirouvsky.
Moderator Elia van Scirouvsky.
Bild: Daniel Thalheim
"Dass Leute, die Kumpels sind und Bier trinken, keine Literaten sind, halte ich für ein Gerücht", entgegnete vor Lesungsbeginn auf dem Schwalbennesthof Uwe Schimunek lachend auf die Feststellung, dass der Pegasus eher ein lockerer Treff von Freunden ist und weniger eine Literatenansammlung, bei der es stocksteif daher geht. Witzige Bemerkungen machen die Runde über den berühmten "Stock im Allerwertesten", bevor die Runde "ernster" wird. Auf die Frage, was am Abend des 10. Oktober auf dem Programm steht, hüpft bei Ziegenmeyer schnell das Wort "Unfug" von der Zunge. "Krimi, Lyrik, Fantasy", fügt van Scirouvsky hinzu. "Und meine Wenigkeit vermittelt nur die Kunst", ergänzt er lachend. Höpfner frotzelt: "Er ist derjenige, der hinten abschließt, dass keiner mehr herauskommt." Van Scirouvsky witzelt mit: "Ich führe eine Strichliste, ob auch alle im Publikum da sind."

Wie alle vier nun an diesem milden und windigen Abend zusammen gekommen sind, erklärt der Pegasus-Moderator mit "offensichtlichen Verbindungen", die sich meist über die Frauen ergeben haben. Da spielen gute Freundinnen eine vermittelnde Rolle. Aber zu Schimunek und Ziegenmeyer ergänzt der Moderator, der vom Stadtanzeiger "Frizz" vor einem halben Jahr auf 30 Jahre alt geschätzt wurde: "Wir kennen uns von der Leipziger Literaturszene. André war aber schon mehrfach hier in Leipzig." Ist er doch u.a. auch mal gern gesehener Gast in der Helheimkneipe gewesen. Soeben kündigte Ziegenmeyer Unfug an. Wie soll das aussehen?

Bier und Buch - Muss beim "Durstigen Pegasus".
Bier und Buch - Muss beim "Durstigen Pegasus".
Bild: Daniel Thalheim
"Ich gehe multimedial vor", erklärt der norddeutsche Hörspielerzähler und Literat. Ziegenmeyer trägt seine Kunst in Form von Live-Hörspielen vor. "Mein neues Buch 'Sex, Drugs und Feenstaub' habe ich vor einigen Wochen herausgebracht, wovon ich einige Auszüge lesen werde." Schimunek: "Bei mir gibt es einen Toten, und welche, die den Grund für seinen Tod ermitteln." Schimunek deutet nur den Grund seines Erscheinens an. Später erfährt man mehr. Seine Kurzgeschichte im Ketten-Krimi "Tod im Hainich" steht auf dem Plan, bei dem van Scirouvsky Wikipedia zitierend und schmunzelnd anfügt, dass dieser Hainich "ein bewaldeter Höhenrücken im Nordwesten Thüringens" ist. Gleich entbrennt ein kurzes Gespräch über die Vorzüge Thüringens zwischen Höpfner und Schimunek. - Weimar! Ach so! Du auch?

Wobei letzterer der Mühlhäuser Kirmes nicht viel abgewinnen kann - da spielt seine Geschichte. Die wollte er zunächst gar nicht schreiben, so Schimunek später bei der Lesung. Aber als Initiator Michael Fiegle anbot, das Werk gemeinsam zu schreiben, sagte Schimunek spontan "Ja". Aber ein zweites Mal über den Hainich schreiben möchte er nicht. Stattdessen bereitet der Leipziger Krimi-Autor den Nachfolger seines aktuellsten Stoffs über den Ermittler Katzmann vor. Dieses Werk wird pünktlich zur Leipziger Buchmesse 2012 erscheinen. Und es wird eine Art Kettenroman sein, den er natürlich allein verfasst hat. Man darf also gespannt sein. Schimunek ist bereits auf Seite 164. Er beteuert: "Den Roman muss ich demnächst abgeben - Fristen." Da ist offenbar noch viel zu tun.

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"Bei mir sind es Liedermachertexte, wovon sich einige nicht vertonen lassen", so der thüringische Informatiker Höpfner, der mit seiner Band "Der Schulz" am 3. November in der Galerie KUB stimmungsvolle Lieder zum Besten geben will. In seinen Liedern dreht es sich um Liebe - vorher, währenddessen und nach einer Beziehung. "2010 war ich mit Elia zusammen in Erfurt", schildert Höpfner kurz über seine erste Begegnung mit Elia van Scirouvsky. "Das war fast ein Blind Date", so van Scirouvsky. "Wir haben uns vorher überhaupt nicht gekannt. Mir wurde Hagen als Musiker empfohlen. In Erfurt haben wir die Lesung richtig gerockt. Das hat gepasst, ohne dass wir irgendwelche Absprachen gemacht hatten." Ein Ausblick, der auch für den Abend im Schwalbennest gepasst hat. Aussichten gibt es auch bei Höpfner. Seine vertonten Lieder möchte er als CD veröffentlichen, ein Punkt, den Ziegenmeyer mit "Sex, Drugs & Feenstaub" bereits erreicht hat, welche ihm nach seinem Auftritt förmlich aus den Händen gerissen wird. Höpfner bereitet indes die kleine Schwester des Dramas - eine Novelle - vor. Drei von sechs Kapiteln sind fertig, so Höpfner nach seiner Lyrik-Lesung mit bester Liedermacherkunst.

Der Pegasus dann selbst mal wieder eine sehr gut besuchte Lesung der drei Autoren eine spannende und abwechslungsreiche Mischung aus drei Genres und drei Persönlichkeiten, dessen Werke qualitativ hohes Niveau haben. Und das ist van Scirouvsky wichtig. Betrunkene Schriftsteller, die von der Bühne fallen, wird es bei ihm nicht geben. Elia van Scirouvsky wird im übrigen am 7. November im Haus des Buches sein. Dort wird er mit Katrin Merten über sinnliche Landschaften und Schriftsteller und seinen Ort reden sowie lesen. Wie entwickeln sich Schriftsteller unter geographischen Begebenheiten, so die Frage des Abends. Der aus dem Erzgebirge stammende Autor stellt dann doch noch fest, dass und wie stark Leipzig ihn künstlerisch verändert hat. Jetzt kann van Scirouvsky zum Beispiel die Expressionisten vor hundert Jahren verstehen. Was wohl auch am 7. November eine Rolle spielen wird. Moderieren wird das Ganze Steffen Birnbaum.

Der nächste Pegasus ist am 14. November mit Moderator Norbert Marohn im Plan. Dann wird Uta Ackermann Prosa und Lyrisches vortragen. Van Scirouvsky ist dann wieder am 12. Dezember im Schwalbennest zugegen.

Aktuelles rund um Scirouvsky, Schimunek, Ziegenmeyer und Höpfner Online
www.elia-van.de
www.uwe-schimunek.de
ziegenmeyer.wordpress.com
www.drhagen.eu


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