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Leipziger Montagsnächte: Interview mit Autorin Kathrin Wildenberger

Daniel Thalheim
Autorin Kathrin Wildenberger.
Autorin Kathrin Wildenberger.
Bild: Ploettner Verlag
Am 4. November liest sie wieder aus den "Montagsnächten". Die Bar Seventy hat für Autorin Kathrin Wildenberger Getränke kalt gestellt und erwartet jene Menschen, die sich von der Wendezeit 1989 berühren lassen wollen. Kathrin Wildenberger erzählt im L-IZ-Interview, warum ihr 2007 veröffentlichter Roman noch immer aktuell ist, was sie dafür getan hat und wie sie die Wende erlebte.

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2007 ist "Montagsnächte" erschienen - warum lesen Sie gerade jetzt wieder aus dem Werk?

Weil es noch immer aktuell ist. Auch in diesem Herbst gab es in Leipzig wieder viele Veranstaltungen, die an die Friedliche Revolution vor 22 Jahren erinnert haben. Sie hat das Leben so vieler Menschen entscheidend beeinflusst und wirkt bis heute nach. Ich erlebe auf meinen Lesungen immer wieder hochemotionale Momente, bekomme von meinen Zuhörern persönliche Geschichten erzählt. Und für die Menschen aus den alten Bundesländern und die Jüngeren, die keinerlei Erinnerungen an diese Zeit haben, ist es wahrscheinlich spannender, in eine Liebesgeschichte mit zeitgeschichtlichem Hintergrund einzutauchen als ein Geschichtsbuch zu lesen (Lächelt).

Damals hatten Sie in Halle/Saale gelebt. Wie haben Sie die Montagsdemonstrationen 1989 erlebt?

Leider war ich nicht persönlich dabei, weder in Leipzig noch in Halle. Ich kannte im Herbst 1989 niemanden, der hin ging und mich mitgenommen hätte. Und dann war da natürlich ganz viel Angst im Spiel... Dass ich nicht mutiger war, bereue ich bis heute. Aber ich habe das Geschehen gespannt verfolgt, über Fernsehen und Radio, und und ich kann mich noch sehr gut an die Gefühlslagen von damals erinnern. Angst, Hoffnung, Euphorie - all das lag ganz nah beieinander. Und während ich an dem Roman schrieb, erlebte ich diese Zeit noch einmal und diesmal, aus der Perspektive meiner Protagonistin, aktiver. Das ist sicherlich ein schöner Vorzug des Schreibens, dass man in der Fiktion nacherleben kann, was man in der Realität versäumt hat.

"Montagsnächte" ersch. im Plöttner Verlag.
"Montagsnächte" ersch. im Plöttner Verlag.
Bild: Ploettner Verlag
Wie viel von Ihren Eindrücken landete in Ihrem Buch?

Ich glaube, vor allem die Grundstimmung ist es, die in die "Montagsnächte" eingeflossen ist. Jeder Tag brachte Neues, jede Stunde. Alles ging so schnell, dass man kaum nachkam, und es betraf jeden. Trotzdem lebte man weiter, irgendwie, man liebte und lachte und weinte, das ganz normale Leben eben, das sich eben doch durchsetzt, unabhängig davon, was in Politik und Gesellschaft passiert.

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Was mussten Sie genau für Ihr Buch recherchieren?

Vor allem die konkreten historischen Ereignisse. Vom Abbau der ungarischen Grenzanlagen zu Österreich im Mai 1989 bis zum Mauerfall. Wie sind die einzelnen Montagsdemonstrationen verlaufen? Welche Dynamik entwickelte sich? Wie kam es dazu, dass der 9. Oktober 1989 friedlich verlief? Und wie haben sich die Menschen, die direkt dabei waren, gefühlt, ob als Bürgerrechtler, Demonstrant, als Polizist, als Stasi-Mitarbeiter. Ich habe im Archiv Bürgerbewegung und in der Gedenkstätte Runde Ecke hier in Leipzig umfangreiches Material und kompetente Beratung gefunden, viele Gespräche geführt und unzählige Bücher zum Thema gelesen.

Welches Bild hatten Sie von der Wende nach der Recherche - ist es anders als Ihr persönlicher Eindruck?

Mein persönlicher Eindruck war eher diffus, sehr emotional, vieles hab ich in seiner Tragweite damals gar nicht erfassen können. Die Recherche brachte mir Klarheit. Manches, was ich damals noch nicht einordnen konnte, ist jetzt deutlicher geworden. Vieles habe ich besser verstanden, und dafür bin ich dankbar.

Kathrin Wildenberger, vielen Dank für das Interview.

Montagsnächte im Internet
www.montagsnaechte.de


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