Lesen wegen Deutschland: Egotronic-Musiker Torsun kommt ins Neue Schauspiel
Daniel Thalheim
05.12.2011
Egotronic live.
Foto: Patrick Limbach
Sie sind als laute Musiker mit schrägen Klamotten und bunten Texten bekannt. Oft posaunen sie, dass sie "wegen Deutschland raven". Im Januar findet sich ein Musiker von der deutschen Elektro-Punk-Band "Egotronic" in Leipzig ein. "Torsun" nennt er sich. Mit ihm kommt sein schreibender Begleiter Daniel Kulla. Das "Neue Schauspiel" öffnet im Januar seine Tür für eine Lesestunde.
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"Torsun" und Daniel Kulla heißen die beiden Nachwuchsschriftsteller, die mit dem Blätterwerk "Raven wegen Deutschland" umher ziehen. Der Titel sagt es schon. Die Elektro-Punker von "Egotronic" stehen im Mittelpunkt eines zehnjährigen Geschehens. Das sind jene Gesellen, die gegen Deutschland "raven" und die Revolution in farbenfrohen und lauten Rhythmen packen. Da wird sich so mancher fragen, was eigentlich ein "Rave" ist. Was im Englischen so viel wie "toben" bedeutet, wird kurzerhand ins Deutsche gepackt und als Bewegung verbalisiert.
Heißt es doch im Egotronic-Text: "Wer wird denn rumstehen? Wir wollen euch tanzen sehen! Beats für die Beine und 'ne Message für den Verstand." Nicht nur auf diese Liedzeile schaut Egotronic-Sänger "Torsun" wenn er an seine Zeit mit dem "Stolz der Arbeiterklasse " denkt, wie die "taz" jene Musikgruppe bezeichnete. Der Musiker blickt gerne zurück, als er mit dem zweiten Studioalbum "Lustprinzip" 2007 seinen Durchbruch feierte, also immer bekannter wurde.
Beteiligte, Freunde, Begleiter dieser Zeit schildern in kleinen Interviewschnipseln, wie deftig Egotronic-Musiker zu Werke gingen und Drogen konsumierten. Zwischen solchen Exzessen sprüht auch ein Funken Liebe sowie Trennungsschmerz. Eben das ganze Leben in seiner Bandbreite, das man in Buchstaben aufreihen kann, die natürlich nicht in alphabetischer Reihenfolge abgedruckt wurden und nicht gleich zu einer staatsanwaltlichen Ermittlung führen.
Torsun und Kulla im Januar mit Lesestoff im Neuen Schauspiel Leipzig.
Bild: Audiolith
Neben "Torsuns" persönlichen Schilderungen rollt Szeneautor Daniel Kulla die Geschichte jener Band auf, die er mit Erzählungen vieler Wegbegleiter aufpeppt. Beide Herren wollen das Ende Oktober 2011 im Mainzer "Ventil Verlag" erschienene Werk in der Messestadt vorstellen.
In Leipzig auch nur deswegen, weil Egotronic hier ihre zweite Auftrittsheimat gefunden hat, auch wenn politisch Linke das Wörtchen "Heimat" nicht mögen mögen. Sie fühlen sich nunmal in Leipzig sauwohl, was dazu führt, dass eine Gruppe wie Egotronic regelmäßig hierzulande auftritt. Nun wird das gelesen, was Freunde dieser Band in Clubs mitverfolgen konnten.
Weil Lesen allein auch langweilig ist, gehen "Torsun" und Kulla in die Vollen und zeigen die Drogen- und Feierexzesse in Bildern und Videos. Einige Teile des geschriebenen Werks wurden sogar als Hörspiele umgearbeitet. Auch wenn man sich beim Lesen so sagt, dass es doch ganz gut war, nicht dabei gewesen zu sein, hat Egotronic etwas Gutes eingebracht. "Torsun" muss sich nicht mehr als langzeitarbeitsloser Ein-Euro-Jobber durchs Leben schlagen. Ein irdisches Jammertal darf man jedoch nicht erwarten. Wenn das Buch eins ist, dann "sozialistisch", "links", "kontrovers", "rauschhaft" und vielleicht ein kleiner "Tobsuchtsanfall in Worten".
Das führt dazu, dass "Torsun" und Kulla im Neuen Schauspiel am 24. Januar 2012 die Leipziger testen, ob sie das Leben, Werden, Sterben von Egotronic genauso kurzweilig empfinden wie die Autoren selbst. Das Feuilleton der "taz" findet "Raven wegen Deutschland" jedenfalls "genial verpeilt", "lustig", "geistreich" und "lebensweise".
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