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1817 Tage: Michael Schweßinger stellte in der Helheimkneipe neue Geschichten vor

Daniel Thalheim
Michael Schweßinger.
Michael Schweßinger.
Foto: Daniel Thalheim
"In darkest Leipzig" war 2006 sein umstrittener Aufhorcher in Leipzig. Lindenauer kamen hierbei nicht ganz gut weg. Aber so ist die Welt nun mal. Es gibt Menschen, die sie beschreiben, wie sie ist. Neue und alte Beschreibungen aus der Feder von Michael Schweßinger ließen am 8. Dezember eine Handvoll Literaturfreunde in die Helheimkneipe eilen.

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2006 las er zum ersten Mal in der Metalkneipe in der Weißenfelser Straße. Inzwischen schlug der Leipziger Verlag Edition Paperone unweit davon seine Zelte auf. Buchautor Michael Schweßinger arbeitet hier und unternahm mit der Ladenöffnung einhergehend Feststellungen über die "Plagwitzer". Wie das sich anhört und liest, erfuhr das Häuflein Gäste recht bald. Doch zunächst wagte Schweßinger einen Blick zurück in seine eigene Vergangenheit.

Seit seinem ersten Auftritt 2006 bis zu seinem aktuellsten am 8. Dezember in der Helheimkneipe sind sage und schreibe 1817 Tage vergangen. So auch der Titel der Lesung vor einem erlesenen Publikum. Die Gäste lauschten gespannt den Worten des Autors aus Franken. Oft drang Lachen durch die verschlossenen Türen des Leseraums nach draußen in die Kneipe. Schweßinger zeigte seinen Auftritt beim "Leipzig Fernsehen" 2006.

Bittersüßer Stoff aus den Leben von Verlierern - Michael Schweßinger schaut unter die Oberfläche.
Bittersüßer Stoff aus den Leben von Verlierern - Michael Schweßinger schaut unter die Oberfläche.
Foto: Daniel Thalheim

Damals erschienen mit “In darkest Leipzig. Von den seltsamen Sitten und Gebräuchen der Lindenauer” seine Erzählungen über die Leipziger, die im düsteren Westen Leipzigs wohnten. Metallsammler, Alkoholiker, Tagelöhner, Arbeitslose tummelten sich in den Straßen. Für den einstigen Connewitzer Schweßinger ein Kulturschock. Noch einmal erfuhren die Anwesenden, warum der gelernte Bäcker sich den Menschen widmete und es eigentlich nicht böse meinte. Seine Beschreibungenwaren wohl präzise genug, so dass so mancher Lindenauer bei den damaligen Lesungen aufsprang und sich vorgeführt vorkam, schimpfte, aber dennoch das Werk kaufte. "Siegerliteratur!", so der vernommene Vorwurf.

Der Mitteldeutsche Rundfunk unternahm mit Schweßinger und dem "Käpt'n" - einem Lindenauer Original - einen Streifzug durch Lindenau. Schweßinger zeigte auch ihn und verknüpfte mit dem filmischen Vortrag eine Verlosung eines seiner Erstwerke. "Gestrandet in Lindenau - ein filmisches Portrait", so der Titel des Beitrags, der sich auf den 2008 erschienenen Erzählband "Von Seemännern und anderen Gestrandeten" bezog.

Grünau war auch Gegenstand seiner Lesung. Im dortigen Allee-Center, einem aus Stahl, Glas und Beton errichteten Marktplatz, wie ihn fast jede Stadt besitzt und der von Kulturwissenschaftler Wolfgang Hocquél als "Inkunabel der Moderne" bezeichnet wurde, wuselte der studierte Ethnologe und Afrikanist nach seiner Ankunft in Leipzig als "Haustechniker" herum. Hoffnungen, Sehnsüchte und das ständige Scheitern kurz vorm Ziel ließen die Gesichter der Besucher sich aufhellen.

Als Schweßinger seine Geschichten am fortgeschrittenen Abend des 8. Dezembers erzählte, erwischte man sich selbst schnell beim Lachen. Schwarzer Humor blitzt auf. Schweßinger beschreibt Zeitgenossen, die Raymond Chandler kennen, ganze Passagen aus seinen Krimis zitieren, aber Gespräche vergessen, die sie darüber führen. Oder Bewerbungsschreiben aus dem Jobcenter, wobei sich herausstellt, dass viele Bewerber schon immer gern in der Küche standen und Brötchen backen würden. Manche seiner Helden verwechseln auch "Öko" mit "Kiffen". Das alles versehen mit dem beschriebenen Blick unter die Oberfläche. Bittersüßer Stoff, der wohl bald seine Leserschaft finden wird.

Michael Schweßinger und Edition Paperone Online
www.michaelschwessinger.de
editionpaperone.de


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