L-IZ.de im Gespräch mit Phillip Boa – Teil 1 von 3
Daniel Thalheim
08.02.2009
Phillip Boa
Was soll man als Musikredakteur über Phillip Boa noch schreiben? Und muss man das überhaupt? Er hat ein neues Album gemacht, er hat etwas zu sagen, er wird wieder in vollen Häusern spielen? Am besten wohl, ihm ein paar Fragen zu aktuellen Themen, seinem neuen Album, neue Mitstreiter, Musik und die Welt an sich in stürmischen Zeiten zu stellen.
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Wir konnten nur hoffen, dass der Künstler antwortet. Er hat geantwortet – so ausführlich, dass wir das Interview in drei Teilen bringen (heute, morgen, übermorgen). Hier also anlässlich des neuen Phillip Boa-Albums “Diamonds Fall“ (VÖ. am 13.02.2009) und der bereits am 30.01.2009 erschienenen Single-Auskopplung "Lord Have Mercy With The 1-Eyed" und des Tourauftakts am 25.02.2009 in Leipzig der erste Teil des Interviews unseres Musikredakteurs Daniel Thalheim mit dem Indiependentmusiker Phillip Boa.
Hallo Phillip, wie ist das Wetter auf Malta? Hier in Deutschland ist das Wetter recht stürmisch. “Bürgerliche“ Parteien feiern sich nach der Hessen-Wahl, Wirtschafts- und Finanzkrise hohe Staatssubventionen. Beeinflussen solche fernen Begebenheiten das Schreiben von Songs oder die Studioarbeit?
In Malta fiel kürzlich Schnee, aber nur in Valletta und auf der Nachbarinsel Gozo. Die Malteser fanden das sehr aufregend. Da ich nicht immer auf Malta bin, sondern mir meine Zeit in Dortmund, Detroit und Malta aufteile, sehe ich die Probleme immer aus einer Distanz, was gut ist, um Songs zu schreiben - als Beobachter. Die Strukturprobleme in Detroit und im Ruhrgebiet sind durchaus vergleichbar, sind in Detroit allerdings eher stärker. Wer meine Aussagen über Jahre verfolgt hat, wird wissen, dass ich diese globale Finanzkrise vorausgesagt habe. Diese Krise hat nicht nur Einfluss auf alle zukünftigen gesellschaftlichen Mechanismen, sondern auf das Leben des Einzelnen.
Teil meines "Jobs" als Songwriter ist es, mich täglich mit diesen Dingen zu beschäftigen; sie beeinflussen meine Arbeit. Mein neues Album ist bereits davon geprägt, nur sind die Songs sehnsüchtig und romantisch verkleidet, nur sind sie unter dem Vorhang auch gesellschaftskritisch oder politisch, zynisch...
Du musst Dir diese Welt unter der Romantik freigraben, indem Du Dich mit den Texten auseinandersetzt, was Du aber nicht musst- nur das - eher warme- Gefühl dieser Songs zu genießen, reicht mir durchaus schon. Diese neuen Songs sind wie das geheime, verbotene Wohnzimmer des Helden des Buches "1984".
Tourauftakt in der Moritzbastei: Phillip Boa LIVE in Leipzig.
Hat sich über die Zeit der Entstehungsprozess bei Deinem Songschreiben geändert oder arbeitest du kontinuierlich nach einem bewährten Rezept?
Wie sich die Welt seit meinem letzten Album (Juli 2007) drastisch verändert hat, so ändere ich mich, so ändert sich meine Arbeit - sie reagiert auf das, was sich ändert. Daher dieses Album, daher etwa die Arbeit mit dem CAN Drummer Jaki, der diese Songs teilweise geprägt hat; soll heissen: Jaki spielt unabhängiger, zeitloser, davon gelöst von den Klischees der globalen Welt, die jetzt von diesen Klischees erwacht.
Was kannst du zu den Aufnahmen zu “Diamonds Fall“ sagen, wie hat sich die Studioarbeit gestaltet? Mir persönlich gefällt der Sound sehr gut.
Danke. Die Songs entstanden ohne Druck, mit Hilfe David Vella's auf Malta und meinem Keyboarder Tött. Sie passierten einfach, ohne dass sich irgendeine Distanz eingemischt hat. Frei von Bullshit und Marktdruck, das mehr denn je.
Wie entstand die Zusammenarbeit mit Jaki Liebezeit und Tobias Siebert?
Ich wusste, dass Tobi meine Musik versteht und das nach dem letzten Album Potential nach oben da war. Tobi hat diesmal weniger selbst gespielt (alle Bässe allerdings), da er das, was wir ich aus Malta "angeliefert" hatten, harmonischer und besser fand. Er hat diesmal mein Vertrauen gespürt, dass ich als misstrauischer Mensch vielleicht beim ersten Album nicht genug hatte.
Tobi ist selbst Musiker, Songwriter etc. und wir sind trotz Generationsunterschied sehr "auf einer Linie". Mit Jaki zu arbeiten, war mein Wunsch seit meinem 2. Album, also 20 Jahre her. Ich mag seine Arbeit in der Band CAN (eine geniale Band, die man sich allerdings erarbeiten muss) und halte ich immer noch für den eigenwilligsten kreativsten Drummer in der Welt der "Rock/Pop/Elektronik...-Musik.
Nach 20 Jahren ruft ihn also mein Freund Thomas von Rough Trade an und Jaki sagt:" ah ja, Phillip Boa – ich kenne seine Arbeit – ja, mach ich". Ich war glücklich, wir fuhren nach Köln, um Jaki zu besuchen, und that was it, man!!
Was ist an dem neuen Album anders als zu den vorigen? Was wird den Fan erwarten, wenn er den Silberling in den Händen hält und überlegt?
Ich weiss nicht – sag Du es! Es sind Phillip Boa-Songs. Selbst, wenn es klingen würde, wie die letzten Alben, wären es immer noch neue Phillip Boa-Songs, etwa wie bei Nick Cave.
Aber durch die Veränderung der Zeit (siehe oben), Jaki und meiner noch extremeren "ich mach, was ich will" – Haltung, gerade als Gegenpol zu dieser opportunistischen Zeit, hoffe ich, dass sie hier und da ein wenig anders ist ... letztlich ist es aber ein Phillip Boa Album.
Fortsetzung des Interviews (2. Teil von 3) morgen unter anderem zur neuen Single, Politik, Wirtschaft und Musikbusiness.
Phillip Boa LIVE in Leipzig, Tourauftakt in der Moritzbastei (Tonne / Warm-Up-Konzert) am Mittwoch, den 25. Februar 2009, ab 21:00 Uhr Preis: VVK 19,-/ AK 25,- €
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