“Pain and Suffering“ in 13 Songs: Depeche Mode veröffentlichen “Sound Of the Universe“ am 17. April
Redaktion
16.04.2009
Depeche Mode
Die einstigen Elektronik-Pop-Rebellen der Achtziger, die Fans begeisterten und Kritiker abstraften sind alt geworden. Und ruhig. Stadionhymnen schreiben sie schon lange nicht mehr. Also warum soll ein neues Depeche Mode-Album für die heutige Musiklandschaft wichtig sein? Ganz einfach! Depeche Mode erfinden sich neu.
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Von Album zu Album. Auch wenn die Schritte nicht mehr so groß sind. “Sounds Of The Universe“ (V.Ö. 17. April) ist irgendwie anders, irgendwie neu.
Als ihr Hit “People Are People“ (Album “Some Great Reward“, 1984) Mitte der Achtziger für Furore sorgte, “Stripped“ noch nicht rammsteinig intoniert und Drogen noch nicht in die Öffentlichkeit getragen wurden, war alles “Friede, Freude und Eierkuchen“. Schnell zugänglich war die popige Kost. Doch spätestens nach “Violator“ haben Martin Gore, Dave Gahan und Co. Abschied vom schnell zusammen gestampften Teenie-Pop genommen. Dann folgte die dunkle Ross-Kur in Form von “Songs Of Faith and Devotion“. Gospel, Soul und Rock drangen als Einflüsse ein. Und Heroin. Dave Gahan dachte sich, das müsse man als Pop-Jesus nehmen und sprang dem Tod von der Schippe. Das war zwischen 1993 und 1995. Wiedergeburt. Die folgenden Alben “Ultra“ (1997), “Exciter“ (2001) und “Playing The Angel“ (2005) wurden die auf drei geschrumpften Depeche Mode ätherischer, dunkler.
Depeche Mode liegen mit “Sounds Of The Universe“ überhaupt nicht falsch.
“Sound Of The Universe“ (2009) spielt mit den Trademarks, die das Trio in den letzten zehn Jahren entwickelt hatte. Soul, Ambient und Elektro. Ab und zu dröhnt eine verzerrte Gitarre “ultra“ aus den Boxen. Die aus den Frühtagen bekannte Aufteilung des Gesangs von Martin Gore und Dave Gahan existiert nahezu gar nicht mehr. Wo in den Achtzigern Martin Gore traurige Schmachtfetzen sang, so dringt er unauffällig in allen Songs durch. Mal im Vordergrund, mal im Hintergrund (“Come Back“). „Perfect“ ist ein Beispiel, wie sich das kalte, sterile Songwriting zu warmen und flockigen Ambientsounds verwandelt hat und wo beide Sänger gleichberechtigt harmonieren. Erinnerungen an die französischen Elektro-Ambientmeister Autechre werden bei “Peace“ wach. Dort wechseln sich wolkige Elektroblasen mit straighten Beats und einem einmalig singenden Dave Gahan ab.
Soviel Soul und Sex besaß er nicht einmal auf “Songs Of Faith And Devotion“. Bei “Peace“ findet er sogar sein Falsett wieder. Und da ist sie wieder: die Hymne. Neben der ersten Singleauskopplung “Wrong“ der wohl stärkste Song des Albums. Nimmt man das schroff gespielte Ambientstück „Come Back“ hinzu, hat man ein Triumvirat herausragender Pop-Hymnen voll mit “Pain And Suffering“. Bei “Jezebel“ singt Martin Gore wieder alleine. Mit Seele und Gefühl ist ihm eine wunderbare Ballade gelungen. Ohne in Pathos und Kitsch abzudriften.
Wo die Pet Shop Boys heute in gefälligen und unauffälligen Schnulzen ihr Heil suchen, bewegen sich Depeche Mode immer noch auf der Gratwanderung von Wagnis und Mainstream. Ein Instrumental wie “Spacewalker“ kommt fast schon “müllig“ bis gewollt schlecht her. Mut zum musikalischen Besäufnis mit anschließendem Kater hatten Depeche Mode schon immer.
Versöhnlich schmeichelt “Sound Of The Universe“ in den Ohren. Wieder gibt es kleine Kunststücke zu hören, viele Streicheleinheiten aber auch textlich austauschbare Phrasen. So sind wir es gewöhnt, so wird es bei DM immer sein.
Am 7. und 8. Juni treten Depeche Mode im Zentralstadion auf. Der Vorverkauf ist bereits gestartet. Die Band spielt noch ein Doppelkonzert in Düsseldorf (4. und 5. Juni, LTU Arena), wird aber auch am 2. Juni in Hamburg, am 10. Juni in Berlin, am 12. Juni in Frankfurt und am 13. Juni in München auftreten.
Depeche Mode liegen mit “Sounds Of The Universe“ überhaupt nicht falsch www.depechemode.com
Depeche Mode: Sounds Of The Universe (EMI, 2009), 13 Songs, Spielzeit: 60:48 Minuten, Tracklist:
"In Chains" – 6:52
"Hole to Feed" – 3:54
"Wrong" – 3:13
"Fragile Tension" – 4:08
"Little Soul" – 3:32
"In Sympathy" – 4:54
"Peace" – 4:28
"Come Back" – 5:15
"Spacewalker" – 1:52
"Perfect" – 4:33
"Miles Away / The Truth Is" – 4:13
"Jezebel" – 4:43
"Corrupt" – 5:03 (8:58)?"Interlude #5" – 0:41 (versteckter Song, der bei 8:17 Min. startet)
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