Das liebe Geld: GEMA hebt Gebühren im Veranstaltungssektor drastisch an
Daniel Thalheim
25.06.2009
Montage L-IZ
Seit Anfang dieses Jahres müssen deutsche Veranstalter tiefer in die Tasche greifen. Des Veranstalters liebster Partner, die GEMA, sieht sich scheinbar in der Verantwortung, die auf dem einbrechenden CD-Verkaufsmarkt entstehenden Verluste durch einen drastischen Gebührenanstieg bei den Veranstaltern auszugleichen. Es geht um schlappe 600 Prozent Steigerung bis 2014.
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Die anvisierten Mehreinnahmen der GEMA in den kommenden fünf Jahren führen nun allerdings zunehmend zu einer Verärgerungswelle, welche sich zum offenen Widerstand formiert. Eine Bundestagspetition für mehr Transparenz bei der GEMA sorgt seit Ende Mai für gezielten Diskussionsstoff.
Bereits Anfang des Jahres war die Strategie der GEMA bekannt. Nur leider ohne ausreichende Begründung. Die Ankündigung der GEMA, von Anfang 2009 bis 2014 die Gebühren für die Veranstalter anzuheben, schien ohne Reaktion angenommen zu werden. Doch seit eine Petition von der Kleinveranstalterin Monika Bentle an den Bundestag gestellt wurde, rauscht es mächtig im Netz und in den Veranstaltungsorten. „Petition: Bürgerliches Recht - Gesellschaft für musikalische Aufführungs- und mechanische Vervielfältigungsrechte (GEMA) vom 19.05.2009“ heißt das Ganze nun. Seit Mai haben bereits über 67.000 Leute unterzeichnet. Nur 50.000 werden benötigt, damit sich der Petitionsausschuss und anschließend vielleicht die Bundestagspolitiker damit auseinandersetzen müssen.
In der Begründung der Petition heißt es, dass das Handeln der GEMA auf ihre Vereinbarkeit mit dem Grundgesetz, Vereinsgesetz und Urheberrecht überprüft wird. Die Petition fordert eine umfassende Reformierung der GEMA in Bezug auf die Berechnungsgrundlagen für Kleinveranstalter, die Tantiemenberechnung für die GEMA-Mitglieder, Vereinfachung der Geschäftsbedingungen, Transparenz und Änderung der Inkasso-Modalitäten.
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Die Petition soll nicht die Abschaffung der GEMA herbeiführen, sondern hinterfragt nach Jahrzehnten des immer gleichen Prinzips erstmals die Ziele der Rechtewahrer. Handelt die GEMA eigentlich noch im Sinne der eigenen Mitglieder – die Musiker, deren Rechte sie schützen soll? Veranstalter haben mit Sicherheit das Nachsehen bei der massiven Preiserhöhung. Und die Musiker erhalten schließlich auch Gagen für ihre Auftritte – von Veranstaltern.
So kann jeder auf der GEMA-Seite die Preislisten einsehen, die die Gesellschaft von den Konzertbetreibern verlangt. Die Preise richten sich lediglich nach Größe der Räumlichkeiten, Höhe des Eintrittsgeldes und die GEMA-Pflicht ab einem öffentlich gespielten Musikstück.
„Dabei ist bei dieser Preisgestaltung völlig ohne Belang, wie viele Besucher tatsächlich zu einem Konzert kommen“, argumentiert Wito Apitzsch, Veranstalter im Heavy Metal-Club „Hellraiser“ in Leipzig-Engelsdorf. Seiner Rechnung nach beschönigt die GEMA ihre Gebühren. „Die GEMA verfolgt die kontinuierliche Erhöhung der Gebühren seit einigen Jahren. Dabei spielt die GEMA ihren Anteil an Gebühren gern runter. Derzeit sind sie mit ca. 1.5 % beteiligt. Im Hellraiser mal in Zahlen ausgedrückt: Bei einem Konzert mit einem Eintritt zwischen 10 und 20 Euro erhebt die GEMA rund 280 Euro pro Konzert“.
Diese Forderungshöhen durch die GEMA bestätigt auch das UT Connewitz auf Nachfrage der L-IZ. „Was die GEMA natürlich nicht erwähnt, ist“, so Wito Apitzsch weiter, „dass wir Veranstalter von „schön gerechneten“ Einnahmen in Höhe von 20.000 Euro am Einlass, davon als erstes die Gage an die Künstler abzuziehen haben. Weiter geht es mit Technik (Ton/Licht), Werbung, Security, Sicherheitsmaßnahmen, Strom, Wasser, Heizung, Abwasser, KSK, Catering, anteilig Miete, Helfer, Ausländersteuer und Umsatzsteuern“. Anders ausgedrückt, man hat weniger vom Brutto, wenn die GEMA so pauschal zu Buche schlägt. Das ärgert auch die anderen Veranstalter, weil eben nicht die Besuchermenge und die verkauften Konzertkarten entscheidend sind, sondern die Größe des Veranstaltungsorts und das vorab veranschlagte Eintrittsgeld.
Montage L-IZ
Weiterer Kritikpunkt der Petition ist auch die Intransparenz des Gebührenvergabe-Verfahrens an die in der GEMA versammelten Musiker. Die Künstler-Tantiemen aus den Einnahmen landen in einem großen Topf, woraus dann die Gelder verteilt werden. Dabei wird strikt in „Ernste Musik“ (E-Musik) und „Unterhaltungsmusik“ (U-Musik) unterschieden. Dabei soll sich herausstellen, dass die so genannten E-Musiker mehr Geld erhalten als die Unterhaltungsmusiker. Unterscheidungskriterien, die keiner mehr durchschaut, weil doch alles Unterhaltung ist, oder?
Als dritten wichtigen Punkt der derzeitigen Petition wird die so genannte „GEMA-Vermutung“ angeführt, nach welcher die Club-Betreiber verpflichtet sind, auch urheberrechtlich ungeschütztes Material zu melden. Falls ein Konzert nicht der GEMA gemeldet wird, erhebt die GEMA eine Recherche-Gebühr von 100 % der festgelegten GEMA-Gebühren ohne vorherige Mahnung und ohne Kenntnis, ob GEMA-pflichtige Werke aufgeführt und ob dieses Konzert überhaupt stattgefunden hat. ( Quelle Petition)
In einer offiziellen, im Handelsblatt veröffentlichten Stellungnahme der GEMA, heißt es nur, dass die derzeitige Höhe der Beteiligung „unangemessen niedrig“ sei. Im Umkehrschluss heißt es nun jedoch ganz klar, die Zeche werden Veranstalter und letztendlich die Besucher zu zahlen haben.
Mit dem derzeitig eingeschlagenen Weg scheint die GEMA mit ihrer Vorgehensweise, die die Urheberrechte der Künstler wahren sollte, zum Totengräber einer ganzen Konzertkultur zu werden. Wer mehr für Konzerte zahlen muss, geht auch nicht mehr zu kleinen Auftritten unbekannter Gruppen. Wenig bekannten Musikgruppen fehlt es somit als Ersten im Preisreigen an Möglichkeiten, in kleineren Clubs ihre Bühnenerfahrung zu erproben. Wenn durch die Preisspirale der GEMA eben kleine Clubs zu machen müssen, dreht sich die Schraube noch ein paar Zentimeter ins Holz des Bühnenbodens.
Oder es werden illegale Dunkelzonen entstehen, die mit hohen Strafen belegt werden. Die Kriminalisierung des Internets läuft bereits auf Hochtouren, nun ist scheinbar die Konzertlandschaft an der Reihe.
Erste Ausweichideen, denn solche gibt es immer, stehen schon parat. Man nehme einfach keinen Eintritt und zahlen die Gage gleich direkt aus dem Getränkeumsatz. Dann kostet das Bier vielleicht 5 Euro der halbe Liter, aber die GEMA bleibt an der Tür und kann sehen, wie sie da dazwischen kommt.
Ob allerdings saufen für Musik so ganz der richtige Weg ist, bleibt zu bezweifeln.
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