Rammstein-Tickets in Deutschland – Wie geht es weiter?
Redaktion
13.06.2009
Tickets bei Seatwave: 20 Karten zu 200 Euro für die Arena Leipzig von Fan zu Fan im Angebot
Screen L-IZ.de von der Seite seatwave.de
Seit der Nacht vom 11. auf den 12. Juni glühen die einschlägigen Foren, amüsieren sich die bekannten Ticketverkaufsportale mit der Philosophie "Von Fans für Fans" teils still, teils laut über einen Serverabsturz. Dieser war durch den Run auf die Karten des musikalischen Vorzeigeexportartikel Marke "Rammstein" beim Versuch des Direktverkaufes verursacht worden.
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Wut und Enttäuschung über das Management dieser Idee mischen sich dabei fröhlich mit dem Anliegen, welches hinter der Idee eines kontrollierten Ticketverkaufes steht. Nun versuchen einige natürlich den Fehler zu nutzen, doch im Management der Rammstein-Verkaufsaktion steuert man bereits gegen.
Wollen die Fans heute eine Karte für den Auftritt Rammsteins in der Leipziger Arena kaufen, haben sie im Shop der Band ein Problem. Er ist derzeit noch nicht wieder vorhanden. Unterdessen gehen anderswo die Kartenangebote und die Preise in die Höhe. Da werden mal eben 20 Tickets von einem so genannten "Fan" zu je 200 Euro auf dem bekannten Tickethändlerportal Seatwave für Leipzig im Innenraum der Arena angeboten. Ein Fan? Andere "Fans" auf der Verkaufsseite versuchen derweil mit geringeren Kontingenten, also mit 2 Tickets oder 4 bereits jetzt Preise von bis zu 499 Euro pro Karte zu erzielen.
Kauft man zwei Karten über das Portal Seatwave von einem "Fan" zu diesem Preis von je 499 Euro, kassiert das Unternehmen eine "Bearbeitungsgebühr" in Höhe von 178,48 Euro. Wie so genannte "Fans" an gleich 20 Karten kommen, die sie nun für Leipzig zu 200 Euro anbieten, ist derzeit noch sehr rätselhaft. Bei diesen Kontingenten ist Seatwave dann schon mit 714 Euro im Weiterverkauf dabei. Das Interesse an einer Aufklärung, wo hier ein "Fan" 20 Karten her hat, ist scheinbar im Angesicht der verlangten Bearbeitungsgebühr vermutlich nicht sonderlich ausgeprägt. Schließlich ist der Plattformbetrieb selbst nicht illegal.
Den Rest muss das Unternehmen augenscheinlich nicht prüfen oder unterbinden.
Noch bunter treiben es seit gestern die Anbieter bei einem weiteren Mitbewerber auf dem Markt. Nach eigenem Bekunden Europas größte Ticketbörse von Fans für Fans, kann man derzeit bei Viagogo ebenfalls bis zu 20 Karten zum Preis von je 152 Euro von augenscheinlich einem "Fan" käuflich erwerben. Hier mit immer dem exakt gleichen Preis und dem Spruch: "Nur hier Reihe 1" zeitgleich eingestellt und angeboten, geht es parallel um mindestens fünf von uns geprüften Konzerte. So verdient augenscheinliche ein "Fan" am Weitervertrieb der soeben organisierten Karten durch die Auftritte Rammsteins in Hamburg, München, Leipzig und Berlin (2 Konzerte) insgesamt die Summe von 8.100,00 Euro. Während der Verkäufer der Karten einen über 100prozentigen Gewinn einfährt, realisiert so Viagogo seine legalen Einnahmen. Was die Firma selbstverständlich darf, laut Bundesgerichtshofentscheidung.
Enorme Gewinne mit einem Produkt, hier also die Ware Konzert, welches Viagogo oder Seatwave selbst gar nicht "herstellen" oder direkt anbieten. Und Rammstein warnen derzeit weiter vor Kartenkäufen bei Drittanbietern für die deutschen Konzerttermine, mit dem Hinweis, dass unrechtmäßige Kartenbesitzer an der Tür abgewiesen werden.
Bei Viagogo kann man "Nur hier!" in der Reihe 1 stehen: 100 Tickets zu je 200 Euro für 5 Konzerte von einem Fan für viele Fans?
Screen L-IZ.de von der Seite viagogo.de
Farbiger wird das Bild zudem, wenn bereits am 12. Juni das genannte Unternehmen Viagogo in einer Pressemitteilung verkündet: "Viele Fans sind enttäuscht und wütend, weil sie glauben, dass sie keine Chance mehr auf Karten haben. Aber auf www.viagogo.de, Europas größter Ticketbörse, sind weiter Karten für alle Konzerte erhältlich. Daniel Nathrath, Managing Director Deutschland, Österreich und Schweiz sagt: "Rammsteins Strategie des exklusiven Ticketvertriebs ist gescheitert. Den Fans eine Seite zur Verfügung zu stellen, die zusammenbricht und Ihnen den Weiterverkauf von Tickets zu verbieten zu wollen, halte ich nicht für service- und fanfreundlich."
Ein komplettes Weiterverkaufsverbot für Fans hat Rammstein jedoch nicht ernsthaft versucht. Die Unterbindung von gewerblichem Weiterverkauf unter dem Fan-Deckmäntelchen durch Limitierung pro Kauf dagegen schon. Diese gewerblichen Vertreiber gibt es selbstverständlich bei Seatwave und Viagogo nicht. Hier tummeln sich nur Fans, welche Kartenverkaufen wollen, weil sie zum Beispiel an dem Tag nun doch keine Zeit haben, zum Konzert zu gehen.
Viagogo sind also die Guten und Daniel Nathrat legt gern noch eine Kohle Richtung Berlin und Rammstein nach: "Den Preis legt jeder Verkäufer auf unserer Plattform selber fest, daher läuft Rammsteins Argument der "zu hohen Preise auf Ticketbörsen" ins Leere. In Wahrheit geht es um die Ausschaltung von Wettbewerb und um Kontrolle, nicht darum, den besten Service und besten Preis für den Fan zu gewährleisten. Der private Weiterverkauf von Tickets ist absolut legal, das hat der Bundesgerichtshof letztes Jahr final entschieden. Wir laden Rammstein ein, mit uns zu kooperieren – wie wir das zum Beispiel für Madonna getan haben – dann garantieren wir einen funktionierenden Service für die Fans."
Nicht schlecht für einen halben Tag Zeit zur Verkündung. Aber man hat auch seitens Viagogo nicht viel Zeit für die eilige Bestandsaufnahme. Muss man schließlich das Zeitfenster und die Verunsicherung der Fans nutzen, welche der Serverabsturz entstehen ließ.
Über die bereits jetzt, am Tag 2 des Ticketverkaufes verlangten Preise auf den Portalen könnte man trefflich streiten, auch darüber, wieso ein "Fan" sich noch am gleichen Tag von den so interessanten Tickets wieder trennen möchte. Soeben wollte er noch mit 19 Freunden zum Konzert und eine Stunde später hat der hier scheinbar versammelte Kegelclub doch Besseres zu tun, als ausgerechnet zum Rammsteinkonzert zu gehen.
Was man Seatwave und Viagogo natürlich nicht vorhalten kann.
Was jedoch Rammstein im Sinne der Preise für die Fans versucht hat und nun weiter versucht, ist wieder mal exemplarisch für eine Band, die gern neue Wege geht. Die Idee ist nachvollziehbar und richtig, die Umsetzung derzeit fehlerhaft. Im Kern geht und ging es vor allem darum die horrenden Preise zu unterbinden, welche sich auf dem "freien" Markt für begehrte Konzerttickets entwickelt haben, provoziert durch durchaus existente, professionelle Aufkäufer ganzer Massenkontingente.
Konsequent zu Ende gedacht, geht dies wohl doch nur mit von vornherein komplett durchpersonalisierten Konzertkarten, um die Preise, hier also 71 Euro pro Konzert, einigermaßen stabil im Sinne der Konzertbesucher zu halten. Vor allem, wenn der Ausverkauf bereits am Beginn droht.
Natürlich bei einem Direktvertrieb, wie im aktuellen Fall, unter Benutzung eines weiter reichenden Servernetzwerkes beim Verkauf via Internet. Denn derzeit steckt das Serverproblem der Band in einer einfachen technischen Ecke fest. Wenn der Server wieder angefahren werden soll, muss er beim Neustart vermutlich eine Anfragewelle bearbeiten können, die einem Massen-E-Mail- Angriff auf das System gleichkommt. Auch ein Umzug auf einen anderen Server kostet Zeit, da dieser technisch eingerichtet werden muss.
In einer aktuellen Meldung tut nun das Management nun daswohl einzig Richtige. Das Konzertangebot in Deutschland soll ob der fulminanten Nachfrage ausgedehnt werden. Auf www.rammstein.de steht seit gestern Abend nun zu lesen: "Es gibt nach wie vor ausreichend Tickets! Dadurch, dass 7 Stunden nach Beginn des VVK´s in ganz Eurpoa, viele Shows außerhalb Deutschlands fast ausverkauft waren, haben plötzlich mehrere hunderttausend Fans aus dem europäischen Ausland gleichzeitig auf unseren Server zugegriffen, um Tickets für die zahlreicheren Shows in Deutschland zu bekommen. 7 Uhr morgens hatten wir dadurch den Server fast verloren und haben diesen dann abgeschaltet, um den Andrang zukünftig besser zu kanalisieren. Entschuldigt bitte! Serverprobleme machen Keinem Spaß.
Wir freuen uns über den großen Erfolg und planen mit der Band bereits Zusatzkonzerte für Deutschland. Im Laufe des morgigen späten Nachmittages werden wir den Server wieder hochfahren und mit unserem Angebot im Netz zurück sein. Habt bitte noch etwas Geduld!"
Entscheidend hier wohl der Satz mit den Zusatzkonzerten. Warum nicht gleich eine Ankündigung einer Sommer-Open-Air-Tour? Vermutlich würde die Band auch diese Termine bereits jetzt verkauft bekommen, angesichts der Munkelei um eine neue Platte, nebst neuer Show. Und die meisten Fans versuchen bereits jetzt mehr als nur einen Hallentermin im Winter zu besuchen. Mal sehen, ob das "Server hochfahren" heute tatsächlich gelingt oder gelang.
Ansonsten halt wieder per Post. Was sicher nicht ganz Ernst von uns gemeint ist. Rammstein spielen am 24. November in der Arena Leipzig. Soviel ist derzeit wohl sicher.
Die Verkaufsabwicklung auf www.rammsteinshop.de funktioniert wieder, wenn auch schleppend. Ticketkäufer, welche keinen Zugang erhalten, werden gebeten sich zu gedulden und es in 2 Minuten einfach nochmal zu versuchen. Das Geduldsspiel für die Fans geht also noch eine Weile weiter. Ruhiger können es dagegen die angehen lassen, welche bereits über die Communitymitgliedschaft reserviert haben.
Sie haben noch die kommenden Tage Zeit, ihre Reservierungen in Tickets umzuwandeln.
Nachtrag vom Montag, den 15. Juni 2009
Quelle www.rammsteinshop.de
"Die Mitglieder der Rammstein Community haben nach Abverkauf großer Kontingente der Tour nun innerhalbder nächsten 7 Tage die Möglichkeit, ihre im Vorfeld gemachten Reservierungen durch Kauf einzulösen.
Zu diesem Zweck steht ihnen der Ticktshop für die nächsten Tage exklusiv zur Verfügung. Am Ende der Woche wird der Shop dann wieder für alle frei zugänglich sein."
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