Von „Tempelhof“ nach Leipzig: Sebastian Krumbiegel lockt analog im Spiegelpalast
Daniel Thalheim
07.02.2010
Sebastian Krumbiegel
Quelle: Berlinieros
Sein drittes Soloalbum ist eine Lobpreisung der analogen Aufnahmetechnik. „Tempelhof“ heißt das neue Werk, das am 5. Februar erschien. Mit Helmut Zerlett, magischen Momenten und Sit-In kommt keine glatt gebügelte Pop-Platte daher. „Back To The Roots“, heißt es bei Krumbiegel. Bald gehts auf Tour, ein Grund mit dem Prinzen zu sprechen.
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Der Mann am Klavier hatte eigenen Bekunden nach wieder zurück in die Leipziger Szene gefunden. Als er am „Kessel anderes“ teilnahm, war es für ihn „ein wundervoller Abend.“ Sebastian Krumbiegel ist „heim gekehrt in die Leipziger Szene“. Für ihn irgendwie auch eine Bestätigung, die sich auf seinem neuen Album „Tempelhof“ widerspiegelt. Oft wurde er in der Connewitzer Szene als „Kommerzheini“ bespöttelt. Nun scheint alles rund zu laufen.
Sebastian Krumbiegel und "Die feinen Herren" ab März auf Tour
Quelle: Berlinieros
Das neue Album wurde in Berlin-Tempelhof in den Candy-Bomber-Studios auf dem alten Flughafengelände aufgenommen. Es ist ein Studio, das auf analoge Technik setzt und dessen Herzstück das legendäre "München-Paris-Pult" von Telefunken bildet, mit dem schon Herbert von Karajan in den 50er Jahren einen Großteil seiner Rundfunkaufnahmen erklingen ließ. Zusammen mit den „Feinen Herren“ Helmut Zerlett (Orgel), Max Fetzer (Gitarre), Stephan Schulz (Bass) und Thomas Fietz (Schlagzeug) bildete der Prinzen-Sänger und engagierte Weltenbummler Krumbiegel magische Momente beim Instrumente aufbauen und im Kreis sitzen. „Digitale Arbeit ist dort quasi verboten. Für uns war das eine unglaublich schöne und wichtige Erfahrung mit den Mischpulten aus den Fünfziger und Sechziger Jahren zu arbeiten. Wir haben diese Stimmung auf uns wirken lassen und alles live eingespielt. Kleine Fehlerchen haben wir auch so belassen wie sie sind. Erwartet also keine glatt gebügelte Platte von mir.“, beschreibt Sebastian Krumbiegel das neue Album. „Der Geist von Elvis wohnt dem Album inne.“
Der bei Harald Schmidt, Marius Müller-Westernhagen und vielen anderen umtriebige Helmut Zerlett war laut Krumbiegel zu dem Aufnahmezeitpunkt in Köln. „Das ist aber nicht hinderlich für unsere Arbeit gewesen. Es war der einzige Kompromiss, den wir für diese Platte zuließen: die Entfernung. Wir haben die Song in Berlin live eingespielt und Zerlett hat in seinem Studio in Köln seine Arrangements dazu gespielt. Seine Einspielungen haben wir in Berlin im Grunde abgemischt und fertig.“
Zusammen mit den „Feinen Herren“ Helmut Zerlett (Orgel), Max Fetzer (Gitarre), Stephan Schulz (Bass) und Thomas Fietz (Schlagzeug) eine neue Platte vom Prinzen-Sänger
Quelle: Berlinieros
Im März ist Tourneestart. Krumbiegel will mit seiner Band „Die feinen Herren“ am 26. März auch nach Leipzig kommen. Der Spiegelpalast ist seine Adresse. „Von Hamburg nach Wien geht unsere Reise. Eingeladen ist jeder, der sich für unsere Musik interessiert.
Es wird auf jeden Fall spannend.“, erzählt der Prinzensänger der L-IZ im Interview. Ob auch die Rest-Prinzen kommen? „Ich hoffe es, doch Tobias Künzl ist derzeitig in London mit seinem Projekt 'Final Step' und bewegt sich in der dortigen Mod-Szene. Zum Glück haben wir uns nach zwanzig Jahren Prinzen-Karriere auf eine lange Leine gelegt, so dass sich jeder austoben kann, was links und rechts von den Prinzen los ist. Bei uns herrscht keine Konkurrenz. Auf jeden Fall wird nach unseren Solo-Ausflügen und –Erfahrungen die nächste Prinzen-Platte wesentlich spannender sein, als alles, was wir zuvor gemacht haben.“
Krumbiegel, der sich in Leipzig auch für das „Courage-Festival“ und musikalische Jugendförderung engagiert, stellt auch bald einen Dokumentarfilm zu afrikanischen Flüchtlingen in Aussicht. Er hat zusammen mit dem Schweizer Regisseur Urs Jakob „Boat People“ in Mali besucht und die Situation vor Ort erkundet. Doch zunächst steht seine Solo-Tournee im März an. Noch eins gibt er seinen Fans auf den Weg: „Kommt vorbei, ich freu mich auf euch. Und hört euch auch 'Tempelhof' an. Ist 'ne knackige Scheibe.“
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