Volles Haus Theater-Fabrik: Disillusion, Rose Kemp und Zen Zebra sorgen für wechselhafte Gefühle
Daniel Thalheim
04.04.2010
Disillusion
Foto: Patrick Limbach
Für viele Gäste, die am 3. April die abgelegene Theater-Fabrik in Leipzig-Leutzsch besuchten, entpuppte sich das Konzert von Disillusion, Zen Zebra und Rose Kemp als echtes Szenetreffen. Hier waren nicht nur Fans anwesend, sondern auch und gerade Musiker vieler Leipziger Bands.
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Die Liste der "erkannten" Musiker reichte hierbei von Dante's Dream, Dark Suns, Grabak, Invocation bis hin zu Mourning Rise. Lauter vertraute Gesichter an einem heißen Abend. Denn auf der Bühne wurden gewohnte aber auch ungewohnte Hörerwartungen bedient.
Leipzigs erfolgreichste Rocker "Disillusion" standen in der Theaterfabrik mit "Zen Zebra" und Rose Kemp auf den Bühnenbrettern. Schon allein "Disillusion" sorgten hier wohl für das volle Haus, denn ganz augenscheinlich sind auch Fans aus den südlicheren Gefilden Europas wegen der Band angereist. Spanien? Griechenland? Selten treten "Disillusion" auf, da war gestern Abend schnell klar, dass ihre Anhänger weite Wege in Kauf nehmen.
Die Zusammenstellung der Gruppen schien zunächst auf Skepsis beim Publikum zu sorgen. Kannte man bisher "Disillusion" als reine Metalband, die Veranstalter von "Heavy Metal Nix Im Scheddel" von jeher als Garant für hartmetallische Konzerte in der Messestadt. An diesem Abend entwickelt es sich schnell bunter.
Marv Endt überzeugte mit Zen Zebra selbst gestandene Metaller
Foto: Patrick Limbach
Schon bei der Ankunft auf dem geräumigen Vorplatz der Theater-Fabrik zeigt sich, wie farbenfroh das Publikum zusammen gewürfelt ist. Da stehen beinharte Metaller neben Normalos Zigarette an Zigarette und freuen sich gemeinsam auf den ersten Auftritt von "Disillusion" in Leipzig seit Jahren.
Doch sie müssen alle warten. Während sich die mit rotem Samt ausgeschlagene Theater-Fabrik mit Gästen füllt, der Tresen immer höher frequentiert wird, besteigen "Zen Zebra" zum Erstaunen vieler als erste die Bühne. Für viele Anwesenden ist ihr früher Auftritt eine Überraschung. Aber es gibt eine Erklärung. Der Auftritt von Rose Kemp würde, als Beginn arrangiert verpuffen. So soll die Britin also erst eine Stunde später, zwischen den Jungs eingebettet die Gitarre wiegen.
"Zen Zebra" steht sichtbar oft auf der Bühne, spielerfahren, abgebrüht und cool, was die Mannen um Sänger Marv als Start anbieten. 2009 war für die Band ein Konzertjahr. Das sieht, hört und spürt man, zum Glück ohne Verschleißerscheinungen. Das Zusammenspiel der Band ist hörbar professionell, auch ihre bewegungsfreudige Show.
Zwei neue Stücke packen "Zen Zebra" auch noch aus und geben einen Ausblick auf das voraussichtlich im Frühwinter 2010 erscheinende neue Album. Vielleicht auch erst Anfang 2011. Ansonsten stehen hier live die Stücke ihrer 2009 erschienenen EP "Take Back The Reins Apollo" im Mittelpunkt einer schweißtreibenden Show.
Ein erfolgreicher Auftritt in Leipzig: Disiliusion stärker denn je
Foto: Patrick Limbach
Wenn "Zen Zebra" ihre härteren Stücke auspacken, wird schnell deutlich - sie haben definitiv eine gehörige Portion eigene Anhänger am heutigen Abend im Saal. Der eine oder andere Skeptiker wiegt zwar den Kopf und sagt "Nicht schlecht", wo andere wiederum kopfschüttelnd in die Sitzgruppen stiefeln und das liebe Ostern, Ostern sein lassen. Ein gemischter Abend eben, natürlich auch beim geschmack der Gäste. Doch die Band passt und heizt an. Nach ihrer regulären Show applaudiert das Publikum ausgiebig, was "Zen Zebra" berechtigt zum Anlass nehmen, für einen Zugabenteil auf die Bühne zurück zu kommen. Und schon gibts für die Skeptiker was zu lernen.
Wer bisher gedacht hat, dass man das Stück "What Else Is There?" von der norwegischen Elektroband "Röyksopp" nicht neu interpretieren kann, sollte vielleicht mal die Nummer von "Zen Zebra" hören. Sie haben es zum Abschluss ihres Beitrages an diesem Abend gespielt und damit gehörig abgeräumt.
Nach einer Pause steigt Rose Kemp aus Bristol mit ihrer Gitarre ganz allein auf die Bühnenbretter. Noch weiß niemand wirklich, was hier erwartbar ist. Die 1984 geborene Musikerin trat jedoch im vergangenen Herbst im Vorprogramm von "Porcupine Tree" in Leipzig auf und sorgte da für offene Münder. Ihre Mischung aus Liedermacherdasein, Rockattitüde und epischem Klangspiel ist nicht jedermanns Sache. Doch wenn Musik polarisiert, ist etwas Besonderes am Laufen. Und Kemp polarisiert.
Freunde der konventionellen Hörgewohnheiten stürmen den Tresen und die Raucherplätze. Andere interessieren sich sichtlich für die brummenden und dröhnenden Stromgitarrenklänge und den exzentrisch intonierten Gesang der jungen Dame. Für den größten Teil des Saales scheint nun jedoch das Warten zu beginnen.
Andy Schmidt hatte Leipzig fest im Griff: Disillusion sind wieder zurück
Foto: Patrick Limbach
Gegen halb zwölf Uhr Nachts stehen Schlagzeuger Jens Maluschka, Gitarrist und Frontmann Andy Schmidt und "Safi"-Bassist Matthias Becker neben der Bühne in Lauerstellung, um jene unter großem Jubel zu stürmen. Ihr 45-minütiges Programm besteht aus dem letzten Album "Gloria". Die kurzen und packenden Stücke wie "Dread It", "Don't Go Any Further", "Save The Past" und "Gloria" stehen besser in Saft und Kraft als je zuvor und bringen den Saal zum Kochen.
Ältere Stücke, wie aus der Phase von "Back To Times Of Splendor" wurden knackig gekürzt. Nach einer kurzen Verschnaufpause werden "Disillusion" für Zugaben zurück auf die Bühne geholt.
Andy Schmidt von Disillusion
Foto: Patrick Limbach
Dann jedoch ist für viele Gäste an diesem Abend der Saft raus. Trotzdem holt der harte Kern der Fans die sichtlich glückliche Band für ein Wunschlied noch einmal zurück. "Black Sea" oder doch lieber "Don't Go Any Further" ein weiteres Mal? Vielleicht beide?
Die Band ist in gelöster und gelassener Stimmung, badet sichtlich im Gefühlsmeer und positiven Energie, die ihr von ihren Freunden und Fans entgegen gebracht wird. "Disillusion" haben mit diesem Auftritt ein kleines Fenster geöffnet, durch welches man durchaus schon sehen kann, was im Herbst auf ihre Anhänger zurollt.
Der Abend in der Theater-Fabrik ist geglückt. Auch wenn die Mischung für einige wegen der experimentellen Solo-Show von Rose Kemp eine schmerzliche gewesen ist, so überwiegt doch die Freude über ein abwechslungsreich zusammen gestelltes Konzert mit vielen Überraschungen. "Zen Zebra" stellen unter Beweis, dass hier eine hungrige Band mit modernen Rock-Klängen überzeugen kann, Rose Kemp erwartungsgemäß stark polarisiert und "Disillusion" für das gesättigte Rundum-Glücksgefühl sorgen.
Ab jetzt kann das Warten auf zwei neuen Alben aus Leipzig beginnen.
Ein an diesem Abend geführtes Interview mit Sänger Marv Endt und Gitarrist Stephan Heinrich von "Zen Zebra" erscheint die kommenden Tage auf der L-IZ.
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