Wer und was ist Glissa?: Ein Leipziger Musikprojekt mit enormer Qualität taucht auf
Michael Freitag
18.04.2010
Franz Belger von Glissa sorgt mit Gitarre und Gesang für den perfekten Frühlingssound aus heimischen Gefilden
Foto: www.glissa-music.de
Ihre Musiktitel heißen schlicht "Gartenarbeit", "Reise" und "Augenweidengras", die Bandbilder von Franz und Helge sind teils nachkolorierte Schwarz-Weiß-Aufnahmen. Alles wirkt erwachsen, ja auf eine ruhige Art groß bei den Leipziger Musikern von Glissa. Zu Recht.
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Gleich zu Beginn das, was Musiker am wenigsten mögen – ein Vergleich. Ein wenig klingt Glissa wie der Durchstarter Clueso, doch weltgewandter, reifer. Das Leipziger Projekt darf deshalb auch über Frontmann Franz Belger korrekterweise formulieren: "Franz könnte im Prinzip, hätte er nicht nur zwei Hände, eine ganze Band ganz allein mit sich selbst besetzen. Spätestens jedoch wenn er singt, schlagen die Herzen der Zuhörer und Zuhörerinnen höher."
Die Musik ist von seltener Intelligenz und Freude im Nachdenklichen.
Nun muss man sich noch einen Mann wie Helge Nitzschke hinzurechnen, um eine musikalisch kongeniale Mischung zu erhalten: "Helge studierte alle 88 Tasten des Klaviers und ist sozusagen ein Meister seines Faches ... Wenn er eine Farbe sieht, dann ist rot nicht rot, sondern 'c' oder 'cis'." Helge selbst bezeichnet sein musikalisches Tun als das auf zwölf Töne reduzierte Glasperlenspiel von Hermann Hesse.
Helge Nitzschke mit studierten Händen zu großer Leichtigkeit am Klavier
Foto: www.glissa-music.de
Wer das Buch gelesen hat, weiß, wie hoch die Latte bei dieser Ansage hängt. Doch wer solche Musik hervorbringt, darf sich gern Hermann Hesse als Buchstütze in den Schrank stellen.
Denn was hier aus den Boxen fließt, ist auf deutsch gesungener Balsam für geschulte Ohren. Und der Song "Gartenarbeit" ist einfach ein intelligenter Frühlingshit – mindestens in Leipzig von einer labellosen Band bei MySpace eingestellt. Sorgfältig gearbeitet, formidabel eingespielt und gesungen, treibt der Text das alte Spiel der Innen- und Außenwelt eines Menschen auf die kluge Metapher des zugewucherten Gartens.
Den eigenen natürlich und man möchte dem Ratschlag der Musiker folgen, gerade jetzt im Frühling: Nicht zu leise zu beten, sondern aus voller Kehle mitzusingen. Und die alten, inneren Mauern ein- und das wilde Kopf-Gestrüpp abzureißen.
Drei Musiker – ein Texter, Sänger an der Gitarre, ein Instrumentalist am Klavier und mit Chriz alias Christian Keymer eine Unterstützung beim Texten, Pianieren und Produzieren. Mehr brauchen die Musiker nicht, um eine auserlesene, jahrelang geschulte Qualität zu präsentieren, die nun von Veranstaltern gebucht werden kann oder besser sollte.
Der offizielle Terminkalender von Franz, Helge und Chriz ist leer und der Sommer braucht diese Musik. Die derzeitigen Profilaufrufe im neu eingestellten MySpace-Profil der Band in Höhe von 180 werden jedenfalls ziemlich sicher binnen kurzer Zeit eine ferne Erinnerung werden.
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