Bombenstimmung in Leipzig: Kiss heizen zum Deutschlandtour-Auftakt die Arena ein
Daniel Thalheim
26.05.2010
Aus Bayern angereist: Kiss-Fans mit einem kleinen Gene Simmons im "Dressed To Kill"-Outfit vor der Arena Leipzig
Foto: Daniel Thalheim
Sie sind wegen ihrer feurigen Bühnenshows und dem Make Up bereits seit 1973 als glitzernde Rock'n'Roll Aliens Legende. Mit ihrem neuen Hitalbum "Sonic Boom" im Gepäck feuerten gestern Gene Simmons, Paul Stanley, Tommy Thayer und Eric Singer endlos viele Klassiker auf rund 10.000 Fans in der Leipzig Arena ab. Unter ihnen viele Kiss-Klone.
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Es folgen noch Auftritte in Berlin, Hamburg, Oberhausen und Rock am Ring. Aber ohne die australischen Newcomer von "Wolfmother". Jene Rock'n'Roller sind krankheitsbedingt nicht mehr mit auf Tour. Dafür werden die sogar aus Bayern angereisten Kiss-Fans von den unbekannten "Five And The Red One" aus Ulm und "Taking Dawn" aus den USA aufgewärmt.
Viele der Kiss-Anhänger schminken sich wie ihre Helden und flanieren vor dem Konzert vor der Arena für Presse und Schaulustige umher. Eben auch die Herren, die wegen ihres bezaubernden Dialekts hörbar aus Bayern extra nach Leipzig gekommen sind und im geschniegelten Outfit exakt nach dem Coverbild des 1975 erschienenen Albums "Dressed To Kill" eingekleidet sind (siehe Bild).
Ist er's oder ist er's nicht? Ein Kiss-Fan ganz groß im spektakulären Demon-Outfit von Gene Simmons
Foto: Daniel Thalheim
Während sich die Arena immer mehr füllt, stimmen zwei Hardrock-Bands die ankommenden Besucher ein. "Five And The Red One" und "Taking Dawn" können mit bewegungs- und abwechslungsreichen Auftritten das Wohlwollen der Gäste erreichen. Sänger Chris Babbit von "Taking Dawn" würdigt während der halbstündigen Show den unlängst an Magenkrebs verstorbenen Heavy Metal-Sänger Ronnie James Dio, der bei "Rainbow", "Black Sabbath" und solo die Herzen seiner Anhänger mit seiner unverwechselbaren Stimme erreichte. Dann springt Babbit in den Fotograben und zeigt den Fans in der ersten Reihe wie man die Gitarre richtig zum Quietschen bringt.
Nun ist nach den beiden actiongeladenen Auftritten Warten angesagt. Die Stimmung erreicht nach jedem der von Konserve eingespielten Songs von Jimi Hendrix und Led Zeppelin ihren Siedepunkt. Pfiffe, "Kiss"-Rufe, Johlen. Gegen 21 Uhr fällt dann der schwarze Vorhang mit der originalen "Kiss"-Beschriftung.
Gene Simmons und Paul Stanley in voller Fahrt
Bild: Roadrunner Rec.
Unter aufbrausendem Jubel schauen Groß und Klein mit leuchtenden Augen den Vorspann von den Großbildschirmen, wie die vier "Rock'n'Roll-Alien" über Google Earth auf Planet Erde und in Leipzig landen. Ein furchterregend großer Plateaustiefel von Gene Simmons stampft auf, die Erde erzittert, die heißeste Band der Welt ist in der Arena angelangt.
Donnernder Applaus und noch lauter krachende Böller eröffnen ein über zweistündiges Hitfeuerwerk, das sich von den Anfängen der Band mit Liedern wie "Firehouse", "100.000 Years", "Black Diamond", "Rock And Roll All Nite", Detroit Rock City", "Shock Me" über die Phase der Achtziger wie "Lick It Up", "Crazy Nights" und "I Love It Loud", bis hin zum neuen Erfolgsalbum "Sonic Boom" erstreckt, dessen Cover während der Show immer wieder als Werbe-Einblendung auftaucht.
Optisch bekommen die Fans auch etwas geboten. Tommy Thayer und Eric Singer liefern sich in der Mitte der Show ein gemeinsames Schlagzeug- und Gitarrenduell, das furios in dem munteren Abschießen von Bühnenlampen von der Lichttraverse mittels Feuerwerkskörpern und viel Knallerei mündet. Auch "Kiss" haben während ihrer Show die Möglichkeit, in ihre Konterfeis im Publikum zu blicken. Da stehen sie fast schon Reih an Glied, die "Kiss Army" mit den Doubles der vier geschminkten Herren aus den USA. Zahlreiche Kameraeinblendungen in das Publikum machen den Blick in die vorderen Reihen möglich.
"Schlabberzunge" Gene Simmons heizt immer wieder in einer auf Bombast getrimmten Show an
Bild: Roadrunner Rec.
Schlabberzunge Gene Simmons zerbeißt indes bei seinem Basssolo Blutkapseln, spuckt die rote Soße auf einen später auf der Leinwand eingeblendeten glücklichen Fan und fliegt auf die Lichttraverse auf ein angebrachtes Podest, um dort "I Love It Loud" anstatt das erwartete "God Of Thunder" anzustimmen.
Bei "Lovegun" fliegt zunächst die halbe Bühne in die Luft, Sänger Paul Stanley überrascht mit "Whole Lotta Love" von Led Zeppelin, animiert immer wieder die Fans zu einer scheinbar nie endend wollenden Party. Viele der Hits werden von den "Kiss"-Anhängern lauthals mitgesungen.
Eric Singer am Schlagzeug
Bild: Roadrunner Rec.
Neben dem Zeigen des Publikums, frei nach Paul Stanley, "Das seid ihr, Leipziiig!", animiert der charismatische Sänger immer wieder die Massen zum Mitklatschen und Singen. Die als Starchild geschminkte Diva Stanley bringt das Publikum zum Kochen, indem er mahnt, dass er in Berlin und Hamburg sagen will, dass Leipzig die beste Stadt Deutschlands für eine Kiss-Show sei und keine andere Stadt. Das feuert auch die bayrischen Fans im "Dressed To Kill"-Outfit sichtbar zu spontanen Höchstleistungen an.
Ein Spiel, das sicherlich in den anderen Städten seine Fortsetzung finden wird. Bei der heiß erwarteten Zugabe fliegt Paul Stanley mit einem Seilzug auf den mittleren Podest und bringt mit "I Was Made For Loving You" die Arena zum Bersten - jeder hier kennt den Text und wer nicht, schreit dennoch. Der Song wird aus 10.000 Kehlen lauthals mitgesungen, bis dann die Show mit "Rock'N'Roll Allnite" im großen Konfettiregen, krachigen Böllern und sogar Feuerwerk sowie mit derselben Bombenstimmung wie zum Anfang der glitzernden Show endet. Wieder einmal hat Kiss neue Maßstäbe in Sachen Theatralik, Bombast und Showeffekten gesetzt.
Tommy Thayer komplettiert - Kiss in Aktion setzt in Leipzig wieder neue Maßstäbe in der Bühnenshow
Bild: Roadrunner Rec.
Viele Fans gehen mit glücklichen Gesichtern und neuen "Kiss-Shirts" aus der Arena und erzählen an den vor der Arena stehenden Bierständen ihre frischen Erlebnisse und stimmen sich zum Teil schon auf die kommenden Deutschland-Shows ein. Inzwischen wird die Schminke der "Kiss"-Doubletten ebenso verlaufen sein, wie das der Originale. Aber was soll's. Nichts ist für die Ewigkeit.
Einige Fans teilen sich ihre Erfahrung mit der Security, die laut Veranstalter im Sinne der Band darauf achtet, dass das private Fotografieren und Filmen der Show mit Handy-Kameras grundsätzlich nicht erlaubt sei. Auch wenn viele Anhänger ein privates Mitbringsel nach Hause nehmen wollen, ist es doch kläglich, wenn die Bilder verwackelt und die Klänge verrauscht sind. Außerdem weist der Veranstalter vor der Show durch Lautsprecheransagen auf diesen Sachverhalt hin, bereits im Vorfeld war selbst für die anwesende Presse die Erlangung einer Fotoerlaubnis ein Riesenspektakel.
"Kiss" zeichnen die Shows ohnehin für ihr unendlich anwachsendes Ton- und Bildarchiv auf, so dass Fans der Gruppe sicher mit einer DVD in erstklassiger Qualität rechnen können. Mit einer weiteren Einzahlung in die Vermarktungskasse der Band natürlich auch.
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