Klangpunkt Deutschland: 34. Leipziger Jazztage stehen unter dem Motto "20 Jahre deutsche Einheit"
Daniel Thalheim
05.07.2010
Steps werden im Café Telegraph am 23. September auftreten
Foto: Jazzclub Leipzig
Die vom 23. September bis 3. Oktober stattfindenden Leipziger Jazztage feiern die deutsche Einheit anders. Ist doch der Tag der deutschen Einheit am 3. Oktober auch ein Datum, wo sich seitdem Musiker, Künstler und Kulturschaffende nun auch als "gesamtdeutsch" identifizieren können.
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Das geteilte Deutschland nahm 1990 sein Ende, nun rücken die 34. Leipziger Jazztage in diesem sinn deutsch-deutsche Jazzkünstler in ihren Fokus. Der Vorverkauf startete bereits.
"Für ein Jazzfestival ist diese Einheit naturgemäß eine musikalische. Kein Anlass könnte geeigneter sein, endlich einmal die gesamtdeutsche Jazzlandschaft in all ihrer Vielfalt stärker ins Blickfeld zu rücken - stärker, als dies einem internationalen deutschen Festival zu anderen Zeiten möglich wäre. Und kaum eine andere Stadt in dieser vereinigten Landschaft bietet hierfür einen besseren perspektivischen Standpunkt als Leipzig: war es doch die hier so machtvoll zum Durchbruch gelangte Friedliche Revolution, die das Ende der DDR einleitete und damit an ein geeintes Deutschland überhaupt erst wieder denken ließ. Die Dimension dieser Einheit greift weit über Deutschland hinaus: durch Deutschland verlief der Riss der Welt. Darum wird es ein musikalisches Fest sein, das wir auch zusammen mit Künstlern der internationalen Jazzszene feiern wollen", so die Veranstalter in ihrer Auftaktmitteilung vom 5. Juli.
Laut diesen soll der Auftritt der NDR-Big-Band mit Rainer Tempel im Mittelpunkt der Jazztage stehen. Der 41-jährige Komponist und Pianist Rainer Tempel, der am 30. September in der Oper Leipzig sein Projekt „serious fun independent popular jazz music" vorstellt, ist auch Professor für Jazzkomposition in Stuttgart und hat schon mit Größen wie Till Brönner zusammen gearbeitet. Brönner hingegen wird am selben Abend am selben Ort wie Rainer Tempel bei den Leipziger Jazztagen auf Günter Baby Sommer treffen und vielleicht ein hoffnungsvolles Duett zur Schau stellen.
Wie einstmals Max Roach und Dizzy Gillespie, als jene 1953 in der Massy Hall in Toronto eine für die Jazzszene legendäre Konzertaufnahme hinterließen.
Die NDR Big Band unter der Leitung von Rainer Tempel hat in der Oper Leipzig ihren großen Auftritt
Foto: Steven Haberland / Jazzclub Leipzig
"Eine Besonderheit der Leipziger Jazztage sind die eigens für das Festival zusammengestellten Formationen", so die Veranstalter der Jazztage. Eingeladen sind in diesem Jahr immerhin das Nicolai-Thärichen-Tentett mit dem Sänger Michael Schiefel, Peter Brötzmann mit seinem Trio Full Blast, Burnt Friedman mit Jaki Liebezeit, Joo Kraus mit Basic Jazz Lounge, Nils Wogram mit Nostalgia und die Berliner Formation Hyperactive Kid.
Und die Jazzelectric Night geht am 25. September mit Jazzanova vom Sonarkollektiv aus Berlin im Werk II in eine neue Runde.
Die 34. Leipziger Jazzfestival erwartet wie jedes Jahr internationale Gäste. Das New Yorker Trio sollen zum ersten Mal in Leipzig zu Besuch kommen. Mit Kattorna und Mateusz Smoczyński sind wieder spannende polnische Künstler von der Partie. Auch der Jazz für Kinder gehört wieder zum Hauptprogramm des beliebten und traditionsreichen Festivals.
Kinder stehen auch dieses Jahr im Licht der Jazztage-Veranstalter. So wird auf der großen Opernbühne am 2. Oktober das Panama Jazzensemble mit Inspektor Maus zu erleben sein. In der Kinderklinik treten am 3. Oktober Jorinde Jelen und ihre Fresh Boys auf. Jelen interpretiert schon Gehörtes und Bekanntes auf ihre unnachahmliche Weise um, bezaubert mit ihrer Stimme neben den Kleinen auch die Großen. Außerdem zeigt sie spielerisch den Kleinen, wie Jazz funktioniert und dass Musik Spaß macht. Besonders dann, wenn die Kleinen mitmachen können.
Die deutsche Jazzlandschaft scheint so lebendig und vielseitig wie selten zuvor zu sein. Die Wende und die deutsche Einheit haben offenbar auf musikalischer Ebene keine Schulden aufgehäuft. Hochschulen, wie beispielsweise die Musikhochschulen in Köln, Frankfurt, Dresden und Leipzig haben an der gegenseitigen musikalischen Befruchtung und am Austausch talentierter Musiker wahrscheinlich einen wichtigen Anteil für die Stellung der deutsch-deutschen Jazzszene im Ausland aber auch hierzulande. Die enge Verbindung der Leipziger Jazztage zur Hochschule für Musik und Theater „Felix Mendelssohn Bartholdy“ in Leipzig lassen in diesem Jahr der Gitarrist Vinzenz Wieg wohlgesetzte und gewiefte Gitarrengriffe sprechen.
Wieg wird am 28. September in dem Club "Horns Erben" mit seinem Sextett eine anschließende Session eröffnen. In thematischer Entsprechung zur deutschen Einheit warten eine Fotoausstellung, Filmvorführungen und ein Podiumsgespräch auf die Besucher der 34. Leipziger Jazztage.
Geschichtenerzählerin Jorinde Jelen tritt für kranke Kinder in der Kinderklinik auf, um wieder Herzen strahlen zu lassen
Foto: Jazzclub Leipzig
Auf der Homepage der 34. Leipziger Jazztage können nationale und internationale Gäste das Programm einsehen und feststellen, dass neben den typischen Clubs der Jazztage 2009 eine mächtige Ausdehnung vollzogen wurde. Neu hinzu gekommen sind immerhin die Spielstätten UT Connewitz, Werk II, Horns Erben, Moritzbastei auch die Oper Leipzig, das Passagekino, die Kinderklinik, das Café Telegraph und die naTo.
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