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Bessere Zeiten Festival: Wasser, Schlamm und Stimmung auf der Festwiese + Bildergalerie

Daniel Thalheim
Foto: Daniel Thalheim
Joey Adler fixiert hinter seiner Fliegenbrille das versammelte Publikum. Dann spritzt der Schlamm unter dem Stampfen der Fans auseinander. The Sonic Boom Foundation räumen auf dem Bessere Zeiten Festival 2010 gehörig ab. Das BZ hat wieder zu neuer Stärke gefunden.

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Doch zunächst ein paar Fakten. 2005 fand das erste Festival auf der Festwiese am Sportforum statt. Rund 3.500 Schaulustige feierten 13 Musikgruppen bei dem Angebot, das ohne Eintritt seither mit Familienangeboten und Musik Leipziger anlocken will. Nicht zuletzt sollen die Leipziger selbst sehen, dass die Messestadt Bands zum Vorzeigen hat.

Fünf Jahre später ist das Ziel nicht verwässert. Die Undergroundfahne wehte 2010 besonders hoch, weil die Bandcommunity Acts wie Lament, Arranged Chaos und The Sonic Boom Foundation ganz nach oben gestellt hat. Bands wie Nevamind und Madrhymaz sorgten ebenfalls für Stimmung.

The Sonic Boom Foundation räumen beim 6. Bessere Zeiten Festival 2010 gehörig ab.
The Sonic Boom Foundation räumen beim 6. Bessere Zeiten Festival 2010 gehörig ab.
Foto: Daniel Thalheim

Trotz kurzen Schauern, frischem Wind und Schlamm unter den Füßen, ließen sich dieses Jahr rund 1.000 Besucher nicht beirren, genossen seit dem Nachmittag Gegrilltes, Bier und Musik. Bei letzterem sorgt die Bandcommunity für eine gesunde Mischung. Jeder soll seine Chance haben. Rocker teilen sich friedlich die Bühne mit Rappern, Poppern und Metallern.

Während The Squibs, Over Body Free, Die Optrien und Star Roxx noch mit kräftigen Schauern kämpfen mussten, klart der Himmel während der frühen Abendstunden zusehends auf und lässt die Sonne auf die Alternative-Rocker Nevamind scheinen, die ihr dreiviertelstündiges Programm lässig und mit zurückhaltenden Posen zocken. Ihren Auftritt mussten die Leipziger vorziehen, weil die eigentlich um diese Uhrzeit auftretende Band noch nicht vollständig war.

Das 6. Bessere Zeiten Festival am Sportforum hatte für rund 1.000 Besucher Musik, Gegrilltes und Bier parat.
Das 6. Bessere Zeiten Festival am Sportforum hatte für rund 1.000 Besucher Musik, Gegrilltes und Bier parat.
Foto: Daniel Thalheim

Dafür haben ArtbreakHeartshop wenig später die Gelegenheit die Gäste von ihrem Duettgesang zu überzeugen. Die Beifallsbekundungen bleiben zwar Mangelware, aber das Interesse ist groß - alles lauscht. Erste Fans mit Playmobil-Frisuren und bunten Metalshirts tauchen schon auf. Sie haben gehört, dass ihre Helden aus dem Leipziger Metal-Underground, Arranged Chaos, auf dem Festival spielen werden.

Sie sollten nicht enttäuscht werden. Mit einem langen Einstieg aus der Konserve wummern schwere Riffgewitter über das Festivalgelände. Das Bessere Zeiten Festival hat wohl noch nie eine so harte Band im Programm gehabt. Die fünf Leipziger setzen ihren Schwerpunkt auf ihr aktuelles Debütalbum "As Time Goes By ..." und überzeugen die anwesenden Anhänger mit tiefem Grunzen, aufjaulenden Gitarrenklängen und heftigem Trommelgebimmel aus dem Hintergrund.

Die Leipziger Deathcore-Formation Arranged Chaos gehört am 28. August zu den Abräumern des Tages.
Die Leipziger Deathcore-Formation Arranged Chaos gehört am 28. August zu den Abräumern des Tages.
Foto: Daniel Thalheim

Nach einer so heftigen Prügelattacke und Sonnenschein kann alles nur matter klingen. Lament machen ihrem Namen aller Ehre und sind sichtlich müde geworden. Auch wenn das stets putzmuntere Moderatorenpaar Lament als MTV Wettbewerb-Band groß ankündigt, ein neues Album offeriert, bleiben die Fans zahlenmäßig und gedanklich sichtlich weg bei dem poppig-rockenden Ereignis.

Erst als die 1996 als The Cure-Coverband gegründete Kapelle ihre frühen Anleihen zur berühmten Gothic-Formation auspackt, werden der spielerische Glanz und die gesangliche Sicherheit von Sebastian Söllner offenbar. Vielleicht hat hier das Wetter zugeschlagen, es fühlt sich nach den letzen Sonnenstrahlen alles etwas nasskalt an - vor und auf der Bühne.

Madrhymaz hatten sichtlich Spaß bei ihrem Auftritt und rissen die Gäste von ihren Sitzen.
Madrhymaz hatten sichtlich Spaß bei ihrem Auftritt und rissen die Gäste von ihren Sitzen.
Foto: Daniel Thalheim

Mit dem endgültigen Einbruch der Dunkelheit kommt wieder Leben in die Bude. Die lustigen Rapper von Madrhymaz haben es doch noch auf das Festivalgelände geschafft und zeichnen mit ihren Kinderliedtexten ein breites Lächeln auf jedes einzelne Gesicht der Besucher.

Das ist auch nach dem vorigen Trübsal auch nötig, denn aufziehende Frische und die Feuchtigkeit steigt in die Sachen und das Publikum muss sich mit stimmungsvoller Musik warm klopfen. Das schaffen die Madrhymaz mit Leichtigkeit und sind würdige Anheizer für eine Kapelle, die zu Leipzig gehört, wie wohl keine andere.

Als Joey Adler, Frank Raabe, Hendrik Pietsch und Steffen Gräfe die Bühne entern, werden die wenigsten des jünger gewordenen Publikums noch wissen, dass zwei der Herren bereits in einer anderen Leipziger Combo um Weltruf zockten. Mit Think About Mutation hatte Leipzig bis 2002 eine Crossover-Band vorzuweisen, die Rock mit Techno vermischte und einige Hits im Stammbuch stehen hat.

Nun ist The Sonic Boom Foundation an ihre Stelle getreten, jedoch weitaus aggressiver, klarer und live einfach besser. Mit ihrem aktuellen Werk "Bad News Always Good News" unterm Arm steigen die vier Musiker auch ein und sorgen spätestens mit früheren Liedern für ausgiebige Bewegung beim Publikum, das immer wilder wird zum Ausgang der Show.

Joey Adler in Action: The Sonic Boom Foundation schlossen das Bessere Zeiten mit Spielfreude und gute Laune würdig ab.
Joey Adler in Action: The Sonic Boom Foundation schlossen das Bessere Zeiten mit Spielfreude und gute Laune würdig ab.
Foto: Daniel Thalheim
Joey Adler fixiert hinter seiner großen Sonnenbrille die Fans und sorgt für klare Ansagen ans versammelte Publikum. Spätestens wenn Adlers groovendes Bassspiel einsetzt und mit Hendrik Pietsch den Takt vorgibt, spritzt die zu Schlamm zerstampfte Wiese unter den Füßen der Besucher auseinander. Die Meute feiert einen Song nach den anderen und fordert nach einer Stunde Spielzeit berechtigt nach Zugaben.

Diese wollen Sonic Boom Foundation auch spielen, aber 2010 müssen die Veranstalter den Auflagen nachkommen, dass der Zauber spätestens um 23 Uhr vorbei sein soll. Es gibt im angrenzenden Waldstraßenviertel offenbar Leute, die am Samstag Abend früh ins Bettchen steigen wollen und sich nicht wirklich für eine aufstrebende und engagierte Jugendkultur interessieren.

Auch wenn die Show von Sonic Boom Foundation hätte länger dauern können, bleiben die Fans ruhig und ziehen sich zu den noch geöffneten Bierständen zurück. Der eine oder andere vermisste zwar den auf den Flyern angekündigten Vöner-Stand, die rein vegane Speisen anbieten, aber ein herzhafter Biss in ein kross gebratenes Schnitzel oder eine Kelle aus der dampfenden Gulaschkanone tut es auch. Die Veganer haben jedoch nichts zu lachen - vielleicht ja 2011.

Bessere Zeiten Teil 6 hat wieder einmal gezeigt, wie lebendig die Musikkultur in Leipzig ist und welche interessanten Pflänzchen hier wachsen. Auch wenn der Wettergott den einen oder anderen Gast Zuhause vor die Flimmerkiste zwang, haben doch 1.000 Besucher den Weg auf die Festwiese gefunden. Verglichen mit der höheren Besucherzahl des ersten Festivals dieser Art ein guter Schnitt, den so manches Szenefestival erst erreichen muss. Die Vorbereitungen zur siebten Fortsetzung werden in Kürze wieder anlaufen.

Denn auch 2011 heißt es wieder: Bessere Zeiten auf der Festwiese am Sportforum.

Bessere Zeiten im Internet
www.bessere-zeiten-festival.org

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